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So könnte Musik für Schwerbehinderte funktionieren: Mund auf, MP3-Player rein

Die Studentin Aisen Caro Chacin hat ein Mundstück entwickelt, das sich mit der Zunge steuern lässt.

MP3-Player im Mund: Der "Play-A-Grill" in Aktion (Foto: aisencaro.com)

Auf den ersten Blick scheint diese Erfindung skurril – aber weitergedacht, könnte sie für musikbegeisterte Schwerbehinderte, die ihre Hände nicht bewegen können, eine Hilfe sein. Aisen Caro Chacin ist Studentin der Parsons New School for Design in New York. Sie hat den Prototyp eines speziellen Mundstücks namens „Play-A-Grill“ vorgestellt, der den von Gangster-Rappern bekannten Diamant- und Gold-besetzten Zahnschmuck in einen voll funktionsfähigen MP3-Player verwandelt. Dieser wird vom User über die Zunge gesteuert, die Musik wird direkt über die Knochen übertragen.

„Mit Play-A-Grill will ich versuchen, unsere Art der akustischen Wahrnehmung herauszufordern, indem ich auf die natürliche Klangausgabe des menschlichen Körpers zurückgreife und die Eingabemöglichkeiten anpasse“, erklärt Chacin laut NewScientist bei einer ersten öffentlichen Präsentation auf der Konferenz New Interfaces for Musical Expression (NIME) ihre Grundidee. „Meine Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von Wissenschaft, Interaktion und Design und untersucht Möglichkeiten, wie der eigene Körper als Interface eingesetzt werden kann“, so Chacin weiter.

Innovatives Steuer- und Klangkonzept

Gut drauf: Aisen Caro Chacin (Foto: privat/Facebook)

Von diesem theoretischen Hintergrund ausgehend hat die findige Designerin einen „Grill“ – eine zumeist von Rap-Künstlern getragene Aufsteckprothese für Zähne – entwickelt, der auf einem besonders innovativen Steuer- und Klangkonzept beruht. „Das Geheimnis ist ein kleiner Motor, der an die Kopfhörerbuchse angeschlossen wird und mit der Frequenz des gerade abgespielten Musikstücks vibriert“, erläutert Chacin.

Diese Vibration wird von den Zähnen des Users aufgenommen und über dessen Knochen an das Ohr weitergeleitet. „Weil die Zähne fest in den Kiefer eingebettet sind, der sehr nahe bei den Ohren liegt, geraten die inneren Ohrknochen in Schwingung, was vom Nervensystem wiederum als akustische Information interpretiert wird“, schildert Chacin die genaue Funktionsweise.

Die Vibrationen, die im Zuge dieses Vorganges entstehen, sollen der US-Designstudentin zufolge für den Nutzer nur hör- aber nicht spürbar sein. Laut Chacin kann man mit der Methode außerdem eine Art „Mund-Lautsprecher“ erzeugen, wenn die Musik laut genug aufgedreht wird und die konkave Form des Gaumens die Vibrationen wiederhallt. Die Bedienung des unkonventionell verbauten MP3-Players erfolgt über ein einfach gehaltenes Eingabe-Pad, das ein wenig an einen alten Nintendo-Controller erinnert und verkehrt herum – also mit den Tasten nach unten – verbaut worden ist. Dieses soll sich nach einiger Übung relativ einfach mit der Zunge steuern lassen.

Lediglich ein Prototyp

Ob und in welcher Form der „Play-A-Grill“ jemals offiziell im Handel zu haben sein wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Die von Chacin vorgestellte Entwicklung liegt bislang lediglich als Prototyp vor. Die Idee, das menschliche Knochengerüst zur Schallübertragung zu nutzen, ist aber keinesfalls neu. „Ich wollte dieses Konzept einfach modischer gestalten“, meint die junge Designerin, die sich gut vorstellen kann, dass ihre Erfindung interessierte Abnehmer finden könnte.

(pte)

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