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So geht es dann auch nicht: Aus Geiz krepieren lassen

Alt und krank? Passte irgendwie nicht in das Wirtschaftlichkeitsgebot einer Krankenkasse. Sie weigerte sich, einer 72-jähriger Patientin eine lebenserhaltende Therapie zu zahlen und wurde nun von einem Gericht eines Besseren belehrt.

Heute eine Folge aus der Reihe: Wir versuchen uns reich zu sparen, auch wenn die Alte dabei hops geht. (Foto: Benjamin Thorn/pixelio.de

Eine Krankenkasse muss die Kosten für eine Stammzelltransplantation übernehmen, wenn damit das Leben einer 72-jährigen Patientin gerettet werden kann. Das geht aus einer Entscheidung des Sozialgerichts Hamburg hervor, auf das die Arbeitsgemeinschaft im Deutschen Anwaltverein hinweist (Az.: S 35 KR 118/10).

In dem Fall war bei einer 72-Jährigen aus einer Reifungsstörung der Blutzellen im Knochenmark eine akute Leukämie geworden. Das Krankenhaus hielt daraufhin eine Stammzelltransplantation für zwingend erforderlich.

Kostenübernahme abgelehnt

Die Kasse weigerte sich allerdings, die Kosten zu übernehmen, weil das Verfahren für eine Patientin dieses Alters nicht ausreichend erprobt sei. Die Kostenübernahme außerhalb einer klinischen Studie verstoße gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot.

Die Richter urteilten anders. Sie folgten dem Gutachten des hinzugezogenen medizinischen Sachverständigen, wonach es für die Patientin keine alternative Therapie mit vergleichbaren Erfolgsaussichten gab. Das Verfahren sei auch bei einer 72-Jährigen kein Experiment. Ohne die Transplantation wäre die Frau nach Einschätzung der Mediziner innerhalb eines Jahres verstorben.

ROLLINGPLANET hat einen Tipp für die Krankenkasse: Erklärt die Dame einfach für tot, dann muss man auch nichts zahlen.

(dpa)

Recht & Urteile
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2 Kommentare

  • Willi Schroeder

    Geiz ist geil … 😉 die Gesetzlichen Krankenversicherungen verkommen immer mehr zu Gewinn und Verlust orientierten Wirtschaftsunternehmen. Dieses Gebahren wird in hohem Maße durch Politik beinflusst und befürwortet. Wenn ein Menschenleben nur noch dann wertvoll ist, wenn dieser Mensch der Gesellschaft noch einen finanziellen Nutzen erweisen kann, dann ist es nicht mehr weit bis zur Euthanasie.

    1. Februar 2013 at 13:35
  • georg merklein

    das kommt nicht nur bei krankenkassen vor, sondern auch in krankenhaeusern. da kenne ich z. b. einen fall, wo es geheissen hat, „was sollen wir denn bei einem so alten menschen noch viel ´zu erhalten´ versuchen, der hat sowieso nicht mehr lange… (wortwoertlich !)

    1. Februar 2013 at 23:01

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