Rollstuhlfahrer muss Café verlassen: „Bitte kommen Sie nie wieder“

Aufgeschnappt: Rollstuhlfahrer klagen gegen Fahrdienstvermittler Uber +++ Bayerns Schwerbehindertenquote sinkt +++ Hass-Verbrechen gegen Behinderten live bei Facebook


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AUFGESCHNAPPT: Was aktuell sonst noch in der Welt passiert, worüber ROLLINGPLANET nicht selbst oder an dieser Stelle nur kurz berichtet


Eine besondere Schreinerei in Rudelzhausen

Vater und Sohn Glatt betreiben eine Schreinerei in Rudelzhausen (Bayern). Für Gespräche mit hörenden Kunden haben sie eine Dolmetscherin. Treffen Vsie einen hörenden Kunden, begleitet Michaela Meyer diese Termine. Sie ist angehende Dolmetscherin für Gebärdensprache und Simons Freundin. Sie übersetzt, was sich die Kunden wünschen, wie der Tisch, Stuhl oder Schrank aussehen soll und welches Material es sein darf. Seit einem Jahr macht sie das, erledigt auch Telefonanrufe. „Für mich ist es eine gute Praxisübung zum theoretischen Studium“, sagt sie – und ist für die Glatts eine große Hilfe. „Manchmal erschrecken Kunden, wenn ihnen klar wird, dass wir gehörlos sind“, so der Vater. Süddeutsche Zeitung

Diskriminierung von Rollstuhlfahrer: „Bitte kommen Sie nie wieder“

Ein Rollstuhlfahrer und sein Betreuer haben in Hofgeismar (Hessen) öfter ein Lokal besucht – bis es vom Wirt hieß: Sie passen hier nicht rein, bitte kommen Sie nie wieder. „Ich war völlig schockiert“, sagt Rohit Singh, den der Vorfall auch heute noch tief bewegt. „Dass ich so krass angesprochen werde, habe ich noch nie erlebt“, sagt der 24-Jährige, der in Würzburg Sonderpädagogik studiert und in den Semesterferien und an freien Wochenenden Behinderte aus dem Wohnheim der BDKS betreut. HNA

Inklusion per Datenbrille

Sechs Hörbehinderte arbeiten in der Logistik der Firma Schmaus. Eine neue Technik soll nicht nur ihnen die Arbeit erleichtern. Mitarbeiter erhalten ihre Anweisungen nicht mehr auf einem Zettel, sondern über eine Datenbrille direkt vor die Augen projiziert. Von den 46 Mitarbeitern des Unternehmens haben zwölf eine Behinderung. Damit liegt die Schmaus GmbH deutlich über der gesetzlich geforderten Quote von fünf Prozent. Wer diese nicht erfüllt, muss Ausgleichsabgaben an die Integrationsämter zahlen. Diese Gelder werden wiederum in die Teilhabe schwerbehinderter Menschen am Arbeitsleben investiert – beispielsweise in das Datenbrillen-Projekt, an dem die Schmaus GmbH seit 2014 gemeinsam mit der TU München und der auf Logistik-Systeme spezialisierten Firma CIM aus Bayern arbeitet. Freie Presse

Barrierefreiheit in Wien – schlechte Noten für Geschäftswelt

Die Barrierefreiheit in den Wiener Einkaufsstraßen lässt laut einer Studie zu wünschen übrig: Das Beratungsunternehmen Comfort4all überprüfte die Eingänge von rund 1800 Geschäften in den kaufkraftstärksten Einkaufsmeilen von Wien und stellte dabei fest, dass mehr als 60 Prozent nicht den gesetzlichen Vorgaben der Barrierefreiheit entsprechen. Lediglich 38 Prozent der Betriebe bieten ihren Kunden laut der Untersuchung einen barrierefreien Zugang an. Die Presse

Tödliche Dosis: Prozess gegen Ärzte gegen Geldauflage eingestellt

Ein Verfahren gegen vier Mediziner, die ein Medikament für einen schwerkranken Mann zu hoch dosiert hatten, hat das Amtsgericht Lehrte (Niedersachsen) gegen Geldauflagen eingestellt. Statt einmal wöchentlich wurde dem Mann ein Rheuma- und Tumormedikament einmal täglich verordnet – der 79-Jährige starb aufgrund der Überdosierung drei Wochen später. Die Mediziner müssen zwischen 2000 und 6000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. (dpa)

Brandenburger Bahnhöfe sollen barrierefrei werden

Nach den Plänen des Bundesverkehrministeriums sollen künftig sieben weitere Bahnstationen in Brandenburg barrierefrei sein. Ausgewählt wurden die Haltestellen in Herrensee, Brand Tropical Islands, Lindenberg (Mark), Ortrand, Pritzwalk, Rehfelde und Wriezen. Der Umbau ist Teil eines Modernisierungsprogramms, das Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) 2016 gestartet hat. Ziel sind unter anderem stufenfreie Bahnsteigzugänge und optimierte Bahnsteighöhen. Die Brandenburger Projekte sind 7 von 25 Bahnhöfen, die bundesweit zusätzlich in das Programm aufgenommen werden. Insgesamt wird ein barrierefreier Zugang bei 132 Bahnstationen in Deutschland ermöglicht. Die Kosten dafür belaufen sich den Angaben zufolge auf 160 Millionen Euro, von denen der Bund die Hälfte übernimmt. (dpa/bb)

E-Rollstuhlfahrer klagen gegen Fahrdienstvermittler Uber

Der US-Fahrdienstvermittler Uber hat in den letzten vier Jahren in Chicago nur 14 Personen mit einem E-Rollstuhl transportiert. Menschen mit Behinderung sehen darin eine Diskriminierung und haben eine Sammelklage eingereicht. Uber bietet zwar den Fahrdienst UberWAV mit rollstuhltauglichen Fahrzeugen an („WAV“ steht für „Wheelchair-accessible vehicle“), doch es gibt praktisch keine Möglichkeit, diesen mit einem E-Rollstuhl zu nutzen – so der Vorwurf der Kläger. ComputerBild

Opposition lobt Koalition für Freigabe von Cannabis auf Rezept

Die Opposition lobt die Koalition für die Freigabe von Cannabis als Medizin auf Rezept. Der Gesetzentwurf lasse „wenig Spielraum zum Meckern“, sagte der Drogenexperte der Linken, Frank Tempel, am Donnerstag bei der abschließenden Beratung im Bundestag. „Chapeau, Frau Mortler!“, sagte der Grünen-Experte Harald Terpe zur Drogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU). Schwächen des ursprünglichen Gesetzentwurfs seien im parlamentarischen Verfahren behoben worden. Cannabis wird etwa bei chronischen Schmerzen und Übelkeit bei Krebstherapien angewendet. (dpa)

Behindertes Kind: Wie viel ein kleiner Mensch aushalten kann

Samuel kommt schwerbehindert auf die Welt. Vier Jahre wird er bei seiner Familie bleiben, bis er stirbt. Über die Liebe eines Vaters zu seinem Sohn. Süddeutsche Zeitung

Bayerns Schwerbehindertenquote sinkt erstmals seit zehn Jahren leicht

Zum ersten Mal seit zehn Jahren ist der Anteil der Schwerbehinderten in Bayern gesunken, wenngleich minimal. Jeder elfte Bewohner im Freistaat war 2016 betroffen, wie die Landesbehörde „Zentrum Bayern Familie und Soziales“ (ZBFS) in Bayreuth am Dienstag mitteilte. Die Quote lag im vergangenen Jahr bei 9,27 Prozent der bayerischen Bevölkerung, im Vorjahr waren es 9,28 Prozent gewesen. Die Zahl der Schwerbehinderten insgesamt sei zwar in Bayern um 11.200 Menschen auf rund 1,19 Millionen Betroffene gestiegen, hieß es. Allerdings sei im selben Zeitraum auch die Einwohnerzahl in Bayern gewachsen – von etwa 12,7 auf 12,8 Millionen Menschen. Vor zehn Jahren, 2006, hatte die Quote der Schwerbehinderten bei 8,66 Prozent gelegen. (dpa/lby)

Hass-Verbrechen gegen Behinderten live bei Facebook übertragen

Der Fall ist schwer zu ertragen. In den USA sollen vier junge Leute einen etwa gleichaltrigen Mann mit geistiger Behinderung stundenlang gequält und das live bei Facebook übertragen haben. Dabei riefen sie „fuck the white people“ und „fuck Trump“. Deutschlandfunk

14-jährige Schülerin mit Down-Syndrom misshandelt?

Werner Johag hat im Namen seiner Familie eine Strafanzeige gegen die Leitung der St.-Nikolaus-Schule in Kall (Nordrhein-Westfalen) gestellt. Er wirft der Einrichtung vor, seine behinderte Enkelin misshandelt zu haben. Der diesbezügliche Schriftverkehr füllt bereits einen ganzen Aktenordner. In der Schule sei alles gutgegangen, bis Mutter Juana einen Anruf erhalten habe, in dem sie gebeten worden sei, ihre Tochter, der es offenbar nicht gut gehe, abzuholen. Als Juana Johag im Klassenzimmer ihrer Tochter eingetroffen sei, habe sie das Mädchen auf dem Boden liegend vorgefunden. Vier Lehrer und Betreuer hätten die 14-Jährige im Fixiergriff gehabt. Kölnische Rundschau

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