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Technik für Blinde und Sehbehinderte: So war die 11. SightCity 2013

Zum elften Mal fand in Frankfurt die Hilfsmittelmesse statt. Rund 4.000 Besucher kamen, darunter die blinde Malerin und ROLLINGPLANET-Autorin Silja Korn.

Eine spanische Besucherin mit ihrer Blindenführhündin Lissy: (Foto: Metec)

Eine spanische Besucherin mit ihrer Blindenführhündin Lissy: (Foto: Metec)

„No me toquen, estoy trabajando“ steht auf dem Geschirr von Blindenführhündin Lissy. „Bitte fassen Sie mich nicht an, ich arbeite gerade“ – so lautet die Bitte, damit sich Lissy voll auf ihren Job als Blindenführerin konzentrieren kann.

Während der SightCity, Europas größten Hilfsmittelmesse für Blinde und Sehbehinderte, hatte die Hündin drei besonders intensive Arbeitstage. Lissy und ihre Besitzerin waren extra aus Spanien angereist. Und die beiden sind nicht die einzigen, die eine weite Anfahrt hatten.

Knapp 120 Aussteller aus mehr als 20 Ländern stellten auf der SightCity vom 24. bis 26. April im Frankfurter Sheraton-Hotel ihre Hilfsangebote vor – von Mobilitätshilfen und den neuesten technischen Möglichkeiten bis zu Freizeit- und Urlaubsangeboten speziell für Blinde und Sehbehinderte.

„Es freut uns sehr, dass wieder so viele Besucher und Aussteller aus vielen verschiedenen Ländern zur SightCity gekommen sind“, zieht Ingrid Merkl von der Firma Metec AG, Leiterin des Organisationsteams der Messe, ein positives Fazit. „Unsere Besucher bekommen so nicht nur Eindrücke von Hilfsangeboten aus Deutschland, sondern können sich auch über internationale Entwicklungen informieren und austauschen.“

Neue Möglichkeiten durch Smartphones

Die Ausstellung zeigte unter anderem kleine Helfer für den Alltag wie Barcode-Scanner oder Haushaltsgeräte mit Sprachausgabe, elektronische Lupen und elegante Mobilitätsstöcke. Darüber hinaus präsentierten Arbeitsplatzausstatter und Anbieter von Speziallampen, Blindschirmlesegeräten und Vergrößerungssoftware ihre Produkte.

Auch die neuesten Entwicklungen in der mobilen Kommunikation bieten Blinden und Sehbehinderten immer bessere Hilfen für Alltag und Beruf. Der Vorteil: Viele Funktionen lassen sich in nur einem Gerät bündeln. Die Nutzer können sich etwa fotografierte Straßenschilder oder beim Einkaufen die Namen von Produkten vorlesen lassen. Und die Navigationsfunktion bringt sie sicher von Punkt zu Punkt. So lässt sich mit einer App auch eine Route mit bestimmten Erkennungspunkten versehen. Wenn die Person den Weg später noch einmal geht, gibt das Gerät genau an, wo zum Beispiel die Gartenbank steht oder der Eingang zu einem Haus ist.

Fortbildung für Fachleute und Betroffene

Nicht nur Smartphones, Tablet-PCs und Co. standen im Mittelpunkt, auch Ausbildungszentren, Reiseunternehmen, Verbände und Selbsthilfegruppen stellten ihre Angebote für Sehbehinderte und Blinde vor.

Neben der Ausstellung bot das SightCity Forum an allen Messetagen  Vorträge und Diskussionen (Foto: Metec)

Neben der Ausstellung bot das SightCity Forum an allen Messetagen Vorträge und Diskussionen (Foto: Metec)

Den fachlichen und persönlichen Austausch zwischen Experten und Betroffenen ermöglichte vor allem das begleitende SightCity Forum mit Vortrags- und Diskussionsprogramm.

Patientensymposien informierten zu Krankheitsbildern wie etwa der Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD), Glaukom und Netzhauterkrankungen. Ärzte, Optiker und Rehabilitationstrainer diskutierten, wie Blinde und Sehbehinderte optimal unterstützt werden können.

Ein neuer Workshop sprach speziell Mitarbeiter in Arztpraxen und Kliniken an. In dem Kurs „Mit ANDEREN AUGEN durch den Alltag“, der mit Unterstützung von Bayer HealthCare Deutschland erstmals stattfand, lernten die Teilnehmer verschiedene Hilfsangebote kennen, um Patienten besser betreuen zu können.

Das SightCity Forum wird organisiert von der LowVision-Stiftung gGmbH und dem Aachener Centrum für Technologietransfer in der Ophthalmologie e. V. (ACTO) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV) und PRO RETINA Deutschland e. V. sowie den Berufsbildungswerken und Berufsförderungswerken.

Bühne für die blinde Malerin Silja Korn

Bild der blinden Malerin Silja Korn (Foto: Silja Korn)

Bild der blinden Malerin Silja Korn (Foto: Silja Korn)

Neben der Fachmesse machte die blinde Malerin Silja Korn für die Besucher Kunst „begreifbar“: In einer „Kunstmeile“ stellte sie ihre Bilder aus, die sie mit verschiedenen Materialien ertastbar macht (ROLLINGPLANET berichtete). Daneben konnten die Besucher in einem Projekt des Vereins Blinde und Kunst Interviews mit blinden und sehbehinderten Menschen anhören, die ihre Lieblingsplätze beschrieben.

Für Korn war es eine Premiere – sie war das erste Mal auf der SightCity und sehr angetan. Nicht nur dass sie Freunde traf, die sie seit über 20 Jahren nicht mehr traf, wie sie ROLLINGPLANET erzählt. Besonders beeindruckt war sie von gehörlosen Blinden, die sich „mit großer Konzentration und Feinfühligkeit“ für ihre Bilder interessierten.

Seit zehn Jahren präsentiert die SightCity Innovationen und Produkte, die den Alltag von blinden und sehbehinderten Menschen erleichtern. In diesem Jahr kam das neue Wegeleitsystem der Firma Inclusion zum Einsatz, das mit Bodenindikatoren aus hochwertigem Kunststoff eine optimale taktile und visuelle Führung auf dem Messegelände bit. Bayer HealthCare Deutschland unterstützt das System als Sponsor. Mehr Informationen unter: www.inclusion-barrierefrei.de

„Wir sind stolz, dass wir unser Angebot mit dem Leitsystem noch weiter verbessern konnten“, erklärt Ingrid Merkl. „Auch 2014 wird die SightCity wieder ein umfassendes Programm bieten. Wir freuen uns schon auf tolle Messetage!“ Auch Korn würde sich freuen – wenn sie dann einen Malkurs organisieren dürfte. Ein Vorschlag, der bisher noch nicht realisiert werden konnte.

(RP/PM)

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