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„Bayern barrierefrei 2023“ ist laut SPD gescheitert

ROLLINGPLANET-Tagebuch: Rollstuhlfahrer springt vom 7,5-Meter-Turm +++ Beatmungsgerät fängt Feuer – Rollstuhlfahrer stirbt +++ Niedersachsens Ministerpräsident verteidigt Inklusion +++ Miss Wheelchair World +++ Deutscher Sozialpreis


TAGEBUCH
DIENSTAG, 17. OKTOBER 2017
Bayern

Landtagsanfrage der SPD zum Projekt „Bayern barrierefrei 2023“

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Die bayerische Staatsregierung will in sechs Jahren alle öffentlichen Gebäude wie etwa Bahnhöfe komplett barrierefrei gestaltet haben. Die SPD meint nun, das Projekt mit dem Namen „Bayern barrierefrei 2023“ sei gescheitert. Zu diesem Urteil kommt sie nach einer Anfrage im Bayerischen Landtag. So habe laut Sozialministerium der Anteil der barrierefrei ausgebauten Bahnhöfe in Bayern 2014 bei 34 Prozent gelegen – im Jahr 2017 sei der Anteil lediglich um fünf Prozentpunkte angestiegen. Auch sonst üben die Sozialdemokraten heftige Kritik an dem von Ministerpräsident Seehofer lauthals angekündigten Vorhaben „Bayern barrierefrei 2023“. BR24

MONTAG, 16. OKTOBER 2017
Schleswig-Holstein

Rollstuhlfahrer stirbt bei Feuer in Bredstedt

(Symbolfoto: magicpen/pixelio.de)

(Symbolfoto: magicpen/pixelio.de)

Bei einem Brand in Bredstedt (Kreis Nordfriesland) ist am Samstagnachmittag ein 76-Jähriger Mann ums Leben gekommen. Die Ermittler gehen nach ersten Erkenntnissen von einem Unglücksfall aus, wie die Polizei heute mitteilte. Demnach könnte der Rollstuhlfahrer auf seiner Terrasse eine Zigarette geraucht haben. Dabei könnte seine Kleidung in Brand geraten sein. Nachbarn hörten die Hilferufe und alarmierten die Rettungskräfte. Der Mann starb noch an der Unglücksstelle. (dpa/lno)

FREITAG, 13. OKTOBER 2017
Turmspringen

Weltpremiere mit Rollstuhl an der Sporthochschule in Köln

Johannes Grasser auf dem Turm. (Foto: Sporthochschule Köln)

Johannes Grasser auf dem Turm. (Foto: Sporthochschule Köln)

Johannes Grasser, 28, ist aufgrund von Tetraspastik auf einen Rollstuhl angewiesen. Der gebürtige Bamberger studiert derzeit Sport an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Er lebt sein Motto „Nichts ist unmöglich“, und so kam er auf die Idee, Turmspringen zu machen. 7,5 Meter sollten es sein – mit seinem Rollstuhl. „Noch niemand hatte sich bislang an einen solchen Sprung gewagt“, heißt es in einem Bericht der „Bild“.
Erst wurde der Rollstuhl nach oben transportiert, dann erklomm Johannes unter der Anfeuerung seiner Mitstudenten den Turm. Seine Kommilitonen und Freunde zählten bis drei, und Johannes sprang mit erhobenen Armen, angeschoben von einem Freund, runter – und tauchte unter großem Applaus fröhlich wieder auf. Der Rollstuhl war zuvor am Turm mit einem Seil gesichert worden, so dass das Gerät nicht ins Wasser und auf Johannes fiel. Bild (Video)

Brandenburg

Beatmungsgerät fängt Feuer – Rollstuhlfahrer stirbt

Wegen eines brennenden Beatmungsgerätes ist ein Rollstuhlfahrer in Fürstenberg/Havel (Oberhavel) ums Leben gekommen. Vermutlich sei der 76-Jährige erstickt, teilte die Polizei am Freitag mit. Nach ersten Erkenntnissen habe das Opfer am Donnerstagabend einen Ofen angeheizt. Dabei habe das Beatmungsgerät Feuer gefangen, der Mann sei nach vorne gesackt. Ein Nachbar habe den 76-Jährigen gefunden, ihn aber wegen des starken Rauchs nicht retten können. Die Feuerwehr barg den Leichnam. Ein Einwirken Dritter war für die Polizei nicht erkennbar. Der 29-jährige Nachbar erlitt eine Rauchgasvergiftung. Das Haus blieb bewohnbar. (dpa/bb)

DONNERSTAG, 12. OKTOBER 2017
Niedersachsen

Weil: „Inklusion wird immer leichter“

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). (Foto: dpa)

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). (Foto: dpa)

Kurz vor der Landtagswahl zeigt sich Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zuversichtlich, dass die Probleme beim gemeinsamen Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung an Schulen in Niedersachsen bald gelöst sein werden. „Ab jetzt, das prophezeie ich Ihnen, wird die Inklusion immer leichter werden“, sagte Weil im Gespräch mit der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Das Land stelle gerade 650 Inklusionsfachkräfte ein, darunter Sozialpädagogen, Logopäden und Ergotherapeuten. Weitere würden folgen. Zudem habe Niedersachsen die Ausbildungszahlen für Sonderpädagogen verdoppelt. „Bei der übernächsten Landtagswahl wird Inklusion kein Thema mehr sein“, sagte Weil.
Gestern hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der „HAZ“ vor einer angeblichen Überstürzung bei der Inklusion gewarnt (ROLLINGPLANET berichtete: Inklusion: Bundeskanzlerin Merkel tritt auf die Bremse) und im Wahlkampf Weils Herausforderer, dem niedersächsischen CDU Spitzenkandidaten Bernd Althusmann, den Rücken gestärkt. Dieser hatte sich für einen Aufschub bei der Inklusion und einen Erhalt der Förderschulen ausgesprochen. (dpa/lni)

MITTWOCH, 11. OKTOBER 2017
Rollsteg

23-Jährige zur „Miss Wheelchair World“ gekürt

Die 23-jährige Alexandra Schischikowa aus Weißrussland ist in Warschau zur ersten „Miss Wheelchair World“ gekürt worden. „Kämpft gegen Eure Ängste“, sagte sie bei der Krönung in der polnischen Hauptstadt. Die Studentin der Psychologie und Sozialpädagogik setzte sich bei dem Wettbewerb gegen mehr als 20 Mitbewerberinnen durch. Auf Platz zwei kam die Südafrikanerin Lebohang Monyatsi, gefolgt von der Polin Adrianna Zawadzinska. Spiegel Online, YouTube

Medien

Deutscher Sozialpreis für ZDF-„37°“-Autorin Sabine Grabs

Die Freunde Max, Nico und Robin kennen sich seit dem Kindergarten. (Foto: ZDF/Simone Grabs)

Die Freunde Max, Nico und Robin kennen sich seit dem Kindergarten. (Foto: ZDF/Simone Grabs)

Simone Grabs wird für die „37°“-Dokumentation „Wirklich beste Freunde – eine Clique fürs Leben“ mit dem Deutschen Sozialpreis ausgezeichnet. Der Film, der am 2. Februar 2016 im ZDF zu sehen war, erzählt die Geschichte des jungen Mannes Nico, der durch eine Muskelerkrankung fast bewegungslos geworden ist und von seinen Freunden betreut wird. Autorin Simone Grabs fragt, ob ein schönes Leben trotz großer Einschränkungen möglich ist und wie viel Kraft Nico braucht, um seine Ziele zu verfolgen. Nachdenklich, aber auch humorvoll zeigt sie, wie Freundschaften entstehen und sich entwickeln, wenn Menschen mit und ohne Behinderung zusammen aufwachsen.
Seit 1971 verleihen die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege den Deutschen Sozialpreis. Der Medienpreis zur sozialen Lebenswirklichkeit in Deutschland ist mit insgesamt 20.000 Euro dotiert und wird in vier Sparten vergeben. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren wurden rund 300 hochwertige Arbeiten von einer unabhängigen Fachjury bewertet. (PM)

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