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Spitalsbett für alte Patienten lebensgefährlich

Da unsere Gesellschaft immer älter wird, muss die Medizin besser als bisher erkennen und darauf eingehen, was alte Patienten brauchen. Das betonen Experten beim Schwerpunktthema „Aktives und Gesundes Altern“ auf dem European Health Forum Gastein. Sie fordern unter anderem, den Impfschutz wichtig zu nehmen.

Brüssel/Bad Hofgastein (pte) – „Alte Patienten werden von der Gesundheitspolitik kaum als eigene Patientengruppe behandelt. Ihre Bedürfnisse unterscheiden sich jedoch deutlich von jenen der Jüngeren, weshalb es viele offene Probleme gibt“, erklärt Jean Pierre Baeyens, Past President der Europäischen Gesellschaft für Gerontologie.

Impfschutz geht in Ruhestand

Als dringendste Erfordernis sieht Baeyens die Vorsorge, allen voran die Impfung, da alte Menschen nach Pensionsantritt kaum die nötigen Auffrischungen etwa für Tetanus und Keuchhusten durchführen lassen. Nur 60 Prozent der Rentner in Europa sind geimpft, was der Geriater als „alarmierend“ bezeichnet. Auch die Pflegenden sollten geimpft sein, da viele Erkrankungen bereits vor auftretenden Symptomen ansteckend sind. Zur Prävention gehört zudem das Thema Ernährung. „30 Mio. Europäer sind mangelernährt – wobei dies fast ausschließlich die ältere Bevölkerung betrifft.“

Gefahr lauert im Bett

Zweites großes Problemgebiet sind die Spitäler. „Die Spitalsbetten, deren Belegung einen Großteil der enormen Krankenhauskosten verursachen, sind fast ausschließlich von alten Menschen belegt, während jüngere Patienten meist nur in die Ambulanzen kommen. Übersehen wird jedoch meist, dass die stationäre Aufnahme im normalen Spitalsbetrieb für alte Menschen lebensgefährlich ist. Denn ähnlich wie bei Astronauten verschwinden durch die Bettlägerigkeit die Muskeln, zudem gibt es oft Ernährungsprobleme“, warnt Baeyens.

Tatsächlich steigen beim Spitalsaufenthalt die Beeinträchtigungen, das Risiko weiterer Stationierungen und sogar die Sterberate alter Menschen deutlich. Viel weniger Schäden gibt es, wenn der Patient auf einer Geriatrie-Station landet, zeigten Forscher der Cochrane-Vereinigung. Baeyens erklärt den Unterschied. „Reha-Maßnahmen beginnen auf der Geriatrie am Aufnahmetag. Entscheidend ist auch das multidisziplinäre Team aus Krankenschwestern, Physiotherapeuten, Psychologen und Sozialarbeitern. Ihm gelingt es, versteckte Probleme wie Mangelernährung, Inkontinenz, Gebrechlichkeit, Demenz, Schmerzen oder Altersdepression zu erkennen.“

Medikamente nur von Jungen getestet

Ethische Fragen ruft das Problem der Überbehandlung am Lebensende hervor. „Fast alle Fälle von Euthanasie passieren bei Patienten, die zuvor zu viel behandelt wurden. Therapien wie die chronische Dialyse, die die Lebensqualität enorm verschlechtern, sollte man in manchen Fällen lieber beenden“, glaubt der belgische Geriatrist. Bei Medikamenten stellt sich hingegen das Problem, dass sie nur bei Jüngeren erprobt sind. „85-Jährige wollen möglichst gut leben, nicht möglichst lange wie ein 55-Jähriger. Tests müssen deshalb anders aussehen und auch an Hochbetagten durchgeführt werden.“ Ohnehin seien viele Senioren zur Teilnahme bereit.

Spiritualität nicht übersehen

Hoffnung geben Baeyens die Fortschritte von E-Health, da etwa Telemedizin oder Telemonitoring die Betreuung und Pflege deutlich erleichtern. Völlig offen ist freilich die Frage der Pflege und deren Finanzierung. Als „Rettungsschrim“ für dieses Problem brachte Günther Leiner, Präsident des European Health Forums, am Freitag erstmals auch Zuschüsse aus Einnahmen der von der EU-Kommission geforderten Finanztransaktionssteuer in Diskussion.

Auch in der Ausbildung der Pflegekräfte gibt es großen Aufholbedarf, da gerade hier die Sensibilisierung für Bedürfnisse alter Menschen geschehen muss – etwa jenes der Spiritualität. „Junge verstehen wenig, wie zentral die Religion für viele Senioren ist – aufgrund der Kluft der Generationen oder im Falle der Migration auch der Kultur. Übersieht man die Spiritualität alter Menschen, negiert man einen zentralen Teil ihrer Person“, so der belgische Altenmediziner.

Foto (pixelio.de/Sturm): Senior bei der Untersuchung: Andere Nöte als Junge

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