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„sport grenzenlos Inklusionstour“ in Fulda gestartet

Was soll das bringen? Interview mit Paralympicssieger Holger Nikelis und Fuldas Lions-Club-Präsident Mathias Leilich.

Inklusionstour in Fulda (Foto: Lions Club)

Inklusionstour in Fulda (Foto: Lions Club)

Sitzend von links nach rechts: Charly Weber (Nationaltrainer DBS), Holger Nikelis (Initiator sport grenzenlos), Qing Yu Meng (Trainer TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell), Selcuk Cetin (Vize-Weltmeister) Stehend von links nach rechts: Yannik Rüddenklau (Nachwuchsspieler DBS), Hartmut Freund (Deutscher Meister), Jannik Schneider (Nachwuchsspieler DBS), Swetlana Gorski (GF alliro GmbH), Michele Comparato (Nationaltrainer DBS), Wolfgang Arnold (Stadtrat Fulda), Jo Fehling (Vorstand Lions Club Fulda), Thomas Kirchhoff (Stellv. Verlagsleiter Fuldaer Zeitung), Mathias Leilich (Präsident Lions Club Fulda), Stefan Frauenholz (Präsident TTC Fulda-Maberzell), Iris Brehl (Vorstand TTC Fulda-Maberzell), Claus-Dieter Schad (Vize-Präsident TTC Fulda-Maberzell), Wang Xi (Spieler TTC Fulda-Maberzell), Alexander Günther (Vorstand TTC Fulda-Maberzell).

Sitzend von links nach rechts: Charly Weber (Nationaltrainer DBS), Holger
Nikelis (Initiator sport grenzenlos), Qing Yu Meng (Trainer TTC RhönSprudel
Fulda-Maberzell), Selcuk Cetin (Vize-Weltmeister)
Stehend von links nach rechts: Yannik Rüddenklau (Nachwuchsspieler DBS),
Hartmut Freund (Deutscher Meister), Jannik Schneider (Nachwuchsspieler DBS),
Swetlana Gorski (GF alliro GmbH), Michele Comparato (Nationaltrainer DBS),
Wolfgang Arnold (Stadtrat Fulda), Jo Fehling (Vorstand Lions Club Fulda),
Thomas Kirchhoff (Stellv. Verlagsleiter Fuldaer Zeitung), Mathias Leilich
(Präsident Lions Club Fulda), Stefan Frauenholz (Präsident TTC
Fulda-Maberzell), Iris Brehl (Vorstand TTC Fulda-Maberzell), Claus-Dieter
Schad (Vize-Präsident TTC Fulda-Maberzell), Wang Xi (Spieler TTC
Fulda-Maberzell), Alexander Günther (Vorstand TTC Fulda-Maberzell). (Foto: sport grenzenlos)

Eine tolle Initiative: Mit einem inklusiven Tischtennis-Abend ist am Montag die „sport grenzenlos Inklusionstour“ in Fulda (Hessen) in der Hubtex-Arena gestartet. Tischtennisspieler und -interessierte aus der Region mit und ohne Behinderung trafen in der Sporthalle in der Washingtonallee zusammen, um gemeinsam Tischtennis zu spielen. Unter ihnen Kinder und Jugendliche, Vereins- und Hobbyspieler, Paralympicssieger und Weltmeister.

Eine Begegnung auf Augenhöhe, denn: Die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, Tischtennis im Rollstuhl sitzend auszuprobieren, sich mit den deutschen Stars der Rollstuhl-Tischtennisszene zu messen und auszutauschen. „Das war ein toller Auftakt, so wie wir ihn uns gewünscht haben: locker, sportlich, kommunikativ, inklusiv“, sagten Mathias Leilich, Präsident des Lions Club Fulda, und Holger Nikelis, Paralympicssieger im Rollstuhl-Tischtennis und Gründer der Kölner Initiative „sport grenzenlos“, unisono.

Der Bundesligaspieler des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell, Wang Xi (links) im Rollstuhl-Doppel mit seinem Trainer Qing Yu Meng gegen die Paralympischen Spitzensportler Selcuk Cetin (links) und Holger Nikelis. (Foto: sport grenzenlos)

Der Bundesligaspieler des TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell, Wang Xi (links)
im Rollstuhl-Doppel mit seinem Trainer Qing Yu Meng gegen die Paralympischen
Spitzensportler Selcuk Cetin (links) und Holger Nikelis. (Foto: sport grenzenlos)

Unter dem Motto „Behinderung in Fulda?! Nicht mit uns.“ veranstalten der Lions Club und „sport grenzenlos“ zusammen mit der Fuldaer Zeitung, dem Tischtennis-Bundesligisten TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell und anderen lokalen Partnern von Montag, 20. bis Sonntag, 26. Januar 2014 die „sport grenzenlos Inklusionstour“ in der hessischen Barockstadt. Nikelis und Leilich erklären im Interview, was dahinter steckt.

Interview mit Holger Nikelis und Mathias Leilich: „Berührungsängste abbauen“

Holger Nikelis bei den Paralympics 2012 in London (Foto: Andreas Geist/BSNW)

Holger Nikelis bei den Paralympics 2012 in London (Foto: Andreas Geist/BSNW)

Was wollen Sie den Menschen der Stadt Fulda mit der Inklusionstour und den verschiedenen Aktionen vermitteln?

dsc_1560Mathias Leilich (Foto): Ein Gedanke, der mich in den vielen Wochen meines Krankenhausaufenthalts sehr beschäftigt und auch nie losgelassen hat, war die Tatsache, dass ich bis dahin oft Menschen im Rollstuhl auch für geistig behindert angesehen habe. Über Spasmus und Sprachstörungen war ich nicht aufgeklärt worden.

Ich hatte mich als junger Mensch nie mit diesem Thema auseinander gesetzt. Meine Gedankenlosigkeit hat mich dort auf meinem Strykerbett total beschämt. Und genau hier ist der heutige Ansatz: Ich möchte, dass vor allem junge Menschen vorbehaltlos auf alle Menschen mit und ohne Behinderung zugehen, Verlegenheit, Unsicherheit und Hemmungen gegenüber Behinderten abbauen. Nicht behinderte Menschen haben nicht gelernt, mit behinderten Menschen umzugehen. Das isoliert die Minderheit. Mit einem Schritt nach vorne können wir die Isolierung abbauen.

Holger Nikelis: Genau das ist das Ziel. Vor allem der Sport, das gemeinsame Sporttreiben und auch die Begegnung mit den paralympischen Spitzensportlern sind dabei ideale Instrumente, Berührungsängste, Vorbehalte oder Unsicherheiten abzubauen.

Herr Leilich, Sie sind Bürger der Stadt Fulda. Sie beide haben sich im Vorfeld unter anderem mit der Interessengemeinschaft barrierefreies Fulda (IGbFD) eingehend beschäftigt. Was kann und sollte sich in der Barockstadt mit der Inklusionstour verändern?

Mathias Leilich: Ich wünsche mir, dass sich die Menschen in Fulda gedanklich im Rollstuhl auf den Weg durch unsere Stadt begeben und so auf Hindernisse aufmerksam werden, die für die Meisten von uns keine darstellen: ein zu hoher Bordstein etwa, fünf Stufen zum Lieblingsrestaurant oder Kopfsteinpflaster. Vor allem wünsche ich mir, dass sich die Menschen auf einen imaginären Rundgang begeben, die für die Planung und den Bau von öffentlichen Gebäuden, Ladenlokalen, Plätzen oder Restaurants zuständig
sind. Würde die Barrierefreiheit bei allen Bauvorhaben nur mit drei Prozent der Brandschutzauflagen geregelt werden, wäre für das Thema genügend getan.

Holger Nikelis: Auf den Sport bezogen fänd’ ich es toll, wenn sich die Vereine in Fulda mehr für Behindertensportler öffnen würden. Es lässt sich doch in vielen unterschiedlichen Sportarten wie etwa im Tischtennis wunderbar gemeinsam Sport treiben. Das wollen wir zum Beispiel beim inklusiven Tischtennis-Abend zum Auftakt der Inklusionstour in der Hubtex-Arena unter Beweis stellen.

Unser Vorhaben hat auch an anderer Stelle bereits für Bewegung gesorgt: Der Hessische Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband e.V. mit Sitz in Fulda, Ansprechpartner für den organisierten Sport für Menschen mit Behinderung in Hessen, hat angekündigt, das Sportangebot im Raum Fulda zu erweitern und gemeinsam mit der IGbFD e.V. eine Rolligruppe in Fulda zu installieren. Eine tolle Sache!

Die Inklusionstour ist gerade erst gestartet, viele unterschiedliche Projekte in der Stadt stehen noch bevor. Wenn Sie am 27. Januar, einen Tag nach Ende der Aktionswoche, die Zeitungen aufschlagen: welche Überschriften würden Ihnen dann gefallen?

Mathias Leilich: #inklusion – Topthema bei Facebook und Twitter!

Holger Nikelis: Mir würde die Überschrift „Veranstalter legen mit Inklusionstour in Fulda Grundstein für eine deutschlandweite Kampagne“ gefallen. Oder auch diese wäre toll: „sport grenzenlos Facebookseite nach Inklusionstour explodiert“. (lacht)

Vielen Dank für das Interview.

Internet:
www.inklusionstour.de
www.lions-club-fulda.de
www.facebook.com/sport.grenzenlos

(PM)

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1 Kommentar

  • Raimund Wagener

    Ich war dabei, ist nicht so spannend

    22. Januar 2014 at 13:21

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