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Sie war die „Drombusch“-Tina: Marion Kracht wird 50

Wie die Schauspielerin die Gebärdensprache lernte und eine Heldin für gehörlose Menschen wurde. (K)eine Bilanz anlässlich ihres Geburtstags.

Marion Kracht (Foto: Privat / http://www.facebook.com/marion.kracht / Jeanne Degraa)

Im Fernsehen war früher nicht alles „Dallas“. Im ZDF liefen höchst erfolgreich „Diese Drombuschs“. In der Serie rund um eine hessische Familie und Günter Strack als Onkel Ludwig fanden sich viele Deutsche wieder.

Marion Kracht, damals Anfang 20, spielte Witta Pohls Film-Schwiegertochter Tina. 30 Folgen lang. „Ich bin damit erwachsen worden, wenn man so will“, sagt Kracht heute. Die Serie hat in ihrer Karriere eine große Rolle gespielt, dabei ist die Familiensaga eine von vielen Stationen. Heute wird die Schauspielerin 50.

Lesbische Filmtochter – damals noch ein Aufreger

Mit Gelassenheit: „Ich ziehe keine Bilanz, weil es für mich nur eine Zahl ist“, sagt sie im dpa-Interview. „Die Zeiten haben sich auch geändert. Früher gehörte man mit 50+ schon zum alten Eisen. Vor 30 Jahren war jemand mit 50 anders als heute.“ Im Moment hat die Schauspielerin viel zu tun und feiert den Geburtstag gemütlich, das Fest will sie im Sommer nachholen.

Die gebürtige Münchnerin, die in Berlin lebt, ist schon lange im Geschäft, 1979 war sie die Tony in den „Buddenbrooks“. Neben Filmen hat sie viele Fernsehserien gedreht, „Hallo Robbie!“, „Familie Sonnenfeld“ oder „Ein Heim für Tiere“, kürzlich stand sie für die „Soko Stuttgart“ vor der Kamera.

Im „Havelkaiser“ war sie in den 90er Jahren die lesbische Tochter von Günter Pfitzmann und Teil des ersten Frauenpaars an einem solchen Sendeplatz. „Das war Pfitzmanns Idee“, erinnert sich Kracht. Er habe auch dafür gesorgt, dass es ein ganz normales Paar wurde. „Wenn Journalisten ihn danach fragten, hat er gesagt: Was meinen Sie? Ich wurde damals gefragt, ob es nicht meiner Karriere schaden könnte. Solche Sätze sind da gefallen – unfassbar.“

“Gottes vergessene Kinder“ und Gehörlose

Ein Herzensprojekt war für Marion Kracht 1997 das Theaterstück „Gottes vergessene Kinder“, für das sie die Gebärdensprache lernte. Vielen Hörenden sei durch das Stück erst bewusstgeworden, was es bedeute, gehörlos zu sein. Kracht erlebte ganz direkte Reaktionen. „Da sind Gehörlose auf die Bühne gesprungen, haben mich nach der Vorstellung umarmt und eine Rede ans Publikum gehalten, die ich dann übersetzt habe.“

Und sie traf eine junge gehörlose Frau, deren Mutter das ganze Leben der Tochter lang noch nie eine Gebärde gelernt hat – obwohl das so einfach gewesen wäre. „Das sind so Momente, an denen einem das Herz stehen bleibt.“

Das „Sprachrohr“ des Landesverbandes der Gehörlosen Hessen e.V. schrieb seinerzeit:
„Viele kennen den gleichnamigen Film aus den USA (mit der gehörlosen Marlee Matlin). Was wir erlebten und sahen, war mehr, als wir erwartet haben. Marion Kracht spielte ihre Rolle als Gehörlose hervorragend. Ihre Gebärden waren voller Ausdruck und Mimik, und wir konnten alles ohne Gebärdensprachdolmetscher verstehen und waren total begeistert. Die Gebärdensprache erlernte Marion Kracht in Berlin in einem Gebärdenkurs.

Dieses Stück ist auch ein Stück aus unserem Leben, denn noch heute müssen wir Gehörlose uns noch von vielen Lehrern, Erziehern und Ärzten belehren lassen, dass nur das laute Sprechen wichtig für uns ist. Wir aber wollen unsere Gebärdensprache; die Gebärden mit Hand- und Mundbewegungen. Dies ist unsere Kommunikation, unser Leben.“

Im Zusammenhang mit dem Theaterstück entwickelte sich Marion Krachts Engagement für Gehörlose, für das sie 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Kracht setzt sich auch anderweitig für gute Zwecke ein, etwa für die Entwicklungshilfe und Plan Deutschland. Sie hält nichts davon, wenn sich Prominente nur um des schönen Scheins willen engagieren. „Ich war da manchmal ziemlich naiv. Als ich das erste Mal mit Plan in Indien war, haben mich Journalisten nach ein paar Tagen gefragt: ‚Sagen Sie mal, Sie meinen das völlig ernst, oder?’ Ich war da geschockt.“

Der Erfolg von „Drombusch“

Im nächsten Jahr spielt Marion Kracht, die mit dem Architekten Berthold Manns verheiratet ist und zwei Söhne hat, wieder Theater. In der Komödie „Auf ein Neues“ ist sie eine toughe Geschäftsfrau. Im Unterschied zu anderen Schauspielern reagiert sie nicht genervt, wenn sie auf ihre bekannteste Rolle angesprochen wird.

Man könne viel Kritik üben, auch an dem, was „Drombusch“-Autor Robert Stromberger geschrieben habe, sagt sie. „Aber er hat es trotzdem vermocht, Figuren sehr gut zu beschreiben.“ Die „Drombuschs“ waren für sie nicht nur ein Straßenfeger, weil es damals keine privaten Sender gab, sondern auch, weil Stromberger die Stärken, Schwächen und Probleme der einzelnen Generationen in einer Familie aufzeigte.

Kracht wundert sich und wird immer noch darauf angesprochen, dass die Folgen nicht einmal komplett wiederholt werden. „Das gäbe eine Riesenquote. Denn es gibt ganz viele, die damit aufgewachsen sind und sagen würden: Hey, das schau ich mir noch mal an. Auch wenn es von der Machart heute etwas antiquiert wirken würde.“

(Caroline Bock/dpa/RP)

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