Studierende der TUHH entwickeln Hilfsmittel für blinde und sehbehinderte Menschen

Fachübergreifendes Bachelor-Projekt der TU Hamburg-Harburg für Erstsemester.

Erstsemester machen ihre ersten Selbsterfahrungen mit dem Thema Sehbehinderung (Foto: BSVH)

Erstsemester machen ihre ersten Selbsterfahrungen mit dem Thema Sehbehinderung (Foto: BSVH)

Das Zentrum für Lehre und Lernen (ZLL) an der Technischen Universität (TU) Harburg bietet jedes Jahr ein freiwilliges Projekt an, bei dem Studentinnen und Studenten des ersten Semesters der verschiedenen Fachbereiche zusammen arbeiten können. Bisher waren die Aufgaben immer vorgegeben. Nun müssen die Studenten erstmals in einem „Open Topic“- Projekt auch das Thema selbst erarbeiten.

Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. (BSVH) ist Kooperationspartner bei diesem Durchgang. Ein Team aus blinden und sehbehinderten Mitgliedern steht den Studenten mit Rat und Tat zur Seite. Zielsetzung ist die Entwicklung und Realisierung eines Hilfsmittels, das Menschen mit Sehverlust im Alltag unterstützt oder ihnen einen informativen Mehrwert bietet.

In der vergangenen Woche trafen sich die Studenten, die von den beiden Projektleiterinnen Siska Simon und Uta Riedel sowie weiteren Ansprechpartnern des ZLL betreut werden, erstmals in den Räumen des BSVH. Sozialberaterin Annette Schacht informierte die Teilnehmer/innen ausführlich über die unterschiedlichen Formen von Sehbehinderung und Blindheit und sensibilisierte sie anhand von praktischen Übungen unter der Simulationsbrille. Anschließend gaben Melanie Bause und Birgit Dütsch einen Überblick über Hilfsmittel sowie Vergrößerungs- und Vorlesesysteme.

Projekt mit „gesellschaftlicher Dimension“

„Wir möchten, dass unsere Studierenden sich schon zu Beginn ihres Studiums mit der gesellschaftlichen Dimension ihrer Arbeit auseinandersetzen können. Daher waren wir für das Projekt auf der Suche nach einem passenden, engagierten Kooperationspartner,“ erklärt Projektleiterin Siska Simon die Zusammenarbeit mit dem BSVH. „Da Sehbehinderung einen wachsenden Teil der immer älter werdenden Bevölkerung betrifft, sind wir überzeugt, dass die Ergebnisse der Studierenden auf Interesse stoßen werden. Schon der erste Kontakt mit dem BSVH hat uns darin bestärkt, dass wir zusammen etwas Spannendes entwickeln können,“ so Simon.

„Gemeinsam mit Mitgliedern des Vereins sollen unsere Erstsemesterstudierenden Ideen für ein innovatives Hilfsmittel entwickeln und anschließend als Prototyp umsetzen,“ ergänzt Uta Riedel. Sie ist seit 2012 gemeinsam mit Siska Simon für die Entwicklung des Projektformats verantwortlich. „Uns ist dabei wichtig, dass die Studierenden als interdisziplinäres Team zusammenarbeiten und Erfahrungen in dem ingenieurtypischen Format ,Projekt‘ sammeln.“

Ein Zukunftsthema: Immer mehr Betroffene

„Mich interessiert das Thema ganz besonders, da ich der Meinung bin, dass uns das Thema in naher Zukunft auch betreffen wird,“ erklärt die Studentin Janine Sorejevic ihre Beweggründe, sich bei diesem freiwilligen Projekt zu engagieren. Hiermit trifft sie eine wichtige Aussage, denn die meisten Betroffenen erleiden aufgrund einer altersbedingten Augenerkrankung einen Sehverlust. Mit der Alterung der Gesellschaft steigt auch die Zahl der Neubetroffenen von Jahr zu Jahr. „Eine praktische Nutzbarkeit des zu entwickelnden Produkts wäre auf jeden Fall wünschenswert,“ sagt Student Daniel Jaramillo Plaumann. Er baut dabei auf eine konstruktive Teamarbeit, „die vielleicht auch über das Bachelor-Projekt hinaus besteht.“

Am Samstag, den 14. November hatten die Teilnehmer/innen außerdem die Gelegenheit, sich bei der Hilfsmittelmesse „Rundblick“ einen umfassenden Überblick über Alltagshilfsmittel zu verschaffen und direkt mit den Herstellern und Anbietern ins Gespräch zu kommen. Die in den beiden vorbereitenden Terminen erworbenen Kenntnisse zu Bedürfnissen und Marktlage werden die Studentinnen und Studenten nun in einem gemeinsamen Ideenaustausch mit Mitgliedern des BSVH einbringen. Zusammen werden sie eine Idee entwickeln, die in den nächsten Monaten in den Köpfen, an den Computern und in den Werkstätten der TU Harburg Gestalt annehmen wird.

(RP/PM)

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