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Snowboarder und Triathlet mit Handicap: Stefan Lösler

Er gehört zu den wenigen deutschen Spitzensportlern, die in zwei grundverschiedenen Disziplinen international konkurrenzfähig sind. Von Julia Nikoleit

Stefan Lösler bei seiner ersten Disziplin Snowboard (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Stefan Lösler bei seiner ersten Disziplin Snowboard (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Stefan Lösler hat sich an den Schnee gewöhnt, seine Form für die kommende Snowboard-Saison gefunden. Doch auch in Schnee und Eis schweifen die Gedanken des 29-Jährigen immer wieder in Richtung der sonnigen Copacabana. Denn sein großes Ziel sind die Sommer-Paralympics 2016 in Rio de Janeiro – dort möchte er als Triathlet starten.

„Sport war und ist eine Bestätigung für mich selbst und für den Kopf“, sagt der ehemalige Snowboardlehrer und begründet seinen ausgeprägten Bewegungsdrang so: „Wenn ich ein Tief habe, hilft mir der Sport enorm.“ Sein Fokus liegt jetzt auf der am Donnerstag im niederländischen Landgraaf beginnenden Weltcup-Saison mit Snowboard.

Keine ruhige Jahreszeit

Lösler ist einer der wenigen im deutschen Spitzensport, der in zwei grundverschiedenen Disziplinen international konkurrenzfähig ist. Wie bei der als Handbikerin als auch Biathletin und Langläuferin hochdekorierten Paralympicssiegerin Andrea Eskau gibt es auch für Lösler keine ruhige Jahreszeit. Als erster und bisher einziger Deutscher nahm er bei den Paralympics in Sotschi im erstmals ausgetragenen Parasnowboard teil, nachdem er im Jahr zuvor als Paratriathlet EM-Gold gewonnen hatte – sein bislang größter Erfolg unter bereits vielen in der wärmeren Jahreszeit.

Dennoch war Sotschi der bisherige Höhepunkt seines Sportlerlebens. „Als wir bei der Eröffnungsfeier in dieses riesige Stadion reingekommen sind, hat es mir buchstäblich die Sprache verschlagen“, erinnert sich Lösler. Sportlich reichte es für ihn in Sotschi zum 22. Platz, zufrieden ist er dennoch: „Als ich meinen zweiten Lauf perfekt runtergebracht habe, war die Freude riesengroß.“

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Nach einem schweren Verkehrsunfall 2010 musste Lösler der linke Oberschenkel amputiert werden. Das Laufen mit einer Prothese lernte er erst ein Jahr später in der Reha-Klinik wieder. 2012 absolvierte der einstige Hobby-Triathlet erstmals wieder Strecken über zehn Kilometer. Im selben Jahr wurde er bereits Duathlon-Vizeweltmeister.

Neben Lösler starten in Christian Schmiedt und Manuel Neß zudem erstmals zwei weitere Athleten im Snowboard-Weltcup. Das Trio absolvierte in der Vorbereitung ein gemeinsames Trainingslager im Kaunertal. „Es macht unglaublich Spaß, auf diesem Niveau Rennen zu fahren“, schwärmt Multitalent Lösler. Das Trio will neben dem Weltcup in den Niederlanden diesen Winter auch in Slowenien und Italien starten.

Kaum finanzielle Unterstützung

Ob das auch in Zukunft noch geht, ist die große Frage. Der Sport ist teuer, Unterstützung gibt es nur wenig. Der Beruf muss zwangsläufig vorgehen. Lösler hat gerade sein Studium in Graz abgeschlossen, nun sucht der Elektrotechniker und Toningenieur nach einem Job. „Ich versuche natürlich einen Arbeitgeber zu finden, der meinen Sport berücksichtigt. Davon wird es abhängen, wie und in welchem Umfang ich ihn weiter betreiben kann“, erklärt er.

Und auch, ob er den Traum von der Copacabana tatsächlich leben kann. Anfang Oktober entschied der Weltverband, dass Löslers Klasse – schwerste Behinderung stehend – für die Spiele in Brasilien zugelassen wird. Für ihn eine willkommene Überraschung: „Das war nicht vorhersehbar. Wenn es mit der Teilnahme klappen würde, wäre das wirklich unglaublich.“

(dpa)

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