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Sicher im Urlaub: Wie Sie sich vor Malaria und anderen Reisekrankheiten schützen

Oft ist es leichtsinniges Verhalten, das Touristen im Urlaub krank macht. Doch mit etwas Vorbereitung lassen sich bestimmte Risiken ausschalten. Von Nina C. Zimmermann

Bei Malaria kann es in Thailand und anderen Ländern schnell vorbei sein mit der Urlaubsidylle (Foto:  Anika Wolter, Andrea Damm/pixelio.de)

Bei Malaria kann es in Thailand und anderen Ländern schnell vorbei sein mit der Urlaubsidylle (Foto: Anika Wolter, Andrea Damm/pixelio.de)

Viele Touristen machen es so: Sie überlegen sich ein Reiseziel, buchen Flug und Unterkunft und denken dann bis kurz vor dem Urlaub nicht mehr viel darüber nach. Das kann in Bezug auf die Gesundheit ganz schön riskant sein. Denn je nachdem, wo die Reise hingeht, lauern gefährliche Infektionskrankheiten und andere Gefahren. Mit der richtigen Vorbereitung lassen sie sich aber in der Regel vermeiden – bei Fern- und Nahzielen.

„Fangen Sie drei Monate vor dem Urlaub an, sich Gedanken zu machen und lesen Sie sich ein“, rät Helmut Jäger vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Wer sich intensiv mit seinem Reiseziel beschäftigt, wisse beizeiten, ob eine Schutzimpfung zum Beispiel gegen Gelbfieber oder der Kauf eines Moskitonetzes sinnvoll ist. Auch eine reisemedizinische Beratung könne sich lohnen. „Wenn Sie unsicher sind, wenn Sie etwas lernen wollen, dann machen Sie eine.“

Oftmals leichtsinniges Verhalten

Allerdings sollten Urlauber die Beratung nicht als Freibrief für unbedachtes Verhalten werten, wenn sie erfahren, dass die Gesundheitsrisiken am Urlaubsziel gering oder doch ein paar Impfungen ratsam sind. „Wenn Reisende erkranken, beruht das oft auf Unfällen durch leichtsinniges Verhalten“, betont Jäger. „Fahren Sie also zum Beispiel nicht in Badelatschen und ohne Helm mit dem Roller nachts in Pattaya von der Disco heim.“

Und wer in Regionen reist, in denen das Gefälle zwischen Arm und Reich sehr groß ist, müsse sich bewusst machen, dass dort grundsätzlich die Gesundheitsrisiken höher sind. Von Mensch zu Mensch übertragbare Krankheiten wie Aids seien verbreiteter, ebenso die Gefahr, Opfer einer Gewalttat zu werden. „Stellen Sie Ihr Verhalten so ein, dass Ihnen nichts passiert.“

Koch es, schäl es oder vergiss es

Wenn es lecker aussieht, aber danach Platsch macht: Oft sind Essen und nicht sauberes Geschirr Auslöser von Durchfall (Foto: Ulrich E. K. Schmidt/pixelio.de)

Wenn es lecker aussieht, aber danach Platsch macht: Oft sind Essen und nicht sauberes Geschirr Auslöser von Durchfall (Foto: Ulrich E. K. Schmidt/pixelio.de)

Das gilt auch im Hinblick auf das Essen. Denn verunreinigte Nahrung oder schmutziges Wasser sind bei Urlaubern häufig Auslöser von Durchfall. Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf empfiehlt daher die altbekannte Regel: „Koch es, schäl es oder vergiss es.“ Soll heißen: Nur gut durchgegarte Speisen, abgepackte Getränke oder Obst, dessen Schale man selbst vor dem Verzehr entfernt, sind sicher.

Jäger weist außerdem darauf hin, dass selbst eine Impfung nicht dazu verleiten sollte, alle Vorsicht fahren zu lassen. Denn auch wenn jemand gegen die jüngst vermehrt bei Ägyptenurlaubern aufgetretene Reisegelbsucht (Hepatitis A) geimpft ist, könne er trotzdem Hepatitis E bekommen. Diese wird wie Typ A über verschmutztes Essen und Wasser oder Kot übertragen. Die Krankheit ist zwar heilbar, aber eine Impfung dagegen gibt es nicht.

Keime über verunreinigtes Geschirr

Keime könnten darüber hinaus auch durch verunreinigtes Geschirr übertragen werden, ergänzt Jelinek. Um trotz aller Vorsicht für solche Fälle gewappnet zu sein, rät er, Notfallmedikamente im Gepäck zu haben. Dazu lassen sich Urlauber am besten zu Hause ausführlich von Arzt oder Apotheker beraten und kaufen die Arzneimittel auch hierzulande.

Denn in vielen beliebten Reiseländern, etwa in Südostasien, seien zahlreiche gefälschte Medikamente im Umlauf, warnt Jäger. Diese helfen dann möglicherweise nicht, im schlimmsten Fall kann es zu schweren Nebenwirkungen kommen.

„Außerdem sollte man nichts mitnehmen, was die eigenen Kompetenzen überschreitet“, betont Jäger. Das gilt zum Beispiel für Antibiotika. Wer diese auf eigene Faust besorgt und einnimmt, verschlimmbessere seinen Zustand meist. Denn es könne sein, dass sich dadurch noch mehr Giftstoffe im Körper bilden und der Betroffene noch kränker wird. Im Fall der Fälle sei es vor Ort daher ratsam, zum Arzt zu gehen.

Mücken und Tücken

Ein weiteres Problem, mit dem Urlauber oft zu kämpfen haben, sind Mücken. Sie können je nach Reiseregion Infektionskrankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber übertragen. Guter Schutz vor Stichen durch körperbedeckende Kleidung, den Gebrauch von Mückenschutzmitteln und Moskitonetzen ist daher unerlässlich.

„Dengue-Fieber ist ein Standardthema in den Tropen und Subtropen, auch in vielen Gebieten, die malariafrei sind“, sagt Jelinek. Das gelte etwa für Südostasien, aber auch Rio de Janeiro. Gegen die Krankheit, die sich durch Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen bemerkbar macht, gibt es weder eine Impfung noch Medikamente.

Risiko Malaria

Gegen Malaria kann man sich zwar vorbeugend mit Medikamenten schützen. Aber da die Nebenwirkungen so gravierend sein können, wird die sogenannte Chemoprophylaxe nur für Hochrisikogebiete empfohlen. Das sind laut Jelinek etwa manche Regionen in Kenia, Südafrika und Äthiopien. Wo das Infektionsrisiko wie in Südamerika oder Asien nicht so hoch ist, reicht es, für den Notfall ein Antimalariamittel im Reisegepäck zu haben – und sich gut vor Mücken zu schützen.

Aber nicht nur in tropischen Regionen droht Ungemach durch stechende oder saugende Plagegeister. Vielerorts in Deutschland und Europa besteht Gefahr durch Zecken, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die im Unterholz und Gras lauernden Spinnentiere übertragen Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Bei FSME handelt es sich um eine Gehirn- und Hirnhautentzündung, die sich zu Beginn durch grippeähnliche Anzeichen bemerkbar macht. Die Zahl der Erkrankten war nach aktuellen Angaben des Robert-Koch-Instituts 2012 in Deutschland zwar relativ niedrig, Vorsicht ist aber weiterhin angebracht.

Vorsicht, Zecken!

Gegen FSME gibt es eine Impfung, gegen die oft an einer Wanderröte rund um den Stich erkennbare Borreliose nicht. Die BZgA empfiehlt zum Schutz, beim Wandern durch Sträucher und hohes Gras oder beim Beerensammeln geschlossene Schuhe und körperbedeckende Kleidung zu tragen. Die Hosenbeine sollten in den Socken stecken. Sinnvoll sei auch, ein zeckenabweisendes Mittel auf alle freien Körperstellen aufzutragen. Allerdings schützen solche Produkte nur für eine begrenzte Zeit.

Nach dem Aufenthalt im Freien sollte der Körper gründlich nach Zecken abgesucht werden. Wer eine entdeckt, muss sie möglichst schnell entfernen – ohne sie zu quetschen und nicht mit den Fingern, sondern mit einer Zeckenzange oder -karte. Sonst besteht die Gefahr, dass noch mehr Krankheitserreger übertragen werden. Anschließend ist es ratsam, die Stichstelle zu desinfizieren und noch etwa acht Wochen lang zu beobachten.

(dpa)

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