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So lassen sich Triggerpunkte therapieren

Ziehen im Bein, ein steifer Rücken, Schmerzen im Knie oder Kopfschmerzen? Betroffene sollten selbst aktiv werden. Von Alexandra Bülow

Physiotherapeuten können die Schmerzpunkte wegkneten (Foto: dpa)

Physiotherapeuten können die Schmerzpunkte wegkneten (Foto: dpa)

Ein Ziehen im Bein, ein steifer Rücken, Schmerzen im Knie oder Kopfschmerzen – Ursache für diese Beschwerden können muskuläre Triggerpunkte sein. „Muskeln spannen sich normalerweise an und entspannen sich dann wieder“, erklärt Walter Lieb, Physiotherapeut von der Internationalen Triggerpunkt-Akademie in Kaufbeuren. Doch an einigen Stellen entspannt sich ein Muskelstrang nicht mehr, sondern steht unter permanenter Anspannung und verkrampft. Die betroffene Stelle fühlt sich wie ein Knubbel an.

Ursachen sind Fehl- oder Überbelastung, zu wenig Bewegung oder Verletzungen etwa beim Sport. „Ein häufiger Grund ist auch Stress“, ergänzt Cordelia Schott, Orthopädin in Essen. Die Krux: Auf MRT- oder Röntgen-Aufnahmen kann der Arzt keine Ursache erkennen. Laut der Internationalen Gesellschaft für Schmerz- und Triggerpunktmedizin (IGTM) sei zudem häufig nicht bekannt, dass Beschwerden wie Arthrose oder Fersensporn mit Triggerpunkten zusammenhängen können.

Woher kommt das Wort „Triggerpunkte“?

Das verspannte Muskelbündel löst oft Schmerzen an einer ganz anderen Stelle aus – nach Angaben des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten (IFK) soll das bei vier Fünftel der Patienten der Fall sein. Daher auch der Name: Trigger meint „Auslöser“. Rund 80 bis 90 Prozent aller Schmerzsyndrome sollen, so Lieb, muskuläre Triggerpunkte als Grund haben.

Wer immer wieder unter Beschwerden wie Fersensporn, Tennisellenbogen, Kniescheibenproblemen oder Kopfschmerzen leidet, kann daher einen Experten für Triggerpunkt-Therapie aufsuchen. Das sind meist im sogenannten Fasziendistorsionsmodell (FDM) geschulte Physiotherapeuten oder Osteopathen. Sie kennen die Triggerpunkte, die Fachleute im Körper beschrieben haben. Ein typischer Triggerpunkt liegt etwa in der Schultermuskulatur zwischen Arm und Nacken.

Störrische Muskeln

Häufig betroffene Muskeln sind auch der Obergrätenmuskel am Oberarm oder der Schulterblattheber, der Trapezius-Muskel, erklärt Schott. „Dieser ist der häufigste Verursacher von Kopfschmerzen“, so Lieb. „Viele kennen den ,Fragezeichen-Kopfschmerz’, der vom Nacken über den Hinterkopf bis zur Schläfe verläuft.“

„Drückt man einen bestimmten Triggerpunkt, kann es auch in den Bauch oder ins Bein ziehen“, gibt Physiotherapeutin Ulrike Stocks-Sanio aus Kaarst bei Düsseldorf ein weiteres Beispiel. Solche Beschwerden werden gerne mit Problemen an der Bandscheibe verwechselt. Oder Kinder klagen über Bauchweh – doch es sind nicht die Organe, sondern die Bauchmuskulatur, erklärt Schott.

Dem Schmerz auf der Spur

Betroffene sollten aufmerksam beobachten, wo der Schmerz sitzt und wie er sich anfühlt – diese Information braucht der Triggerpunkt- beziehungsweise FDM-Therapeut. „Jeder Muskeltriggerpunkt erzeugt ein typisches Schmerzmuster“, erklärt Lieb. Wenn er den Triggerpunkt ertaste, komme als Reaktion vom Patienten der Satz: „Den Schmerz kenne ich, das ist mein Schmerz“. Auch Dehn- und Krafttests zeigen dem Therapeuten, ob die Muskeln optimal funktionieren.

Dann geht es daran, den Triggerpunkt aufzulösen. Dafür übt Lieb mit dem Daumen dosierten Druck auf die verhärtete Stelle aus. Der Therapeut muss den Triggerpunkt möglichst millimetergenau treffen, damit die Therapie wirkt. Laut dem Physiotherapeuten-Verband IFK reagiere der Körper dann damit, die Spannung im Muskel zu senken. Es sei ein erträglicher Schmerz, der nach etwa 10 bis 15 Sekunden nachlässt. Drei- bis viermal wiederholt der Therapeut den Vorgang, dann ist die Spannungssenkung laut IFK ausgereizt.

Nicht nur Symptome, sondern Ursachen behandeln

„So kommt wieder frisches Blut in diesen Muskelstrang, ebenso Nährstoffe und Sauerstoff», erklärt Lieb. Das Ziel ist, den Triggerpunkt nach einigen Stunden aufzulösen. Das kann auch mit einer Triggerpunkt-Stoßwellentherapie gelingen, bei der kleine, kurze Schläge auf den Triggerpunkt gegeben werden. Die Wirkung soll die gleiche sein wie beim Druck per Daumen. „Auch kann Akupunktur des Triggerpunkts mit trockenen Nadeln, das Dry Needling, eingesetzt werden“, erklärt Schott. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen die Triggerpunkt-Therapie meist nicht, sie gehört zu den privatärztlichen Leistungen.

Laut den Experten können sich Betroffene nach der ersten Behandlung schon wieder besser bewegen – wenn der Triggerpunkt beseitigt ist, seien sie schmerzfrei. Was aber nicht bedeutet, dass die Beschwerden nicht wiederkommen. „Mit der Triggerpunkt-Therapie löse ich nur die Verhärtung auf“, so Stocks-Sanio. Man behandele den Schmerz, nicht die Ursache.

Denn die heißt Fehlbelastung oder zu wenig Bewegung. Hier ist der Betroffene gefragt. Wer im Beruf viel sitzt, sollte mit regelmäßiger Bewegung einen Ausgleich schaffen. „Auch sollte man sich beim Sitzen immer wieder daran erinnern, gerade zu sitzen“, rät Stocks-Sanio. Denn sonst, so drückt Schott es aus, „war alles nur Feuerlöschen“ – statt Beseitigung der Brandursache.

(dpa/tmn)

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