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So jung – und schon Prostatakrebs?

Von der Volkskrankheit sind vor allem ältere Männer betroffen. Doch manchmal trifft die Diagnose auch Jüngere. Warum? Wissenschaftler glauben, eine Antwort gefunden zu haben.

Mediziner sind der Entstehung von Prostatakrebs bei jungen Männern auf die Spur gekommen. Das deutsche Forscherteam um Joachim Weischenfeldt vom European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg entdeckte einen genetischen Mechanismus, der bei der Entwicklung dieser Krebsform im frühen Alter eine wichtige Rolle spielt.

„Wir wissen nun, dass Tumore durch winzige Effekte entstehen, indem sich Bauteile im Erbgut verschieben“, sagte Professor Thorsten Schlomm vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, einer der Mitautoren der Studie.

Fast 70.000 Neuerkrankungen erwartet

Prostatakrebs ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) der häufigste Krebs bei Männern in Deutschland. 2008 erkrankten demnach 63.440 Männer neu an dem bösartigen Tumor, für 2012 schätzt das Institut die Zahl der Neuerkrankungen auf 67.700. Vor allem Ältere sind davon betroffen. Dennoch seien etwa zwei Prozent der Männer bei der Diagnose 50 Jahre alt oder jünger, heißt es im Fachjournal „Cancer Cell“.

„Es war unklar, ob Prostatakrebs bei jungen Männern durch einen anderen Mechanismus erklärbar ist als Prostatakrebs bei Älteren“, sagte Mitautor Jan Korbel vom EMBL. In ihrer Untersuchung analysierten die Wissenschaftler daher das vollständige Erbgut von Prostatatumoren von elf jüngeren Patienten. Dies verglichen sie mit der Erbinformation von Geschwülsten sieben älterer Erkrankter.

Sexualhormon Testosteron spielt eine Rolle

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass ein Rezeptor, der das Sexualhormon Testosteron bindet, in den Tumoren der jungen Patienten sehr aktiv ist. Dies verändere mehrere Gene, die die Entstehung und das Wachstum von Krebs begünstigen. Im Gegensatz dazu zeigte das Erbgut der Tumore der älteren Erkrankten vor allem Abnormalitäten, die nicht mit der Aktivität des Rezeptors in Verbindung standen. Diese Ergebnisse bestätigten die Forscher dann an Daten von 10.000 weiteren Patienten.

„Damit haben wir erstmals bewiesen, dass es bei einem häufigen Krebs altersabhängige Entstehungsmechanismen gibt“, teilte der Heidelberger Forscher Weischenfeldt mit. Künftig wollen die Wissenschaftler untersuchen, welche Rolle Testosteron bei der Krebsentstehung spielt. Professor Michael Stöckle von der Deutschen Gesellschaft für Urologie wies darauf hin, dass noch weitere Studien zeigen müssten, ob die neuen Erkenntnisse tatsächlich messbare Fortschritte für Patienten bringen.

An der Studie sind auch Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik in Berlin beteiligt.

(dpa)

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