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So retten Sie einen Menschen mit Blutkrebs

Wie eine Blutstammzellenspende funktioniert – die 10 wichtigsten Fakten auf einen Blick. Von Eva Neumann

Die Speichelprobe: Neben einer Blutprobe kann auch die Entnahme von Zellen aus der Mundschleimhaut eine Methode auf dem Weg zur Registrierung in der Spenderdatei sein. (Foto: Franziska Koark/dpa)

Die Speichelprobe: Neben einer Blutprobe kann auch die Entnahme von Zellen aus der Mundschleimhaut eine Methode auf dem Weg zur Registrierung in der Spenderdatei sein. (Foto: Franziska Koark/dpa)

1. Warum ich?

Wer Blutkrebs hat, dem hilft oft nur noch eine Blutstammzellenspende. Doch nur für etwa jeden vierten Betroffenen findet sich in der nahen Verwandtschaft ein geeigneter Spender. Für die anderen sind Fremdspender die letzte Hoffnung – sie werden immer gesucht.

2. Warum werden möglichst viele Spendenwillige gebraucht?

Mehr als fünf Millionen Spendenwillige sind aktuell in den deutschen Spenderdateien gespeichert. Reicht das nicht? Nein – die Erfolgsaussichten einer Blutstammzellenspende sind umso besser, je exakter das Gewebe des Spenders mit dem des Patienten übereinstimmt. Je mehr Spender registriert sind, umso größer ist die Chance auch für Kranke mit seltenen Gewebetypen.

3. Wer kommt als Spender infrage?

„Als Spender kommen im Wesentlichen alle gesunden Personen zwischen 18 und 61 Jahren mit einem Gewicht von mehr als 50 Kilogramm infrage“, erläutert Lambros Kordelas von der Klinik für Knochenmarktransplantation an der Uniklinik Essen.

4. Wie läuft die Registrierung ab?

Man kann sich an seinen Hausarzt oder eine der regionalen Spenderdateien wenden. Häufig werden die Daten auch bei lokalen Spendenaktionen erfasst. „Wenn man ein Gesicht kennt oder wenn ein Patient im Nachbarort wohnt, sind weit mehr Menschen bereit, sich als Spender registrieren zu lassen, wie bei anonymen Aktionen“, sagt Hans Knabe von der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern. Erster Schritt ist eine Blutprobe oder die Entnahme von Zellen aus der Mundschleimhaut per Wattestäbchen.

5. Welche Daten werden gespeichert?

Bei der Typisierung sind die Humanen-Leukozyten-Antigene, kurz HLA-Merkmale, entscheidend. „Im Idealfall stimmen zehn Gewebemerkmale zwischen Spender und Patienten exakt überein, nämlich jeweils das vom Vater und das von der Mutter ererbte Merkmal an fünf Genorten“, erklärt Carlheinz Müller, Ärztlicher Leiter des Zentralen Knochenmarkspender-Registers für die Bundesrepublik Deutschland (ZKRD) in Ulm.

Für jedes der fünf wichtigsten HLA-Merkmale gibt es mehr als 100 unterscheidbare Varianten. Diese Gewebemerkmale werden zusammen mit anonymisierten Personendaten, beispielsweise zum Alter oder zum Gesundheitszustand, erfasst und im ZKRD gespeichert. „Die ergänzenden Angaben sind wichtig, um ein Ranking unter Spendern mit häufigeren Gewebetypen herzustellen“, sagt Müller.

6. Was passiert nach der Registrierung?

„Die meisten Spendenwilligen werden Zeit ihres Lebens nicht für eine Spende aktiviert werden“, sagt Kordelas. In Deutschland erfolgten jährlich nur rund 3000 Stammzellentransplantationen. „Darüber hinaus wird eine vergleichbare Zahl an Spenden ins Ausland vermittelt.“

7. Was geschieht im Bedarfsfall?

Braucht ein Patient eine Spende, wird das ZKRD nach infrage kommenden Spendern durchforstet. Mindestens drei von ihnen werden kontaktiert. „Zur Vorbereitung auf die eigentliche Spende laden wir die Spendenwilligen zu einer ambulanten Untersuchung und einer ausführlichen Beratung ein. Das dauert etwa vier bis sechs Stunden“, erläutert Knabe. Die Typisierung wird sicherheitshalber wiederholt, Infektionsparameter erhoben, ein Fragebogen ausgefüllt und das Einverständnis mit der Spende erklärt.

8. Welche Verfahren zur Spende gibt es?

Bei der klassischen Knochenmarkspende wird dem Spender unter Vollnarkose mit einer Punktionsnadel ein Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen entnommen. Daraus werden dann die Stammzellen isoliert. Die entnommenen Zellen werden im Körper des Spenders innerhalb weniger Wochen nachgebildet.

Die Alternative ist die periphere Blutstammzellentransplantation. „Ein im Körper vorhandener Botenstoff wird vier bis fünf Tage lang verabreicht und sorgt dafür, dass massiv neue Blutzellen und damit auch Stammzellen in den Knochen gebildet und ins Blut gebracht werden“, sagt Knabe. Dem Spender wird dann aus der Armvene Blut entnommen, die Stammzellen werden herausgefiltert und das Blut über die andere Armvene dem Spender wieder zugeführt.

„Nur noch rund 15 Prozent der Entnahmen sind klassische Knochenmarkspenden. In den übrigen 85 Prozent der Fälle handelt es sich um periphere Blutstammzellentransplantation“, fasst Müller zusammen. Bei der Wahl der Methode werde auch der Wunsch des Spenders berücksichtigt, da die Spende ja sein Einverständnis voraussetzt.

9. Was sind mögliche Risiken?

Nachteile der klassischen Knochenmarkspende sind das allgemeine Narkoserisiko etwa durch Medikamentenunverträglichkeit, postoperative Schmerzen am Beckenkamm, Infektionen oder Nachblutungen. „Unter korrekten Bedingungen ist dieses Risiko minimal“, sagt Knabe.

Auch bei der peripheren Stammzellentransplantation sind Unverträglichkeiten möglich. In seltenen Fällen stellt sich am Spendetag heraus, dass der Spender nicht auf den verabreichten Botenstoff reagiert hat. „Für diesen Notfall müssen die Spender bereit sein, nach dem klassischen Verfahren Knochenmark zu spenden“, sagt Knabe. Schließlich wurde auch der Empfänger auf die Transplantation vorbereitet – er braucht die Spende sofort.

10. Wie starte ich im Internet?

Hier geht es zur Webseite des Zentralen Knochenmarkspender-Registers Deutschland: www.zkrd.de/de/

(dpa/tmn)

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