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Sie sind unter uns: Weltweit gibt es bereits fünf Millionen Retortenbabys

Wissenschaftler ziehen eine Bilanz zur In-Vitro-Fertilisation (IVF) und Intra-Cytoplasmatischen Sperma-Injektion (ICSI).

Sie war die Erste: Louise Brown (Foto: BBC)

Der 22. Juli 1978 war weltweit ein spektakulärer Tag: Die Britin Louise Brown war vor 33 Jahren die erste – seither sind weltweit rund fünf Millionen Retortenbabys zur Welt gekommen. Diese auf Schätzungen beruhende Zahl hat die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) gestern auf ihrem 28. Jahreskongress in Istanbul bekanntgegeben.

Zwar habe es seit damals viele rechtliche, moralische und auch ethische Auseinandersetzungen gegeben, sagte die spanische Ärztin und ESHRE-Vorsitzende Anna Veiga. „Die Fünf-Millionen-Marke ist aber ein Meilenstein, der all dies rechtfertigt.“ Zugleich sei die Zahl ein Zeugnis der Arbeit vieler Wissenschaftler und Mediziner sowie der Beweis des Vertrauens vieler Patienten in die Methode.

Für viele Menschen zu teuer

Die Statistik beweise, dass diese Behandlung bei Fortpflanzungsproblemen extrem erfolgreich sei, erklärte der US-Mediziner David Adamson. Angesichts der Kosten könne aber nicht jeder darauf zurückgreifen. In manchen Ländern gebe es zudem gesellschaftliche Barrieren. Außerdem gebe es noch Raum für Verbesserungen, hieß es mit Blick auf riskante Mehrlingsschwangerschaften.

Die in Istanbul vorgelegten Zahlen basieren auf den weltweiten Geburten nach zwei besonders häufig angewandten Verfahren. Die eine ist die In-Vitro-Fertilisation (IVF), wie sie bei der Mutter von Louise Brown angewandt wurde. Dabei werden die gereiften Eizellen abgesaugt, im Labor von den Samenzellen des Mannes befruchtet und der entstehende Embryo in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt.

Die andere ist die Intra-Cytoplasmatische Sperma-Injektion (ICSI), die bei Fruchtbarkeitsproblemen des Mannes zum Einsatz kommt. Der Ablauf ist zunächst derselbe wie bei der IVF, zur Befruchtung wird aber eine Samenzelle unter einem Mikroskop in die Eizelle gespritzt.

Lesley Brown wollte nie berühmt werden

Die Mutter von Louise Brown – Lesley Brown – ist vor kurzem, am 6. Juni, im Alter von 64 Jahren gestorben. Sie sei ein sehr ruhiger und zurückgezogener Mensch gewesen, sagte Tochter Louise Brown, ihre Mutter sei nur deshalb ins Rampenlicht geraten, „weil sie sich so sehr eine Familie wünschte“. Neben Louise hinterlässt Lesley Brown eine zweite Tochter, die ebenfalls durch künstliche Befruchtung zur Welt kam, sowie fünf Enkelkinder. Ihr Mann John starb bereits vor fünf Jahren.

Der britische Mediziner Robert Edwards, bei dem Brown für die künstliche Befruchtung behandelt worden war, erhielt 2010 den Nobelpreis für Medizin. Heute führen etwa 20 bis 30 Prozent künstlich befruchteter Eizellen zur Geburt eines Kindes.

(dpa/RP)

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