Spektakuläre Wende: Pistorius wegen Mordes verurteilt

Strafe muss neu festgesetzt werden. Jetzt 25 Jahre Gefängnis? Oder doch nur fünf bis zehn Jahre?

Oscar Pistorius: Wegen Mordes statt fahrlässiger Tötung verurteilt (Archivfoto: dpa)

Oscar Pistorius: Wegen Mordes statt fahrlässiger Tötung verurteilt (Archivfoto: dpa)

Den internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember hatte er sich wohl anders vorgestellt: Der südafrikanische Ex-Sprintstar Oscar Pistorius (29) ist an diesem Donnerstag in einem Berufungsverfahren wegen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp verurteilt worden. Der Angeklagte, der bei der Verkündung des Berufungsurteils nicht im Gericht anwesend war, ist „des Mordes schuldig“, da er mit „krimineller Absicht“ gehandelt habe, urteilte Richter Eric Leach am Berufungsgericht in Bloemfontein. Die vorherige Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung sei falsch gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte Berufung gegen das Urteil von Richterin Thokozile Masip vom 21. Oktober 2014 eingelegt.

Leach und vier andere Richter, die mit dem Berufsverfahren betraut waren, vernahmen keine neuen Zeugen, sondern untersuchten die Akten der ersten Instanz. Leach bewertete die Zeugenaussage von Pistorius aus dem ersten Prozess als „schwankend und unwahr“. Er verwies den Fall an die Vorinstanz zurück. Diese muss nun das Strafmaß neu festsetzen. Der unterschenkelamputierte Sportler hatte Steenkamp im Februar 2013 in Pretoria durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen und war dafür in einem ersten Prozess zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Im Oktober dieses Jahres wurde er wegen guter Führung in den Hausarrest entlassen. Mitte November trat er einen Sozialdienst an, den er im Zusammenhang mit dem Hausarrest ableisten muss.

Knast statt Hausarrest ist sicher

Pistorius beteuerte stets, Steenkamp für einen Einbrecher gehalten und sie in Panik erschossen zu haben. „Jetzt muss das Strafmaß neu erhoben werden“, sagte der südafrikanische Anwalt Christoph Leistner gegenüber „FOCUS Online“. „Für Mord gibt es mindestens 15 Jahre Gefängnisstrafe – theoretisch könnte er sogar lebenslang verurteilt werden, das wären in der Praxis 25 Jahre Haft. In diesem Fall müssten ihm ein niederes Motiv oder eine lange Planung der Straftat nachgewiesen werden.“

Damit rechnet der Experte allerdings nicht. Er geht sogar davon aus, dass Pistorius von einem Urteil unter dem Minimalmaß ausgehen darf. „Falls seine Tat als Handlung im Affekt interpretiert wird, könnte das Strafmaß gedrückt werden.“ Leistner rechnet deshalb damit, dass das neue Urteil fünf bis zehn Jahre lauten wird. „Und die muss Pistorius dann aber wirklich im Gefängnis absitzen.“

(RP/mit Materialien von dpa)

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