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Sprengstoff-Attentäter im Rollstuhl: Linker Arm amputiert

Trotz China-Zensur gibt es weitere Informationen zur Verzweiflungstat.

Noch mit linkem Arm: Ji Zhonxing kurz bevor er seinen Sprengsatz zündete (Foto: twitter)

Noch mit linkem Arm: Ji Zhonxing kurz bevor er seinen Sprengsatz zündete (Foto: twitter)

Zu den Hintergründen des Sprengstoff-Attentats am Samstag in Halle 3 des Pekinger Flughafens (ROLLINGPLANET berichtete) sind neue Details bekannt geworden.

Demzufolge handelt es sich bei dem Rollstuhlfahrer tatsächlich um den 33-jährigen Ji Zhonxing. In seinem von der chinesischen Zensur noch am Wochenende abgeschalteten Blog hatte er seine Leidensgeschichte berichtet:

Der Bauer arbeitete als Wanderarbeiter in einer Billiglohnfabrik und fuhr zusätzlich nachts mit einem Motorrad-Taxi. 2005 war er bei einer Verkehrskontrolle davongefahren, die Polizei rief Hilfswächter, die ihn stoppten und mit Eisenstangen so schwer prügelten, dass er querschnittsgelähmt wurde. Der Vorfall ereignete sich in Dongguan in der Provinz Guangdong. Seither kämpfte Ji um Entschädigung für Krankenhauskosten.

Verzweifelt nach acht Jahren Kampf

Seit acht Jahren versuchte Ji, mit Unterschriftensammlungen auf seinen Fall aufmerksam zu machen. Die erfolglosen Versuche, Gerechtigkeit zu erreichen, hätten Ji zur nunmehrigen Verzweiflungstat geführt, erklärte sein Bruder gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Neben den körperlichen und seelischen Schmerzen kamen auch finanzielle Schwierigkeiten hinzu. Laut seinem Bruder soll sich Ji mit mehr als 16.000 US- Dollar verschuldet haben. „Sie haben ihn ohne Grund verprügelt. Wäre irgendjemand von den Behörden, bloß eine Person, für meinen Bruder aufgestanden, und hätte sie ein Wort der Gerechtigkeit gesprochen, er hätte das vielleicht nicht getan“, glaubt der ältere Bruder.

Jetzt lässt sich der Vorfall nicht mehr verschweigen

Auch am Flughafen wollte Ji am Samstag zunächst Flugblätter verteilen, wurde dabei jedoch vom Bodenpersonal gestoppt. Bei der anschließenden Zündung des Sprengsatzes aus Schwarzpulver und Feuerwerkskörpern wurde außer Ji niemand verletzt – wie jetzt bekannt geworden ist, musste sein linker Arm amputiert werden. Ji befindet sich noch im Krankenhaus.

Die Stadtverwaltung von Dongguan (8,2 Millionen Einwohner) bestätigte, dass das Prügelopfer mehrmals Schadenersatz gefordert habe. Sie kündigte nun an, seinen Fall erneut prüfen zu wollen.

(RP)

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