""

Eitelkeit ist es nicht: Darum zeigt Heinrich Popow bei „Let’s Dance“ seine Prothese

ROLLINGPLANET-Tagebuch: Teilhabebericht der Bundesregierung +++ Björn Lohmann +++ Behinderte protestieren gegen neue Verordnung in Trams und Bahnen

TAGEBUCH
FREITAG, 24. MÄRZ 2017
TV-Deutschland

Und nun fragt sich TV-Deutschland: Warum tritt Heinrich Popow mit gekürztem Hosenbein auf?

Heinrich Popow mit Profitänzerin Kathrin Menzinger (Foto: RTL)

Heinrich Popow mit Profitänzerin Kathrin Menzinger (Foto: RTL)

Paralympics-Sieger Heinrich Popow tritt bei „Let’s Dance“ (RTL) mit gekürztem Hosenbein auf – was Zuschauer im Internet fragen lässt wie beispielsweise eine Userin auf Facebook: „Hat es einen tieferen Sinn, dass sie ihm ein Hosenbein abgeschnitten haben? Eventuell um die Prothese besser zu zeigen? Er hat meinen höchsten Respekt! Ich finde, er sollte nicht als gehandicapt präsentiert werden.“ Eine andere Zuschauerin schrieb: „Ich mag ihn, ich finde ihn super. Nur frage ich mich: Wieso muss das Hosenbein abgeschnitten sein bei dem Bein mit der Prothese?“ Jeder wisse, dass Popow eine Prothese trage, aber müsse man das „so in den Vordergrund stellen“, fragte sie.
Für das abgeschnittene Hosenbein gibt es tatsächlich eine ganz andere, sehr viel einfachere Begründung. Moderatorin Sylvie Meis hat den zweifachen Paralympics-Goldmedaillen-Gewinner in der Kennenlernshow „Let’s Dance – Wer tanzt mit wem?“ im Februar auf diesen Punkt angesprochen und nach dem Grund gefragt. Popow erklärte: „Ich habe Angst, dass meine Hose in das mechanische Kniegelenk reinkommt und ich dann nicht weitermachen kann.“ (ag)

Debatte im Bundestag zum Teilhabebericht der Bundesregierung

Linke verlangt inklusives Bildungssystem

Katrin Werner, behindertenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag. (Foto: Die Linke)

Katrin Werner, behindertenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Bundestag. (Foto: Die Linke)

Einundsiebzig Prozent aller Schülerinnen und Schüler, die eine Förderschule besuchen, erreichen keinen Hauptschulabschluss. Das zeigt, wie unterschiedlich Bildungschancen von Menschen mit und ohne Behinderungen sind. Und das hat enorme Auswirkungen auf den weiteren Lebensverlauf und die Teilhabechancen in anderen Lebensbereichen, in denen Menschen mit Behinderungen nach wie vor ausgegrenzt und diskriminiert werden. Die Ausgrenzung muss endlich ein Ende haben. Wir brauchen ein Bildungssystem, in dem alle Schülerinnen und Schüler mit und ohne Behinderungen, von Anfang an gemeinsam lernen“, sagt Katrin Werner, behindertenpolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in ihrer Rede im Deutschen Bundestag zum „Teilhabebericht der Bundesregierung über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen“.
Werner weiter: „Menschen mit Behinderungen sind länger arbeitslos als Menschen ohne Beeinträchtigungen, sie haben größere Sorgen um ihre persönliche wirtschaftliche Lage und bestreiten ihren Lebensunterhalt seltener aus ihrem Erwerbseinkommen. Unternehmen müssen stärker verpflichtet werden Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen. Und dazu ist eine Erhöhung der Ausgleichabgabe notwendig die Unternehmen zahlen müssen, wenn sie weniger Menschen mit Behinderungen beschäftigen als gesetzlich vorgeschrieben. Es muss aufhören, dass Unternehmen sich billig freikaufen können, statt Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen.“ (RP/PM)

Bentele fordert Wahlrecht für Menschen mit rechtlicher Betreuung

Die Mitgestaltung des politischen Lebens sei ein Eckpfeiler der Teilhabe, sagte die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Verena Bentele, im Bundestag in einer Aussprache zum jüngsten Teilhabebericht der Bundesregierung. Menschen, die dauerhaft einen rechtlichen Betreuer haben, dürfen bislang nur bei Landtags- und Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wählen. In den anderen Ländern und bei der Bundestagswahl haben sie kein Wahlrecht. Redner aller Fraktionen plädierten in der Debatte dafür, die Inklusion von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft weiter voranzubringen, besonders auf dem Arbeitsmarkt. DLF24

Menschen mit Behinderung in die Politik

Die Grünen-Abgeordnete Rüffer erklärte, sie wünsche sich mehr Menschen mit Behinderung im künftigen Bundestag. DLF24

Fulda

Kurzschluss vermutlich Ursache für erneuten Brand in Behindertenheim

Vier Tage nach einem erneuten Brand in einer Behinderteneinrichtung in Fulda gibt es Hinweise auf die Ursache. Das Feuer in der Gärtnerei-Lagerhalle des Antoniusheims sei vermutlich durch einen technischen Defekt ausgebrochen, berichtete die Polizei am Freitag. In einem der Kühlaggregate der Kühlräume habe es wahrscheinlich einen Kurzschluss gegeben.
Das Feuer war am Montag in der etwa 300 Quadratmeter großen Halle ausgebrochen, in der unter anderem ein Traktor und eine Schweißmaschine standen. Die Feuerwehr rückte zu einem Großeinsatz aus. Verletzt wurde niemand. Es entstand nach Angaben der Polizei ein Sachschaden von rund 300.0000 Euro.
Bereits Anfang November 2016 hatte es in dem Heim einen verheerenden Brand gegeben. Dabei war ein Bewohner (31) der Einrichtung ums Leben gekommen. Ursache damals: eine defekte Dreifach-Steckdose, an der elektronische Geräte angeschlossen waren.
Der Leiter des Antonius-Netzwerks, Rainer Sippel, sagte, das erneute Feuer sei ein trauriger Zufall. Die Brandschutz-Prävention werde sehr ernst genommen und technische Geräte würden regelmäßig gewartet. (dpa/lhe)

Rollstuhlbasketball

Björn Lohmann beendet seine Karriere

Kopf und Körper sind müde“, so begründet der 37-jährige Ex-Nationalspieler seine Entscheidung. Mit dem RSV Lahn-Dill möchte er sich nun mit einem Titel verabschieden. ROLLINGPLANET

DONNERSTAG, 23. MÄRZ 2017
Öffentliche Verkehrsmittel

Behinderte protestieren gegen neue Verordnung in Trams und Bahnen

Eine Welle der Kritik und Empörung schlug in Kassel den Vertretern von KVG und NVV während der jüngsten Sitzung des Behindertenbeirats entgegen. Sogar Tränen gab es („Sie nehmen mir die Würde“). Die Menschen mit Behinderung, darunter ein Großteil Rollstuhlfahrer, brachten ihren Protest gegen eine neue sogenannte Mitnahmeverordnung zum Ausdruck. Danach darf in Trams und Bussen nur noch ein einziger Elektro-Rollstuhl oder E-Scooter mitfahren. HNA

Lebensraum

Deutsches Institut für Menschenrechte fordert Verbesserungen

Bundesweit fehlt es an bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum: „Nach wie vor können Menschen mit Behinderungen von ihrem Recht, selbst über Wohnort und Wohnform zu bestimmen, nur unzureichend Gebrauch machen“, so das Deutsche Institut für Menschenrechte. Vor allem in Großstädten habe sich die Situation dramatisch zugespitzt. ROLLINGPLANET

Paraylmpicssportlerin

Die Geschichte der Franziska Liebhardt

Mit 23 erfuhr Franziska Liebhardt (Foto: dpa), dass sie an einer Autoimmunerkrankung leidet, die ihre inneren Organe angreift. Die Störung ist nicht heilbar. Dennoch wurde sie erfolgreiche Paralympicssportlerin. Als in einer lokalen Zeitung ein Artikel über sie mit der Überschrift „Der Tod ist ihr Begleiter“ erscheint, ist sie wütend. Sie will nicht immerzu als todkranker Mensch dargestellt werden. „Der Tod spielt in meinem Leben eine untergeordnete Rolle“, sagt sie. „Meine Geschichte ist eine Geschichte des Lebens, nicht des Sterbens.“ ROLLINGPLANET

Eurovision Song Contest

Kreml: Einreiseverbot für Russin schadet dem Image des ESC

Der Kreml rechnet mit einer Überprüfung des Einreiseverbots für die russische ESC-Teilnehmerin. „Das Einreiseverbot wertet den kommenden Wettbewerb ab – es ist ein Schlag für das Image des Eurovision Song Contests“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau. Der ukrainische Geheimdienst SBU hatte der russischen Sängerin Julia Samoilowa (ist seit ihrer Kindheit aufgrund einer Muskelerkrankung auf einen Rollstuhl angewiesen; Foto: Maria Antipin/dpa) wegen eines Auftritts auf der Schwarzmeer-Halbinsel Krim die Einreise verboten. Die Halbfinal-Wettbewerbe des ESC 2017 finden am 9. und 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, das Finale am 13. Mai. (RP/dpa)

Hamburg und Bremen

Inklusion: „Ohne Doppelbesetzung fahren wir an die Wand“

Eltern, Schüler und Lehrer beurteilen die Lage bei der schulischen Inklusion in Bremen und Hamburg als sehr ernst. Am dringendsten würde mehr Personal benötigt, womit gemeinsamer Unterricht durch eine Lehrkraft plus einen Sonderpädagogen gemeint ist. Nur auf diese Weise könne auf die Bedürfnisse aller Schüler – der leistungsstärkeren als auch der schwächeren – eingegangen, schreibt das online erscheinende Parentsmagazin-Hamburg und zitiert Sylvia Wehde, Mutter von drei schulpflichtigen Jungen: „Es bleibt nichts anderes übrig als Doppelbesetzung, sonst wird der Unterricht an die Wand gefahren.“ (PM)

Kinderwunsch

Wissenschaftler entwickeln neuen Sperma-Check per Smartphone

Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern – er könne ähnlich unkompliziert und in privater Umgebung eingesetzt werden wie ein Schwangerschaftstest und zum Beispiel ungewollt kinderlose Paare auf mögliche Probleme mit der Furchtbarkeit hinweisen, erklären US-Forscher. Und das ist nur ein mögliches Anwendungsgebiet. ROLLINGPLANET

MITTWOCH, 22. MÄRZ 2017
USA

So kompliziert ist es für einen Rollstuhlfahrer, in New York einen Bagel zu kaufen

Zach Anner und der Rainbow-Bagel, das Objekt der Begierde (Foto: Facebook)

Zach Anner und der Rainbow-Bagel, das Objekt der Begierde (Foto: Facebook)

Für den Durchschnitts-New-Yorker ist es das Alltäglichste der Welt: der Gang zum Bagel-Shop des Vertrauens. Zach Anner ist aber kein Durchschnitts-New-Yorker. Der 34-Jährige lebt mit einer Zerebralparese und ist von den Beinen an abwärts gelähmt. Was für andere ein Spaziergang ist, entpuppt sich für Anner als fünfstündige Odyssee. Anner nimmt es mit Humor. Video auf Watson

Bayern

Signet „Bayern barrierefrei – Wir sind dabei!“ an Tierpark Hellabrunn überreicht

Für ihren Beitrag zur Barrierefreiheit hat Bayerns Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger das Signet „Bayern barrierefrei“ an den Münchner Tierpark überreicht: „Einen Tierpark erleben zu können, auch mit Kinderwagen oder Rollator, die Tiere beobachten zu können, auch wenn man im Rollstuhl sitzt – so stellen wir uns Inklusion vor, das Miteinander von allen Menschen. Ich bedanke mich ausdrücklich bei dem Tierpark Hellabrunn für sein großes Engagement für Menschen mit Behinderung und freue mich, dass bereits so viele Barrieren abgebaut worden sind.“ ROLLINGPLANET

Bundestag

Zwang in Kinder- und Jugendheimen

Auskunft über die Anwendung von Zwang in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie in Kinder- und Jugendheimen verlangt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in einer Kleinen Anfrage (Bundestag, 18/11487). Dabei beziehen sie sich auf derzeit in der parlamentarischen Beratung stehende Gesetzentwürfe der eigenen Fraktion (18/9804) sowie der Bundesregierung (18/11278), die eine richterliche Genehmigung bei der Anwendung von Zwang gegenüber Kindern und Jugendlichen vorschreiben sollen. Am Regierungsentwurf kritisieren die Grünen dabei, dass er nur für freiheitsentziehende Maßnahmen wie Fixierungen und Isolierungen einen familiengerichtlichen Genehmigungsvorbehalt vorsieht, nicht jedoch bei ärztlichen Zwangsmaßnahmen. (HIB)

DIENSTAG, 21. MÄRZ 2017
Gesundheitssystem

Pflegereform führt zu Antragsflut bei Krankenkassen

Das neue Begutachtungssystem berücksichtigt nicht mehr nur Menschen mit körperlicher Einschränkung, sondern auch Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen und Demenzkranke. Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU; Foto: dpa), sagte der „Augsburger Allgemeinen“, die Regierung erwarte, „dass voraussichtlich 500.000 Menschen zusätzlich in den Anspruchsbereich der Pflegeversicherung kommen“. ROLLINGPLANET

Zur Startseite Zum Tagebuch

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN