Terror und Hass weltweit und in Deutschland: Warum Bill Gates trotzdem an eine bessere Zukunft glaubt

Fürchte Dich nicht, bleibe optimistisch: In unserem Interview spricht der Milliardär über den globalen Kampf gegen Krankheiten, über Politik – und Pokémon Go.

Bill Gates hat bisher 30 Milliarden Euro im Kampf gegen Armut und Krankheiten gespendet. (Foto: EPA/ETIENNE LAURENT, dpa)

Bill Gates hat bisher 30 Milliarden Euro im Kampf gegen Armut und Krankheiten gespendet. (Foto: EPA/ETIENNE LAURENT, dpa)

Rund 37 Millionen Menschen weltweit sind HIV-positiv, etwa 2,1 Millionen infizieren sich jedes Jahr neu. Doch die Weltgemeinschaft hat einen Plan: Bis 2030 soll die Epidemie unter Kontrolle sein. Dafür müsse allerdings deutlich mehr getan werden – auch in Deutschland, fordert Microsoft-Mitgründer Bill Gates.

Mit einem Vermögen von geschätzten 75,7 Milliarden Dollar ist der 60-Jährige der reichste Mann der Welt. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Melinda (51) hat er eine Stiftung gegründet und schon fast 30 Milliarden Dollar im Kampf gegen Armut und Krankheiten gespendet, unter anderen auch zur Ausrottung von Polio (Kinderlähmung). In unserem Interview erzählt er, was genau im Kampf für eine bessere Welt getan werden muss, wie er die jüngsten Ereignisse in Deutschland sieht und ob er schon „Pokémon Go“ spielt. Die Fragen stellte Christina Horsten.

„Ich hoffe auf die deutsche Regierung“

Bill Gates und seine Ehefrau Melinda (Archivfoto von 2006: EPA/WARREN TODA)

Bill Gates und seine Ehefrau Melinda (Archivfoto von 2006: EPA/WARREN TODA)

Herr Gates, bei der Aids-Konferenz in Durban haben Sie kürzlich gesagt, dass mehr getan werden muss, um die Epidemie bis 2030 zu besiegen. Was werden Sie mit Ihrer Stiftung konkret unternehmen?

Wir investieren rund 200 Millionen Dollar (etwa 180 Millionen Euro) jedes Jahr in die Erforschung von HIV und haben den Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria seit 2002 mit insgesamt 1,6 Milliarden Dollar unterstützt. Und wir werden diese wichtige Arbeit fortsetzen. Deswegen arbeiten wir mit Partnern, um einfachere Behandlungs- und Vorbeugungsmethoden zu entwickeln und in größerem Ausmaß zu vertreiben für die Menschen, die in den am schlimmsten betroffenen Gebieten der Welt leben.

Wir brauchen zusätzliche Instrumente, um das globale Ziel zu erreichen und die Epidemie zu kontrollieren, besonders in Subsahara-Afrika. Dafür unterstützen wir Forschung, die neue Optionen entwickeln soll, zum Beispiel eine langanhaltende sogenannte PrEP-Tablette, mit der HIV-negative Menschen sich gegen eine Ansteckung schützen können, und einen Impfstoff.

Im September treffen sich die Geber des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria im kanadischen Montreal, um die Mittel für die kommenden Jahre festzulegen. Was erhoffen Sie sich von diesem Treffen – speziell von Deutschland, das ja mit der Flüchtlingskrise bereits große finanzielle Lasten zu tragen hat?

Deutschland hat viele wichtige Prioritäten, die es angehen muss, und ich gratuliere der deutschen Regierung für ihre Arbeit auf vielen Gebieten. Gleichzeitig glauben wir, dass es unglaublich wichtig ist, dass man den Organisationen und Dingen, die in den vergangenen Jahrzehnten eine essenzielle Rolle bei der Verbesserung der Gesundheit und des Wohlstands der Menschen auf der Welt gespielt haben, verpflichtet bleibt. Der Globale Fonds gehört dazu. Er hat seit seiner Gründung 2002 dazu beigetragen, 17 Millionen Leben zu retten. Seine Ressourcen komplett wieder aufzufüllen, würde ihm ermöglichen, in den kommenden drei Jahren weitere acht Millionen Leben zu retten.

Die Verbindung zwischen investiertem Geld und geretteten Leben ist offensichtlich und überzeugend. Es freut uns, dass große Geldgeber wie Kanada und die Europäische Kommission ihre Zuwendungen bedeutend erhöhen, und ich hoffe, dass die deutsche Regierung eine ähnliche Erhöhung vornehmen wird.

Sie betonen häufig die Bedeutung von genetisch veränderten Moskitos im Kampf gegen Malaria. Warum sind die wichtig und was könnten die Probleme an dieser Methode sein?

Wir unterstützen innovative Moskito-Kontrollmethoden, weil Malaria immer noch eine der tödlichsten Krankheiten der Welt ist, an der jedes Jahr mehr als 400.000 Kinder sterben. Diese Krankheit passt sich rasend schnell an unsere Instrumente an, mit denen wir sie bekämpfen, und das heißt, dass wir immer neue Sachen erfinden müssen, wenn wir sie in den nächsten 20 Jahren bekämpfen wollen.

Es gibt ungefähr 3.500 Mückenarten auf der Welt, aber nur einige wenige davon übertragen Malaria. Wir haben in Forschung investiert, die genetische Veränderungen bei diesen wenigen Mückenarten einführen will, um sie davon abzuhalten, Malaria zu übertragen. Uns ist bewusst, dass jede neue Technologie nicht beabsichtigte ökologische Konsequenzen haben könnte. Wir wollen mit Wissenschaftlern, Regierungen und Aufsichtsbehörden arbeiten, um die potenziellen Konsequenzen zu verstehen und sichere und ethisch vertretbare Feldversuche starten. Auch die Menschen an den Orten, wo diese Versuche durchgeführt werden, müssen eingebunden werden.

Seit Jahrzehnten engagiert sich Gates im Kampf gegen Krankheiten: Im August 2006 eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau Melinda die 16. Internationale Aids-Konferenz in Toronto (Foto: EPA/WARREN TODA)

Seit Jahrzehnten engagiert sich Gates im Kampf gegen Krankheiten: Im August 2006 eröffnete er gemeinsam mit seiner Frau Melinda die 16. Internationale Aids-Konferenz in Toronto (Foto: EPA/WARREN TODA)

Die Flüchtlingskrise, Brexit, furchtbare Terror-Angriffe an vielen Orten – macht ihnen der momentane Zustand der Welt Angst? Und macht er Ihre humanitäre Arbeit schwieriger?

Es ist tragisch, wenn Menschenleben durch Gewaltakte und Hass vorzeitig beendet werden. Die jüngsten Ereignisse in Deutschland und anderswo stellen uns auf die Probe. Aber trotz der ernsthaften humanitären Probleme an bestimmten Orten bleibe ich optimistisch, dass die Welt für die meisten Menschen auf viele Arten und Weisen besser wird. Zum Beispiel wächst die Lebenserwartung von Kindern und Müttern, Polio ist so gut wie ausgerottet, dank der Anstrengungen vieler Länder inklusive Deutschland. Seit 2002 sind die Sterberaten für das „tödliche Trio“ Malaria, Tuberkulose und Aids dramatisch gesunken, Malaria um 60 Prozent, Tuberkulose um 33 und Aids um 40.

Insgesamt wird die Welt, besonders Afrika, immer besser und Millionen Menschen können gesunde und produktive Leben führen. Aber es bleibt eine riesige Menge Arbeit. Der Fortschritt inspiriert uns dazu, dranzubleiben, und mit Partnern wie Deutschland die Ungleichheit auf der Welt zu reduzieren. Ich hoffe, dass die Menschen in Deutschland stolz sind auf die Beiträge, die sie zu Gesundheit, Sicherheit und Stabilität von ärmeren Ländern leisten.

Die Welt scheint verrückt nach „Pokémon Go“ – haben Sie das Spiel schon ausprobiert?

Ich habe es noch nicht ausprobiert, aber es ist großartig zu sehen, wie ein Augmented Reality-Produkt so erfolgreich wird. Das ganze Potenzial der Augmented Reality- oder Virtual Reality-Technologie haben wir noch gar nicht gesehen. Die Möglichkeiten sind immens, nicht nur für Unterhaltung, sondern auch für Bildung.

(dpa)

Diesen Artikel teilen:
ROLLINGPLANET

ROLLINGPLANET

Wir sind geil aufs Leben, seriös, oft fröhlich und ironisch, manchmal schräg, hin und wieder ungerecht, aber in den seltensten Fällen ideologisch: ROLLINGPLANET, Deutschlands führendes Online-Magazin für Behinderte, Senioren und Freunde. ROLLINGPLANET ist ein ehrenamtlich realisiertes Non-Profit-Projekt. Wir freuen uns, wenn Sie via Facebook, Twitter oder per Mail ROLLINGPLANET empfehlen. Mehr Infos: Über uns

KOMMENTAR SCHREIBEN