So geht Protest – Menschen mit Behinderung hängen sich auf

Sie fühlen sich von der Regierung ignoriert: In Bolivien greifen Aktivisten zu ungewöhnlichen Mitteln, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Mit einer ebenso originellen wie für manche Beobachter verstörenden Protestaktion haben Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Behinderung im südamerikanischen Bolivien (10,6 Millionen Einwohner) erneut gegen ihre niedrigen staatlichen Hilfsleistungen protestiert. Nachdem sich die Demonstranten vor wenigen Tagen mit ihren Rollstühlen stundenlang unter einer Brücke in der zentralbolivianischen Stadt Cochabamba (viertgrößte Stadt Boliviens und Hauptstadt des umgebenden Departamento Cochabamba) aufhängen ließen, wiederholten sie diese Aktion am Donnerstag.

„Niemand gibt uns eine Antwort“

Mit-Organisatorin Rosemary Guarita beklagte, dass die Regierung nicht auf ihre Forderungen eingeht und sich noch nicht einmal gemeldet habe. Die Aktivisten fordern eine Verdopplung ihrer monatlichen staatlichen Unterstützung von umgerechnet derzeit 33 Euro. „Wir haben die Regierung um einen Dialog gebeten – niemand gibt uns eine Antwort. Wir werden uns so lange an die Brücke hängen, bis wir eine Antwort bekommen“, klagt Guarita. Laut dem Bürgerbeauftragten gibt es in Bolivien etwa 388.000 Menschen mit Behinderungen.

Trotz seines Reichtums an Bodenschätzen (früher vor allem Silber und Zinn) war die Republik für lange Zeit das ärmste und exportschwächste Land Südamerikas. Das durchschnittliche Monatseinkommen beträgt Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes zufolge 230 Euro pro Kopf (im Jahr 2014). Noch vor einigen Jahren lebten zwei Drittel der Bevölkerung in Armut, 40 Prozent gar in extremer Armut.

(RP/PM)

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3 Kommentare

  • Alexandra Görner

    mutig !

    4. März 2016 at 20:21
  • Claudia Leibinger

    ja sehr mutig , ich könnte das nicht , da kann man nur die daumen drücken das es auch was bewirkt .

    5. März 2016 at 08:39
  • Lynkas

    Ja das erwarten einige Behördenmitarbeiter in Deutschland auch von mir, dass ich mich aufhänge und somit weitere staatliche Hilfsleistungen entfallen. Okay, mein Monatseinkommen liegt sogar bei 400 Euro, also fast doppelt so hoch wie das oben angegebene von 230 Euro im Monat. Enorm! Protest – auch „augenzwinkernder“ – funktioniert nur, wenn man eine „Solidargemeinschaft“ hinter sich hat, ansonsten ist kann so was bitterer Ernst sein: manche Behinderungen „müssen doch heute nicht mehr sein“ und „hätte man da nicht was machen können“ und „behindert sein und auch noch Ansprüche stellen: also das ist nun wirklich zu viel verlangt“.

    15. Mai 2016 at 11:47

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