""

Sprachsteuerung für barrierefreies Fahren: Prototyp kommt im Herbst 2013

Mobilcenter Zawatzky: Stammhaus in Meckesheim

EML European Media Laboratory und Mobilcenter Zawatzky kündigen ein gemeinsames Projekt an, das Körperbehinderten das Autofahren erleichtern soll.

Menschen mit einer körperlichen Behinderung können dank der heutigen Technik ein Auto selbstständig steuern. Mechatronische Systeme ermöglichen das Lenken, Gasgeben oder Bremsen. Wer jedoch den Blinker setzen oder die Klimaanlage einstellen will, muss je nach Art der Behinderung auf individuelle und dadurch kostenintensive Zusatzanfertigungen zurückgreifen. „Für solche so genannten Sekundär- und Komfortfunktionen erweist sich die Sprache als praktisches Steuerungsinstrument“, so die Initiatoren.

Die EML European Media Laboratory GmbH und die Mobilcenter Zawatzky GmbH haben angekündigt, gemeinsam eine Sprachsteuerung für Sekundär- und Komfortfunktionen zu entwickeln. Das Projekt wird im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.

Behindertenfahrzeug-Pionier trifft Milliardär

Der Fahrzeugumrüster Zawatzky aus Meckensheim (22 Kilometer von Heidelberg entfernt) ist in der Reha-Szene sehr bekannt und besitzt langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Fahrzeuganpassungen für Menschen mit Behinderung. Das Mobilcenter Zawatzky besteht seit 50 Jahren. Firmengründer Rudolf Zawatzky wurde kürzlich mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für sein Engagement ausgezeichnet.

Das Heidelberger IT-Unternehmen EML ist Spezialist auf dem Gebiet der Mensch-Technik-Interaktion und Sprachtechnologie. Die Firma dürfte nicht allen ein Begriff sein, hinter der Firma steckt jedoch einer der reichsten und sozial engagiertesten Männer Deutschlands: Die EML European Media Laboratory GmbH wurde von SAP-Mitbegründer Klaus Tschira ins Leben gerufen. Neben seinem ehemaligen SAP-Partner Dietmar Hopp (bekannt als Sponsor des Fußball-Bundesligisten Hoffenheim) gehört Tschira zu den begehrtesten Investoren im Rhein-Neckar-Raum.

Für den ganzen Automarkt – nicht nur für Behinderte

Die Rollenverteilung beider Firmen: Das EML wird eine Spracherkennung entwickeln, die auch in Situationen mit hohem Geräuschpegel gesprochene Befehle mit einer großen Sicherheit erkennen soll. Zawatzky übernimmt die Entwicklung eines autarken sprachgesteuerten Aktoriksystems, das in gängigen Fahrzeugtypen einsetzbar sein soll. Ein erster Prototyp des Systems soll im September 2013 fertig gestellt sein. Der Beginn der Serienproduktion – nach einer kurzen Testphase – ist für das Jahr 2014 anvisiert.

Die technische Innovation des ZIM-Projekts besteht in einer Kombination von lokaler und serverbasierter Spracherkennung. Die EML-Sprachtechnologen entwickeln für die Sekundärfunktionen eine zuverlässige, lokale Sprachsteuerung. Für Komfortfunktionen wie Navigationssysteme, Wetterberichtsabfragen oder das Diktieren von Kurznachrichten will das EML die Sprachsteuerung über das Internet ermöglichen.

Ziel ist ein integriertes System, das für die Steuerung der Sekundärfunktionen bis zu 50 Sprachkommandos unter beliebigen Fahrbedingungen erkennt, eine Reaktionszeit von maximal einer Sekunde und eine Erkennungsrate von 95% aufweist. Eine solche kombinierte Schnittstelle von lokaler und serverbasierter Sprachsteuerung existiert bislang noch nicht und könnte künftig auch die Sprachsteuerung im gesamten Automobilmarkt voranbringen.

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN