Spaziergänger verweigern Frau mit epileptischem Anfall Hilfe

Polizei fahndet sowohl nach dem Ehepaar, das einfach weiterging, als auch nach einem Mountainbike-Fahrer, der erste Hilfe leistete.

Sankt Peter-Ording (Foto: Wikipedia/Wolfgang Pehlemann Wiesbaden, CC BY-SA 3.0 de)

Sankt Peter-Ording (Foto: Wikipedia/Wolfgang Pehlemann Wiesbaden, CC BY-SA 3.0 de)

Die Polizei in Schleswig-Holstein sucht nach einem älteren Ehepaar, das einer jungen Spaziergängerin mit einem epileptischen Anfall nicht geholfen haben soll. Die Ermittler hofften auf Zeugenhinweise, teilten die Beamten am Montag mit, die wegen unterlassener Hilfeleistung ermitteln. In dem Aufruf der Polizei heißt es:

Beide waren ca. 70 Jahre alt und dunkel gekleidet. Die Frau war ca. 170 cm und der Mann 180 cm groß. Hinweisgeber werden gebeten, sich unter der Rufnummer 04863-95-206 zu melden. Außerdem bitten die ermittelnden Beamten den Ersthelfer, dieser soll zwischen 30 und 40 Jahre alt gewesen sein und eine rote Jacke getragen haben, sich ebenfalls unter der o.g. Rufnummer zu melden.

Die 25-jährige Frau war Anfang November bei einem Spaziergange am Südstrand des Urlaubsorts Sankt Peter-Ording gestürzt und konnte nicht mehr aufstehen. Ein Paar um die 70 sei an der Frau vorbeigegangen, obwohl sie diese um Hilfe gebeten habe (noch mal O-Ton Polizei: „…machten einen großen Bogen um die am Boden liegende Frau und gingen in Richtung Marktplatz davon.“)

Ein Mountainbike-Fahrer half ihr schließlich einige Minuten später. Aufgrund der starke Unterkühlung in Kombination mit dem epileptischen Anfall wurde anschließend eine intensivmedizinische Behandlung über mehrere Tage erforderlich.

ROLLINGPLANET spekuliert von der Ferne, ohne dabei gewesen zu sein: Immer mehr Menschen sind einfach nur ignorant, egal, wie nahe ein Mensch ist, der Hilfe braucht. Ziemlich schlimm. Oder möglicherweise hatte sich das ältere Paar einfach nur gefürchtet – man hört und liest schließlich ständig, wie unberechenbar fremde Menschen sein können. Mit solchen Ängsten leben wir inzwischen vielfach – was mindestens genauso schlimm ist.

(RP/dpa)

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1 Kommentar

  • Yasemin

    Man tut diesen Tätern aber auch keinen Gefallen damit, für ihre Handlungen rationale Erklärungen zu liefern. Es gab immer schon die Angst vor Fremden Menschen, immer schon ignorante und arrogante Löcher. Oder ihnen ist mit den Haaren und Zähnen auch die letzte Restintelligenz ausgefallen, ich weiß es nicht.

    Jedenfalls sollte man in einem der Länder vorsichtig mit Begriffen wie „immer mehr Menschen“ sein, in dem viele Zivilisten Beihilfe zur größten Mordserie der Geschichte geleistet haben, finde ich. In ein paar Jahren wird genau dieses Ehepaar im Altersheim anderen am Senkel gehen mit ihrem Gelaber über die gute, alte Zeit, in der alles noch aus Geben und Nehmen bestanden haben soll.

    18. November 2016 at 14:17

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