So lässt sich die Akzeptanz psychischer Krankheiten steigern

Stigmatisierung nimmt zu: Eine neue Studie hat herausgefunden, wie man relativ leicht Vorurteile abbauen könnte.

Studienleiter Georg Schomerus (Foto: Privat)

Studienleiter Georg Schomerus (Foto: Privat)

Menschen mit psychischen Krankheiten werden seltener ausgegrenzt und stigmatisiert, wenn zuvor auf die fließenden Übergänge zwischen psychischer Krankheit und Gesundheit hingewiesen wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie einer Forschergruppe aus Greifswald, Regensburg, Cagliari (Italien) und New York (USA). Demnach hilft ein einfacher Informationstext zu diesen Übergängen, die Einstellungen der Menschen zu psychischen Krankheiten deutlich zu verbessern, wie die Universität Greifswald am Freitag mitteilte.

In der Online-Studie mit 1.600 Versuchspersonen wurde einem Teil ein Text zum Lesen gegeben, der die Unterschiede zwischen Krankheit und Gesundheit betonte. Eine zweite Gruppe erhielt einen Text, der die fließenden Übergänge herausstellte. Eine dritte Gruppe erhielt keinen Text. Danach wurde allen Probanden Fragen zu Personen mit einer schweren Depression oder Schizophrenie vorgelegt. Die Menschen, die zuvor den Text gelesen hatten, der die Übergänge betonte, schätzten den beschriebenen Menschen als deutlich weniger andersartig ein und waren auch eher bereit, mit der Person in persönlichen Kontakt zu treten, hieß es.

Die Ablehnung von Menschen mit psychischen Erkrankungen nimmt zu

Epidemiologische Studien zeigten, dass fast alle Menschen einzelne Symptome von psychischen Krankheiten erleben. „Erst wenn mehrere Symptome zusammenkommen und einen gewissen Schweregrad erreichen, spricht man von einer Krankheit“, sagte der Studienleiter Georg Schomerus von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universitätsmedizin Greifswald. Langfristige Untersuchungen in Deutschland und anderen Ländern zeigten, dass insbesondere die Ablehnung von Menschen mit schweren psychischen Krankheiten in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Deshalb seien neue Ansätze bei der Bekämpfung des Stigmas dringend notwendig.

PD Dr. Georg Schomerus warnt vor der ngeativen Entwicklung bei der Akzeptanz von psychischer Krankheiten:

Was die Stigmatisierung der Betroffenen angeht, zeigten sich unterschiedliche Entwicklungen. Für Betroffene mit einer Depression konnten tendenziell geringfügige positive Veränderungen beobachtet werden: die Menschen äußerten 2011 etwas mehr Mitleid und Hilfsbereitschaft und etwas weniger Befangenheit als 1990, gleichzeitig aber auch mehr Ärger über den Betroffenen. Das Bedürfnis nach sozialer Distanz, also die Bereitschaft, mit einem Betroffenen in alltäglichen Situationen umzugehen, blieb weitgehend unverändert.

Eine eindeutig negative Entwicklung zeigte sich dagegen für die Schizophrenie: Hier nahm die Furcht vor den Betroffenen zu, während positive Reaktionen wie Mitleid und Hilfsbereitschaft abnahmen. Vor allem aber stieg das Bedürfnis nach sozialer Distanz deutlich: Während es 1990 zum Beispiel 20 % ablehnten, mit einer an Schizophrenie erkrankten Person zusammenzuarbeiten, waren es 2011 schon 31 %. Der Anteil derjenigen, die es ablehnten, jemand mit einer Schizophrenie einem Freund vorzustellen, stieg von 39 % auf 53 %. Insgesamt wurden sieben verschiedene hypothetische Situationen abgefragt, und in allen Situationen stieg die Ablehnungsquote deutlich. Gerade der Kontrast zum Krankheitsbild Depression macht deutlich, dass speziell die Einstellungen zu Menschen mit Schizophrenie in den letzten zwanzig Jahren negativer geworden sind.
Die stärkste Ablehnung unter den drei Krankheitsbildern erfahren nach wie vor Menschen mit einer Alkoholabhängigkeit. Die persönliche Ablehnung äußert sich darin, dass 31 % einen Alkoholkranken nicht als Nachbarn wünschen (unverändert), 34 % nicht als Arbeitskollegen (unverändert), 60 % nicht im Freundeskreis (+5 %) und 61% nicht als Untermieter (unverändert).

(RP/dpa)

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