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Studie: Pflegebedarf steigt um 50 Prozent

500.000 Vollzeitkräfte werden fehlen – die Bertelsmann Stiftung prognostiziert eine dramatische Versorgungslücke. In Rheinland-Pfalz gerät Malu Dreyer in die Kritik.

Wer pflegt uns, wenn wir alt sind? (Foto: Gerd Altmann/pixelio.de)

Die Versorgungslücke in der Pflege wird bis zum Jahr 2030 vor allem in den Kommunen für große Herausforderungen sorgen. Während die Zahl der Pflegebedürftigen um rund 50 Prozent zunehmen wird, werden nach heutigen Berechnungen ohne grundlegende Weichenstellungen rund eine halbe Millionen Stellen für Vollzeitkräfte in der Pflege unbesetzt bleiben. Dies prognostiziert der neue „Pflegereport 2030“ der Bertelsmann Stiftung.

Auf Basis der Bevölkerungsvorausberechnung sowie der Pflegestatistik 2009 des Statistischen Bundesamtes führte Prof. Dr. Heinz Rothgang von der Universität Bremen die Studie durch.

Waren im Dezember 2009 in Deutschland 2,34 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung, wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen laut der Bertelsmann-Studie bis ins Jahr 2030 auf 3,4 Millionen und bis 2050 sogar auf 4,5 Millionen erhöhen.

Große regionale Unterschiede

Allerdings stellt sich die Situation für die einzelnen Bundesländer und vor allem auf kommunaler Ebene sehr unterschiedlich dar. So weisen die Modellrechnungen für den Stadtstaat Bremen im Zeitraum von 2009 bis 2030 ein Wachstum der Zahl der Pflegebedürftigen von 28 Prozent aus, während die Wachstumsrate für Mecklenburg-Vorpommern mit 56 Prozent annähernd doppelt und für Brandenburg mit 72 Prozent sogar mehr als 2,5-mal so hoch ist.

Im Vergleich zum bundesweiten Anstieg der Fallzahlen von durchschnittlich 47 Prozent zeigen sich auch für Berlin (56 Prozent), Bayern (54 Prozent), Schleswig-Holstein (54 Prozent) und Baden-Württemberg (54 Prozent) erhebliche Steigerungsraten.

Auf der kommunalen Ebene sind die Unterschiede sogar noch stärker ausgeprägt: Hier reichen die Steigerungsraten von knapp 14 Prozent (Landkreis Goslar) bis zu mehr als 100 Prozent (Landkreis München, Landkreis Oberhavel), wobei die Dynamik fast ausschließlich von der Altersstruktur in der jeweiligen Kommune abhängt.

Unter www.wegweiser-kommune.de stehen Informationen darüber zur Verfügung, wie es um die Pflegesituation in jedem Kreis beziehungsweise jeder kreisfreien Stadt bestellt ist.

wegweiser-kommune.de bietet regionale Daten

Das Problem ist längst bekannt

„Der drohende Pflegenotstand ist längst bekannt; die Reaktionen reichen jedoch von schlichter Panikmache bis hin zur Vogel-Strauß-Haltung. Wir wollen weder das eine noch das andere, sondern mit dem Pflegereport Bevölkerung und Politik auf die vor uns liegende Wegstrecke für eine nachhaltige und sozial gerechte Bewältigung der künftigen Pflegebedarfe vorbereiten“, sagte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bei der Vorstellung des Pflegereports in Berlin.

Zukünftig werden die notwendigen Leistungen in der Pflege von professionellen Kräften allein nicht zu erbringen sein. Daher ist es notwendig, bei der Verwirklichung bedarfsgerechter Pflegekonzepte auf die Vernetzung aller verantwortlichen Personen und Institutionen zu achten, von der Stadtplanung über Wohnungsbaugesellschaften, Pflegekassen bis hin zu Leistungsanbietern.

Plädoyer für „Reha vor Pflege“

„Den Grundsätzen ‚Rehabilitation vor Pflege‘ und ,ambulant vor stationär‘ muss auf allen Ebenen Geltung verschafft werden. Wir brauchen darüber hinaus eine Mobilisierung der Zivilgesellschaft, um die Chancen des längeren und gesünderen Lebens für die Bewältigung der demographischen Risiken zu nutzen“, so Mohn weiter. „Darum wollen wir Entscheidungsträger auf Bundes-, Landes-, aber vor allem auf kommunaler Ebene ermutigen, den Kopf auch bei düsteren Prognosen nicht in den Sand zu stecken, sondern die Zeit bis 2030 zu nutzen, um dem Pflegenotstand in der eigenen Region zu begegnen.“

Malu Dreyer (Foto: Torsten Silz/dapd)

Den Kommunen kommt hierbei eine maßgebliche Rolle für die Prozess- und Angebotskoordinierung zu. Unabdingbare Voraussetzung ist daher eine Umsteuerung und Bündelung der entsprechenden Finanzquellen, um es den Kommunen zu ermöglichen, eine entsprechende Unterstützungs- und Vernetzungsstruktur aufzubauen und dauerhaft zu unterhalten.

Malu Dreyer wird attackiert

Am schnellsten auf die Bertelsmann-Studie reagierte die CDU in Mainz. Sie attackierte die Sozialministerin Malu Dreyer (SPD). Die rot-grüne Landesregierung ist nach Ansicht der Opposition für den „Pflegenotstand“ in Rheinland-Pfalz mit verantwortlich. Dreyer (die Deutschlands erste Ministerpräsidentin mit Multiple Sklerose sein wird), verharmlose aktuelle Probleme und trage selbst zu einer Verschärfung der Situation bei, sagte die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Hedi Thelen, heute in Mainz. Seit Jahren handele die Landesregierung Pflegesätze aus, die unter der tariflich vereinbarten Steigerung der Personalkosten lägen. So könne nicht kostendeckend gearbeitet werden.

(Bertelsmann Stiftung/dapd/RP)

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