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Studie: Vitamin K2 könnte Parkinson-Patienten helfen

Mediziner warnen aber vor übereilten Hoffnungen. Als Betroffener müssen Sie jetzt also noch nicht täglich drei Liter Petersiliensaft trinken.

Grünpflanzen enthalten viel Vitamin K2 - wie dieser Petersiliensaft (Foto: Marianne J./pixelio.de)

Ein Team aus belgischen und US-amerikanischen Neurowissenschaftlern heilte mit Hilfe von Vitamin K2 bei Fliegen einen Gendefekt, der sonst zu Parkinson führt. Veröffentlicht wurde die Forschung in der Zeitschrift „Science“. Studienleiter Patrik Verstreken von der Katholischen Universitat Leuven erklärt: „Die Verabreichung von Vitamin K2 könnte möglicherweise Patienten mit Parkinson helfen. Wir müssen die genauen Vorgänge allerdings noch weiter erforschen“.

Defekte Energieversorgung

Bei Parkinson-Patienten ist die Aktivität der Mitochondrien gestört. Diese dienen als Energielieferanten der Nervenzellen und transportieren Elektronen in diesen. Mitochondrien befinden sich in Zellen mit hohem Energieverbrauch; das sind unter anderem Muskelzellen, Nervenzellen, Sinneszellen und Eizellen. In Herzmuskelzellen erreicht der Volumenanteil von Mitochondrien 36 Prozent.

Die fehlende Energieversorgung führt dazu, dass Zellen in bestimmten Teilen des Gehirns abzusterben beginnen. Das Ergebnis sind die typischen Symptome von Parkinson: Mangel an Bewegung, Zittern und Muskelsteifheit.

Immer noch ist die genaue Ursache für diese neurodegenerative Erkrankung nicht bekannt. Forscher konnten in den vergangenen Jahren bestimmte Gendefekte (Mutationen) bei Parkinson-Patienten ausmachen, darunter die sogenannten PINK1- und Parkin-Mutationen. Beide Defekte hemmen die mitochondriale Aktivität. Durch die Erforschung dieses Phänomens hofft die Wissenschaft, die zugrunde liegenden Mechanismen des Krankheitsverlaufs zu entwirren.

Elektronen fließen wieder

Verstreken und sein Team testeten in Laborexperimenten Fruchtfliegen, die mit Hilfe gentechnischer Veränderung einen Defekt in PINK1 oder Parkin aufwiesen. Die Versuchstiere hatten genau wie Parkinson-Patienten gehemmte Mitochondrien. Sobald den Fruchtfliegen Vitamin K2 verabreicht wurde, ging die Energieproduktion in den Mitochondrien wieder ihren normalen Lauf, und die Tiere konnten wieder fliegen.

Die Studienautoren schließen daraus, dass Vitamin K2 den Elektronentransport in den Mitochondrien verbessert. Kollegen warnen allerdings vor vorschnellen Schlüssen auf Parkinson. „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen Vitamin K2 und Parkinson. Bisher ist die Studienlage dazu noch unzureichend“, warnt Wolfgang Oertel, Direktor der Klinik fur Neurologie am Universitätsklinikum Marburg.

Betroffene müssen jetzt also noch nicht täglich zum Beispiel drei Liter Petersiliensaft trinken. Andererseits: Regelmäßig ein Glas wird wohl auch nicht schaden…

Link zur Studie: http://www.sciencemag.org/content/early/2012/05/14/science.1218632.abstract

(pte)

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