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Staatsanwalt: Gasaustritt aus mobilem Ofen verursachte Feuer

Die Brandursache in der Caritas-Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt ist geklärt. Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet.

Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt (Archivfoto, vor dem Brand)

Die Spekulationen haben ein vorläufiges Ende: Ein mobiler Gasofen mit einer Propangasflasche hat die Brandkatastrophe mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald verursacht. Es sei unkontrolliert Gas ausgetreten und verpufft, teilte Staatsanwalt Peter Häberle in Titisee-Neustadt mit. Allerdings: „Wie es zum Austritt des Gases kam, ist unklar.“ Die Opfer hätten sich alle in dem Raum aufgehalten, in dem sich der gasbetriebene Heizofen befunden habe. Ob das auch auf alle Verletzten zutreffe, sei unklar.

Es sei möglich, dass es ein technischer Defekt oder menschliches Versagen war, sagte der Staatsanwalt. Auch hätten die Brandexperten noch nicht klären können, wie sich das Gas entzündet habe.

Die Polizei hat eine Sonderkommission mit 60 Beamten eingerichtet, um Zeugen zu befragen und Spuren zu verfolgen. Der mobile Gasofen sei in der Werkstatt aufgestellt gewesen. „Es kam zu einer schlagartigen Ausbreitung von Feuer und Rauch“, sagte Kreisbrandmeister Alexander Widmaier. Die Menschen in dem Raum hätten kaum eine Chance gehabt, dem Inferno zu entkommen. Laut Widmaier müssen sich in dem Zimmer, in dem der Brand ausbrach, dramatische Szenen abgespielt haben. Einige Menschen hätten es nach der Verpuffung noch bis zu den Fenstern geschafft. Sie hätten von den Einsatzkräften gerettet werden können. Andere jedoch hätten sich „durch das Einatmen der toxischen Gase nicht mehr bewegen können“ und seien umgekommen, schilderte Widmaier.

Die Experten wollen nun den Zustand der Propangasflasche rekonstruieren. Es sei nicht klar, ob das Ventil der Flasche offen gewesen sei. Zu welchem Zweck dieser Ofen im Raum stand, ob zum Heizen oder zu anderen Zwecken, sei ebenfalls noch zu ermitteln, sagte der Leitende Kriminaldirektor, Alfred Oschwald. Der Freiburger Caritas-Chef Egon Engler konnte nicht sagen, an was die Menschen dort gearbeitet haben.

Nach derzeitigem Kenntnisstand spreche alles für ein Unglück, sagte Häberle. Es gebe keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Tat. Dennoch habe die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Brandstiftung beziehungsweise fahrlässiger Tötung eingeleitet. „Das bedeutet aber nicht, dass fahrlässiges Verhalten vorliegt“, sagte Häberle.

„Brandschutz absolut ordnungsgemäß“

Das Feuer war am Montagnachmittag in einer Werkstatt für geistig und mehrfach Behinderte ausgebrochen. 13 Behinderte und eine Betreuerin waren gestorben.

Der Brandschutz war aus Sicht der Behörden aber völlig ausreichend. „Der vorbeugende Brandschutz war absolut ordnungsgemäß“, sagte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer.

Von den 97 Menschen, die sich aus dem Gebäude retten konnten, schafften dies nach Darstellung der Behörden 86 aus eigener Kraft. Nur elf Menschen mussten von der Feuerwehr aus dem Gebäude geleitet werden. Dies spreche für das Funktionieren des Rettungskonzepts über eine Rampe für Rollstuhlfahrer und eine Stahltreppe, sagte Schäfer.

(dapd/dpa)


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