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Spanische Contergan-Opfer bekommen Hohn statt Entschädigung

Der deutsche Konzern Grünenthal legte erfolgreich Berufung gegen Urteil ein.

Das Grünenthal-Stammhaus in Stolberg (Foto: Wikipedia/Alupus)

Das Grünenthal-Stammhaus in Stolberg (Foto: Wikipedia/Alupus)

In einem Contergan-Prozess hat ein Madrider Berufungsgericht eine Verurteilung des deutschen Pharma-Konzerns Grünenthal zu Entschädigungszahlungen in Spanien aufgehoben. Die Richter entschieden am Mittwoch, dass die Forderungen spanischer Contergan-Opfer verjährt seien. Sie gaben damit einem Antrag des Unternehmens statt, das die Entscheidung der ersten Instanz angefochten hatte.

Etwa 180 Betroffene hatten in Spanien von Grünenthal Entschädigungen von insgesamt 204 Millionen Euro verlangt. Ein kleiner Teil der Kläger bekam im November 2013 vor einem Madrider Gericht recht. Grünenthal wurde dazu verurteilt, diesen spanischen Contergan-Opfern für jeden Prozentpunkt der Behinderung eine Entschädigung von jeweils 20.000 Euro zu zahlen.

Das Berufungsgericht begründete die Aufhebung des Urteils damit, dass die Verjährungsfrist mit dem Zeitpunkt der Diagnose einer Krankheit beginne. Nachträglich auftretende Folgeschäden änderten nichts daran, entschieden die Richter.

Der Zusammenschluss der spanischen Contergan-Opfer (Avite) kündigte an, das Urteil vor dem obersten Gerichtshof anzufechten. „Das ist ein herber Tiefschlag für uns“, sagte der Avite-Präsident José Riquelme.

Hohn für spanische Opfer

Grünenthal betonte, für Geschädigte gebe es effektive und etablierte Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung zu bekommen. „All diese Betroffenen sind nach wie vor und unabhängig von dem Gerichtsurteil berechtigt, dieselben Unterstützungsangebote zu erhalten, die die deutsche Conterganstiftung auch deutschen und spanischen Thalidomid-Betroffenen derzeit zukommen lässt“, erklärte das Unternehmen in einer Stellungnahme.

„Mit der Entscheidung hat das Gericht bestätigt, dass die Kläger nicht in der Lage waren, ihre Behauptungen zu beweisen, und dass ein gerechtes Verfahren nach Ablauf von mehr als 50 Jahren nicht mehr möglich ist.“

Die Kläger hatten dem Pharma-Konzern vorgeworfen, den Contergan-Wirkstoff Thalidomid in Spanien mehrere Jahre weiter vertrieben zu haben, nachdem das Mittel in Deutschland 1961 bereits vom Markt genommen worden war.

Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan hatte Ende der 1950er Jahre einen der größten Arzneimittelskandale ausgelöst. Weltweit kamen 10 000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, davon 5000 in Deutschland.

(dpa)

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