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So viel Pflegegeld gibt es künftig

Mehr Geld und mehr Betreuung für Millionen Pflegebedürftige.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) (Foto: dpa)

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) (Foto: dpa)

Mit höheren Geldbeträgen und mehr Betreuung will die Bundesregierung die Situation von Pflegebedürftigen, ihren Angehörigen und Pflegern spürbar verbessern. Das Bundeskabinett beschloss dazu am Mittwoch in Berlin den Entwurf für ein Pflegestärkungsgesetz. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sprach von einem Kraftakt.

Der Pflegebeitragssatz von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) soll kommendes Jahr um 0,3 und binnen weniger Jahre nochmals um 0,2 Punkte steigen. Insgesamt sollen so rund sechs Milliarden Euro pro Jahr mehr in die Pflegekassen fließen. Nun werden die Pläne im Bundestag beraten.

Alle Leistungsbeträge sollen um 4 Prozent steigen – in Pflegestufe 1 beispielsweise von 450 auf 468 Euro (ambulant) oder 1023 auf 1064 Euro (stationär). Einschränkungen beim Anspruch auf Kurzzeit-,
Verhinderungs- sowie Tages- und Nachtpflege sollen abgebaut werden.

Die wichtigsten Zahlen zu Leistungen

Zum 1. Januar 2015 sollen die Pflegeleistungen um vier Prozent steigen. Beispiele der Monatsbeiträge ab dem kommenden Jahr, falls der Bundesrat zustimmt (in Klammern derzeitige Beträge):

Pflegegeld für häusliche Pflege
Pflegestufe 0 mit Demenz: 123 € (120 €)
Pflegestufe 1: 244 € (235 €)
Pflegesachleistungen für häusliche Pflege:
Pflegestufe 1: 468 € (450 €)
Pflegestufe 2: 1.144 € (1.100 €)
Pflegestufe 3; 1.612 € (1.550 €)
Teilstationäre Leistungen der Tages-/Nachtpflege:
Pflegestufe 1: 468 € (450 €)
Leistungen bei vollstationärer Pflege:
Pflegestufe 1: 1.064 € (1.023 €)
Pflegestufe 2: 1.330 € (1.279 €)
Pflegestufe 3: 1.612 € (1.550 €)
Härtefall: 1.995 € (1.918 €)

Hier geht es zur vollständigen Übersicht (PDF): Bundesgesundheitsministerium

Zahl nachqualifizierter Betreuungskräfte soll steigen

Für zusätzliche Betreuungsleistungen etwa für Hilfe im Haushalt sollen künftig alle Pflegebedürftigen mindestens 104 Euro pro Monat erhalten. In Heimen soll die Zahl nachqualifizierter Betreuungskräfte von bisher 25.000 auf bis zu 45.000 steigen.

Der Zuschuss zu Umbauten etwa für barrierefreie Badezimmer steigt von 2.557 auf bis zu 4.000 Euro. Wer Pflege eines Angehörigen organisieren muss, kann für zehn Tage Lohnersatz bekommen.

Mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr soll in einen Vorsorgefonds für in 20 Jahren steigenden Pflegebedarf fließen. Die SPD lehnt den Fonds aber weiter ab. Ihre gesundheitspolitische Fraktionssprecherin Hilde Mattheis sagte: „Geld, das so angelegt wird, hat einen hohen Realwertverlust.“ Gröhe beharrte auf Einführung des Spartopfs: „Das war vereinbart, das setzen wir um, das ist sinnvoll.“

Streit um Pflegebegriff

In einem zweiten Schritt soll 2017 ein neuer Pflegebegriff eingeführt werden, so dass auch Demenzkranke systematisch als bedürftig eingestuft und in die Versicherung aufgenommen werden. Nach jahrelangen Vorarbeiten wäre dies die grundlegendste Änderung des vor 20 Jahren gegründeten jüngsten Zweigs der Sozialversicherungen. Gröhe trat Zweiflern an einer Umsetzung entgegen: „Wir geben da richtig Gas.“

Sozialverbänden kommt dieser für sie entscheidende Schritt zu langsam. „Die Bundesregierung lässt die Gretchenfrage der geplanten Reform offen“, meinte deshalb der Präsident des Sozialverbands Deutschland, Adolf Bauer. Ulrike Mascher, Präsidentin des Verbands VdK, meinte, das Projekt gehe viel zu zögerlich voran. „Wir messen die Regierung daran, ob ihr diesmal die Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs gelingt“, sagte AOK-Chef Jürgen Graalmann.

(dpa)

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3 Kommentare

  • Jörg Buthe

    Prima. Gut gemacht. Da haben sich die Damen und Herren ja richtig angestrengt .
    Mal abgesehen von der Tatsache das ein Vielfaches ins Ausland geht, um dort die Schäden von Korruption und Misswirtschaft zu regeln.
    Und mal ganz abgesehen davon was dafür wieder für ein Verwaltungsapparat entstehen wird, wo sich die Pöstchen wieder hin und hergeschoben werden.
    Wirkliche Hilfen für Kranke, Bedürftige und Behinderte kostet Geld. Mehr Geld .
    Aber es ist wohl wichtiger sich die Diäten unverhältnismäßig zu erhöhen, als wirklich mal was mit Hand und Kopf zu tun. Genug Geld ist in Deutschland ganz sicher vorhanden .

    28. Mai 2014 at 22:55
  • Silvia Wölki

    Lächerlich, die Erhöhung des Pflegegeldes!

    29. Mai 2014 at 16:39
  • David Gothe

    28 € mehr in der Pflegestufe 3 nach prima! Wieder ein Schlag ins Gesicht für die unzählige Angehörige die tagtäglich rund um die pflegen… Wann wird endlich diese Leistung finzanzell anerkannt hier geleistet wird. Meine Mutter pflegt mich seit nun gut 20 Jahren, wie viele andere Pflegepersonen hat sie dem dem deutschem Staat einiges an Geld erspart. Aus meiner Sicht wäre eine Erhöhung auf 1000 € in der Pflegestufe 3 gewesen mit der man leben könnte verbunden mit einem mtl. Budget von 500 € für Entlastungs/Verhinderungspflege für selbst beschaffte Personen oder Angebote. Aber so ist es wieder ein heißer Tropfen auf dem heißen Stein.

    1. Juni 2014 at 15:36

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