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Tastmodell von Park Sanssouci enthüllt

Wie der Künstler Egbert Broerken einmal mehr mit seinen Stadtbildern Blinden und Sehbehinderten die Welt näher bringt.

Bronzemodell des Künstlers Egbert Broerken in Haltern am See (Foto: SPSG)

Blinde und Sehbehinderte können sich künftig mit Hilfe eines Tastmodells im Park Sanssouci orientieren. Eine maßstabsgerechte Nachbildung der Parkanlage aus Bronze des Künstlers Egbert Broerken wurde heute vor dem Neuen Palais enthüllt, wie die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) mitteilte. Ausgewählte Skulpturen, Stoffe oder Dekorationen dürfen dabei berührt werden.

„Ein wesentlicher Aspekt der Gleichbehandlung ist die Teilhabe aller behinderten Menschen an Bildungs- und kulturellen Angeboten“, heißt es dazu. „Die SPSG arbeitet seit Jahren kontinuierlich daran, allen interessierten Besuchern die Möglichkeit zu geben, Schlösser und Parkanlagen möglichst barrierefrei zu nutzen.“

Außerdem wies die Stiftung darauf hin, dass einmal im Monat speziell konzipierte Führungen auch in deutscher Gebärdensprache stattfinden.

Nach dem Ende der Sonderausstellung „Friederisiko“ des Künstlers Egbert Broerken soll das Werk im Besucherzentrum einen festen Platz bekommen. „Friederisiko“ ist noch bis zum 28. Oktober 2012 im Neuen Palais zu sehen. Die Ausstellung widmet sich dem preußischen König Friedrich II., der in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag gefeiert hätte.

So arbeitet Egbert Broerken

Bildhauer und Objektdesigner Egbert Broerken (Foto: blinden-stadtmodelle.de)

„Für einen Künstler sind es immer wieder bewegende Augenblicke, wenn sich jemand auf Fingerkuppen daran macht, seine Stadt zu erkunden und zu begreifen, deren Mauern er zwar berühren konnte, aber von deren Dimension er bisher keine Ahnung hatte“, so Egbert Broerken, 62, der vor rund 20 Jahren sein erstes bronzenes Stadtmodell schuf.

Der Bildhauer und Objektdesigner hat mittlerweile über 50 solcher Modelle von und für Städte in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich kreiert. In Lübeck, Halberstadt, Celle, Kulmbach, Bielefeld, Stralsund, Hamburg oder München – überall sind seine Modelle dicht umlagert. Blinden Menschen ermöglichen sie erstmals eine dreidimensionale Vorstellung von ihrer Umgebung – aber auch Sehenden vermitteln die Modelle einen ganz neuen Blick.

Für die Erstellung eines Modells nutzt Egbert Broerken das sogenannte Wachsausschmelzverfahren, eine alte handwerkliche Kunst, die eine besonders detailgetreue und filigrane Wiedergabe der Realität und der Beschriftung ermöglicht. Dabei wird zunächst ein Positiv in Wachs erstellt und anschließend überarbeitet. Dächer, Straßen und Plätze erhalten unterschiedliche Strukturen und die Beschriftungen werden eingebaut: in Normal-, als auch in Brailleschrift, die Broerken mittlerweile selbst beherrscht.

Die Dachfirste, Gauben, Giebel und Treppen gestaltet der Künstler mit Akribie und Leidenschaft. Ist alles perfekt, wird das Wachsmodell als Bronzeguss kopiert und später z.B. auf einem Sockel aus Stein, Beton oder Edelstahl montiert.

Informationen zu den Terminen im Park Sanssouci gibt es unter Tel. 0331/9694-200, per Mail [email protected] oder im Internet: www.spsg.de/kalender

Weitere Infos zu Egbert Broerken: www.blinden-stadtmodelle.de

Quellen: dapd-lbg/rp, Jahrbuch 2011 des DBSV e.V.

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