Tag des weißen Stockes 2012 (1): Was für Blinde wirklich zählt

ROLLINGPLANET beantwortet 5 wichtige Fragen aus Anlass des heutigen Aktionstages (15.10.2012).

Designer-Blindenstock mit Kugel, der vom Studenten Tobias Stuntebeck aus Hannover entwickelt wurde (Foto: Tobias Stuntebeck/dpa)

1. Was ist der „Tag des weißen Stockes“?

1969 riefen die Vereinten Nationen den „Internationalen Tag des Weißen Stockes“ ins Leben, der jeweils am 15. Oktober begangen wird. An diesem Tag machen traditionell Blindenverbände weltweit auf die Situation blinder und sehbehinderter Menschen aufmerksam. In Deutschland bildet der Tag seit 2002 den Abschluss der Aufklärungskampagne „Woche des Sehens“ mit bundesweiten Aktionen – in diesem Jahr unter dem Motto: „Wir sehen uns!“.

2. Was ist das zentrale Anliegen?

Verbände, Selbsthilfegruppen und Institutionen machen heute wieder auf die Belange blinder Menschen und deren Recht auf ein selbstständiges Leben aufmerksam. Zu den Hauptproblemen der Sehbehinderten zählen nach wie vor die oftmals mühselige oder erfolglose Suche nach Jobs und die unzähligen Stolperfallen in Gebäuden, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei Verbänden und behinderten Menschen ergab.

Der Blinden- und Sehbehindertenverband hat von den öffentlich-rechtlichen Sendern mehr Tempo beim Ausbau spezieller Angebote für Behinderte gefordert. „Es geht zu langsam“, sagte Verbandsgeschäftsführer Wolfgang Bahn ebenfalls in einem Gespräch mit dpa in Magdeburg. Vom kommenden Jahr an müssten bislang von der GEZ-Gebühr befreite Menschen mit Handicap einen ermäßigten Beitrag von monatlich 5,99 Euro zahlen. Im Gegenzug hätten sich die Sender verpflichtet, mehr Filme und Dokumentationen mit beschreibenden Zusatzkommentaren zu senden. „Das Geld streicht man schnell ein. Wir wünschen uns aber mehr Aktivität“, sagte Bahn.

3. Was ist der weiße Stock?

Neben der Armbinde ist der Blindenstock das Schutz- und Erkennungszeichen für Blinde und Sehbehinderte. Vor allem dient er als Hilfsmittel, damit Betroffene sich in der Öffentlichkeit unabhängig bewegen können.

Am 15. Oktober 1964 übergab US-Präsident Lyndon B. Johnson in einem symbolischen Akt Langstöcke an Menschen mit Blindheit und starker Sehbehinderung, was als Beginn des systematischen Orientierungs- und Mobilitätstrainings gilt.

Langstöcke gibt es in den unterschiedlichsten Varianten, einteilig, faltbar, verschieden lang je nach Schrittlänge des Benutzers, mit unterschiedlichen Stockspitzen wie rollenden Kugelspitzen oder Marshmallow-Spitzen, aus Kohlefaser oder Aluminium. Der Laser-Langstock hat einen im Griff eingebauten Entfernungsmesser. Dieser arbeitet mit einem infraroten Laser-Fächer, der den Brust- und Kopfbereich des Nutzers überwacht und Hindernisse durch das Vibrieren des Handgriffs anzeigt.

Die Quellen streiten sich darüber, wer den weißen Stock erfunden hat. Viele benennen als Erfinderin die französische Aristrokratin Guilly d’Herbement. Die junge Frau soll sich mit folgenden Worten an ihre Mutter gewandt haben: „Ich habe heute sieben Blinden geholfen, den Boulevard courmelles zu überqueren, und es hat nicht viel gefehlt, und wir wären überfahren worden. Eigentlich sollten Blinde ein Erkennungszeichen haben, zum Beispiel einen Stock aus hellfarbigem Holz oder, noch besser, einen weißen Stock.“ Andere Quellen geben den US-Amerikaner Lion George A. Bonham an, der das Hilfsmittel ebenfalls 1930 erfunden haben soll.

4. Worauf sollten Webseiten-Betreiber achten?

„Websites müssen so gestaltet sein, dass Vorlesesysteme sie problemlos wiedergeben können“, forderte der Behindertenbeauftragte der Landesregierung Bradenburg, Jürgen Dusel. Das heißt: Möglichst kein langer Fließtext, wenige Bilder und eine geringe Anzahl von Menüpunkten wären ideal.

5. Was muss bei den Kommunen besser werden?

Die Betroffenen wünschen sich vor allem von den Kommunen größtmögliche Barrierefreiheit. „Wir müssen das Thema dort anschieben, wo die Menschen tatsächlich wohnen, wo sie arbeiten, ihre Freizeit verbringen, wo sie Ämter aufsuchen, in Schulen, Volkshochhochschulen oder ins Theater gehen“, erklärte Thüringens Blindensprecher Stefan Werner.

(dpa/sn/RP)

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