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Sie finden alle vier Jahre statt: Kulturtage der Gehörlosen erstmals in Erfurt

Rund 2000 Besucher werden heute erwartet: „Gebärdensprache als vielgestaltiges Ausdrucksmedium und identitätsstiftendes Fundament der Gehörlosen-Gemeinschaft.“

Bereits am Dienstag wurde in der Erfurter Rathausgalerie die Austellung „Aus der Stille ins Licht“ mit Bildern des gehörlosen Künstlers Albert Fischer alias Fise (1940 – 2003) eröffnet. (Foto: Deutscher Gehörlosen-Bund e.V.)

Rund 2000 Teilnehmer werden heute ab 13 Uhr zu den 5. Bundesweiten Kulturtagen der Gehörlosen in Erfurt erwartet. Unter dem Motto „Eine Kultur mehr. Gebärdensprache“ erwartet die Besucher auf der Erfurter Messe drei Tage lang ein reiches Kultur- und Bildungsprogramm mit Workshops, Vorträgen und Diskussionsrunden (ROLLINGPLANET berichtete). SPD-Bildungsminister Christoph Matschie will die Kulturtage eröffnen, für die die Thüringer Landeshauptstadt erstmals Gastgeber ist. Organisiert werden sie alle vier Jahre vom Deutschen Gehörlosen-Bund.

Gebärdensprache als zentrales Thema der Kulturtage

Kulturtage in Erfurt

Der Deutsche Gehörlosen-Bund erklärt: „(Wir) schauen wir auf die Gebärdensprache als vielgestaltiges Ausdrucksmedium und identitätsstiftendes Fundament der Gehörlosen-Gemeinschaft. Zugleich möchten wir dieses besonders facettenreiche Mitglied der weltumspannenden Sprachfamilie als Bereicherung für die Gesamtgesellschaft vorstellen und auf den Beitrag der visuellen Kommunikation zur kulturellen Vielfalt unseres Landes hinweisen.

Die Gebärdensprache ist der strahlende Mittelpunkt der Kulturtage. Für die Zukunft streben wir an, dass sie auch in der Mehrheitsgesellschaft einen zentralen Platz finden kann. Nur auf der Grundlage gebärdensprachlicher Kommunikation können die meisten tauben Personen ohne Barrieren und auf Augenhöhe am gesellschaftlichen Leben und Diskurs teilhaben.

Der Umgang mit ihren Minderheiten ist schließlich ein zentraler Gradmesser für den Entwicklungsstand einer Gesellschaft.

“Noch viel zu tun für vollständige Gleichberechtigung“

Bei den Kulturtagen blicken wir auf gemeinsam erreichte Erfolge zurück. So konnten wir in diesem Jahr das 10jährige Jubiläum der offiziellen Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache als eigenständiger Sprache feiern.

Im Zuge der fortschreitenden internationalen Vernetzung war der Deutsche Gehörlosen-Bund e.V. auch an der Brüsseler Erklärung zu den Gebärdensprachen in der Europäischen Union beteiligt, die im November 2010 verabschiedet wurde.

Mit dieser Charta wurden den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ehrgeizige Vorgaben gesetzt, wie sie den Schutz der nationalen Gebärdensprachen und das Recht ihrer NutzerInnen auf Ausübung der Muttersprache adäquat umsetzen können. Während wir uns über erreichte Meilensteine freuen können, bleibt jedoch im Kampf für vollständige Gleichberechtigung noch einiges zu tun. So bieten die Kulturtage Inspiration und kulturelle Unterhaltung ebenso wie Workshops und Vorträge zu politischen Themen.“

Programm: www.gehoerlosen-kulturtage.de

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