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„So wie Du“ und nicht so wie die meisten Hotels

Rheinland-Pfalz versucht, barrierefreien Tourismus voranzutreiben. Ein Ehepaar in Laubenheim an der Nahe ist dabei ein Vorbild. Von Sandra Koch (Text) und Fredrik von Erichsen (Fotos)

Die Inhaber des integrativen Gästehauses "So wie Du", Renate und Gunnar Spott (Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Die Inhaber des integrativen Gästehauses „So wie Du“, Renate und Gunnar Spott (Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Urlaub machen wie alle anderen auch – das ist für Menschen mit einer Behinderung nicht immer selbstverständlich. Das integrative Gästehaus „So wie Du“ in Laubenheim an der Nahe (Naheweinstraße 66) macht es möglich.

„Wir sind ein Haus für jeden. Für Menschen mit Einschränkung und für solche, die glauben, sie hätten keine“, sagt Besitzerin Renate Spott. Bei ihr und ihrem Mann Gunnar Spott sind alle willkommen, besonders auch Gäste mit geistiger Behinderung. Ob Familien-, Gruppen- oder Individualurlaub: In 16 Zimmern stehen 29 Betten barrierefrei zur Verfügung.

Umfangreiche Maßnahmen für Barrierefreiheit

Im Jahr 2005 überzeugten die breiten und rollstuhlfreundlichen Flure des ehemaligen Hotels „Traube“ die Heilerziehungspflegerin und den Waldorfpädagogen. Ein Umbau im Jahr 2007 machte das Gästehaus dann komplett barrierefrei: „Wir haben einen ebenerdigen Eingang, ein Pflegebad und einen Aufzug“, berichtet Gunnar Spott.

Auch einen Hebelifter, fünf Pflegebetten und einen rollstuhlgerechten Bus für Ausflüge gibt es. Neben der Übernachtung mit Frühstück für jedermann bieten die Spotts auch stundenweise Betreuung oder einen ganzen Urlaub für Gäste an, die Hilfe benötigen.

„Ein wichtiges Zukunftsthema“

Jürgen ist Stammgast (Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Jürgen ist Stammgast

„Der barrierefreie Tourismus ist gerade angesichts des demografischen Wandels ein wichtiges Zukunftsthema“, sagt Karina Krauß, Projektmanagerin bei der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH. Seit Juli 2012 gibt es dazu auf Landesebene einen Leitfaden mit dem Ziel, Hotels, Gaststätten und andere Freizeitbetriebe zu sensibilisieren und informieren.

„Wichtig ist es, ins Bewusstsein zu rufen, dass jeder andere Bedürfnisse hat“, sagt Krauß. Für potenzielle Urlauber steht im Internet eine Datenbank bereit, in der sich detaillierte Informationen zur Barrierefreiheit von rund 120 Betrieben im Land finden.

Im „So wie Du“ geht es über diese Art der Barrierefreiheit weit hinaus. „Wir wollen einfach für den anderen da sein“, sagt Renate Spott. Fitte Menschen flögen mal eben nach Mallorca, aber viele ihrer Gäste könnten das nicht.

Nicht nur in DIN-Normen denken

Renate (l) und Gunnar Spott (M) mit Tine (Foto: Fredrik von Erichsen/dpa)

Renate (l) und Gunnar Spott (M) mit Tine

Dazu gehören Tine und Jürgen. Die 39-jährige Frau mit Down-Syndrom spricht nicht viel. Der 51-jährige Jürgen dafür umso mehr, er ist stark sehbehindert und kognitiv leicht eingeschränkt. Am Gästehaus mag er besonders „die Atmosphäre“.

An Jürgens Bett hängt eine Klingel. „Wenn er die betätigt, fallen wir drüben in unserer Wohnung aus dem Bett“, sagt Renate Spott. Tine und Jürgen werden in ihrem Urlaub rund um die Uhr betreut, dazu genießen sie bei Spotts ein buntes Programm, von Ausflügen bis zu Filmabenden.

Auch für Karina Krauß geht echte Barrierefreiheit über DIN-Normen hinaus: „Es sind oft kleine Veränderungen, die für den einzelnen Gast schon viel bewirken können“, sagt sie. 175 Menschen haben an ihren Seminaren zur Sensibilisierung in derlei Fragen bereits teilgenommen.

Das Netzwerk mit Zertifikaten

Im Juni sollen voraussichtlich 100 Betriebe im Land als barrierefrei zertifiziert werden können. Dort stimmen dann die Breite der Türen, die Höhe der Spiegel und die Ausstattung der Bäder – und dort finden sich solche, die eine Idee davon haben, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben.

„Ich bin ein Mensch – so wie Du. Auch mit Einschränkung. Und ich werde voll anerkannt“, bringt Renate Spott die Philosophie ihres Gästehauses auf den Punkt. Jürgen und Tine kommen deshalb immer wieder ins „So wie Du“. Weil sie dort Urlaub machen können wie andere auch.

Webseite: Tourismusnetzwerk Rheinland-Pfalz

(dpa)

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