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Talente mit Behinderung sind im Programm nicht vorgesehen

Derzeit gibt es nur 175 schwerbehinderte IT-Azubis in der IT- und Telekommunikationsbranche – obwohl 18.000 Fachkräfte fehlen. Warum der Verband BITKOM die Initiative „Inklusive IT-Berufe“ nicht nur aus Nächstenliebe startet.

Wer in der ITK-Branche Anschluss sucht, hat es als USB-Stick leichter als ein Mensch mit Behinderung… (Foto: Katharina Bregulla/pixelio.de)

Deprimierende Zahlen: In allen deutschen Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche (ITK) werden derzeit nur rund 175 Jugendliche mit schweren Behinderungen in IT-Berufen ausgebildet. Damit kommt auf 170 IT-Auszubildende etwas weniger als ein Azubi mit schweren Behinderungen, die Quote liegt bei 0,6 Prozent.

Das teilte der Hightech-Verband BITKOM auf Grundlage einer Umfrage unter Mitgliedsfirmen sowie eigenen Berechnungen mit. „Die ITK-Branche sollte sehr viel stärker in die Ausbildung von Menschen mit schweren Handicaps investieren. Der BITKOM hat deshalb die Initiative Inklusive IT-Berufe gestartet“, sagt BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf. „Es geht darum, den Anteil junger Menschen mit schweren Behinderungen in den IT-Ausbildungsberufen deutlich zu steigern.“

„Wir bilden vor allem aus sozialer Verantwortung junge Menschen mit schweren Behinderungen aus.“ Diesen Grund geben in der BITKOM-Umfrage 44 Prozent der Personalverantwortlichen an. Rund ein Drittel (31 Prozent) nennt den Mangel an Fachkräften als wichtige oder sehr wichtige Motivation. Aktuell fehlen in der ITK-Branche nach BITKOM-Berechnungen 18.000 Fachkräfte. 17 Prozent der Unternehmen geben an, dass Azubis mit Behinderungen eine besondere Rolle bei der Entwicklung von Produkten für eine alternde Gesellschaft mit neuen Anforderungen spielen können.“

Nicht ganz so freiwillige Behindertenfreundlichkeit

Auf dem wichtigen nordamerikanischen Markt, aber auch in anderen Regionen spielt insbesondere für öffentliche Ausschreibungen das Kriterium der Barrierefreiheit von ITK-Systemen und -Lösungen eine entscheidende Rolle. „Die besten Ergebnisse erzielen Unternehmen dann, wenn bereits in den Entwicklerteams IT-Spezialisten mitarbeiten, die aus eigener Erfahrung die Perspektive behinderter Nutzer kennen“, so Kempf.

Die BITKOM-Initiative „Inklusive IT-Berufe“ – so heißt es in der Pressemitteilung des Verbands – sammelt und dokumentiert gelungene Beispiele für die Ausbildung von schwerbehinderten Menschen in der regulären betrieblichen Praxis, erarbeitet Empfehlungen und schafft ein Netzwerk für Unternehmen, die sich hier engagieren wollen. Ziel ist es, die Bereitschaft von Unternehmen zur Ausbildung von Menschen mit Behinderung in den IT-Berufen zu erhöhen und praktische Hilfen für eine erfolgreiche Ausbildung bereitzustellen. Der erste Projektworkshop zum Thema „Berufemarketing“ findet am 29. Januar 2013 in Berlin statt. Weitere Informationen unter www.inklusive-it-berufe.de.

(PM/RP)

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