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Sport als Inklusionstreiber

Umfrage: Großes Interesse im Breitensport an „Behinderten-Sportarten“. Und wie ein Münchner Verein innovative Wege geht.

Hier, nimm: Sport bringt Menschen zusammen (Foto: Shutterstock)

Hier, nimm: Sport bringt Menschen zusammen (Foto: Shutterstock)

Mehr als die Hälfte der Vereinssportler in Deutschland möchte Sportarten für Menschen mit Behinderung ausprobieren. Das geht aus einer Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact AG im Vorfeld der Winter-Paralympics in Sotschi hervor, die die Förderorganisation Aktion Mensch am Dienstag veröffentlichte. Insgesamt 1095 bevölkerungsrepräsentativ nach Alter und Geschlecht befragte Vereinssportler nahmen teil.

Danach würden sich 57 Prozent der Befragten in Sportarten wie Sitz- oder Blinden-Fußball, Rollstuhl-Basketball oder Sitz-Volleyball testen wollen. Besonders groß ist das Interesse daran bei Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren (65 Prozent) und jungen Erwachsenen von 18 bis 29 Jahren (68 Prozent).

Gemeinsames Training

Viele Topspieler im Rollstuhlbasketball, wie hier Florian Mach (m.) vom USC München, haben keine Behinderung (Foto: Christine Linnig)

Viele Topspieler im Rollstuhlbasketball – wie hier Florian Mach (m.) vom USC München bei einem Ligaspiel – haben keine Behinderung (Foto: Christine Linnig)

Laut Aktion Mensch ist die Inklusion im deutschen Breitensport weit fortgeschritten. Als Beleg dafür dient, dass nach der Umfrage mehr als jeder dritte Vereinssportler ohne Behinderung (37 Prozent) gemeinsam mit Menschen mit Behinderung trainiert. ROLLINGPLANET ist bei dieser Zahl etwas skeptisch. Selbst der nicht gerade als schneller Brüter bekannte Deutsche Behindertensport-Verband bemängelte unlängst: „Inklusion kommt zu langsam voran.“

Unter den Sportlern mit einer Behinderung gaben 72 Prozent der Befragten an, inklusiv zu trainieren – ebenfalls ein Wert, den ROLLINGPLANET nicht so ganz glauben mag, aber dennoch zitieren wir gerne Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch: „Sport ist offenbar ein idealer Treiber von Inklusion, und das bisher Erreichte ist vorbildlich für andere gesellschaftliche Lebensbereiche“.

Beim Münchner Rollstuhlsportverein USC München (siehe auch Kasten unten) ist man da schon einen Schritt weiter – und lehnt den Begriff Behindertensport ab. „Wir betreiben Rollstuhlsport“, so der stellvertretende Vorsitzende Arne Wettig, „bei uns ist der Rollstuhl ein Sportgerät wie beispielsweise der Stab für einen Stabhochspringer.“

Das Münchner Netzwerk SPINKNET


Inklusives Sportevent des USC München (Foto: Christine Linnig)
Inklusives Sportevent des USC München (Foto: Christine Linnig)


ROLLINGPLANET gehört seit Frühjahr dem neuen Münchner Netzwerk für Sport und Inklusion SPINKNET an. Mitglieder sind Vereine, Einrichtungen und Firmen der bayerischen Landeshauptstadt, die das gemeinsame Ziel haben, Sportler mit und ohne Behinderung zusammenzubringen. SPINKNET erlaubt es, sich bei entsprechenden Projekten auszutauschen und gegenseitig zu helfen.
Schirmherren und Unterstützer sind unter anderem Irmgard Badura (bayerische Landesbeauftragte), Oswald Utz (Münchner Behindertenbeauftragter), Birgit Kober (zweifache Paralympicssiegerin), Frank Röth (Schauspieler und Hörbuchpreisträger 2013) und Heio von Stetten (Kino- und TV-Schauspieler). Initiiert wurde SPINKNET vom USC München Rollstuhlsport e.V., Deutschlands führendem Rollstuhlsportverein und Rekordmeister im Rollstuhlbasketball.
Vorstand-ArneWettigArne Wettig (Foto), stellvertretender Vorsitzender des USC, betont: „Rollstuhlbasketball ist schon seit langem inklusiv, weil Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam in Teams und Wettbewerben antreten.“ Um das Thema Inklusion voranzutreiben, veranstaltet der USC seine Heimspiele neuerdings als inklusive Sportevents mit attraktivem Rahmenprogramm – die Resonanz auf die Premiere im Februar war sowohl in den Medien als auch beim Publikum ausgezeichnet. Wer bei Münchens ersten regelmäßig stattfindenden Sportevents als Zuschauer oder Verein teilnehmen möchte, findet Informationen auf der Webseite des Vereins: usc-rollstuhlsport.de oder schreibt an: [email protected]

(RP/dpa)

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