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Ticker Barrierefreiheit: Blindenhunde in der Zahnarztpraxis und schwachsinnige Politiker in Saarbrücken

Außerdem: Nicht behindertengerechte Freibäder, Northeimer Bahnhof wird barrierefrei, Lahrer Bahnhof wohl auch, Niederflurbusse in Donaueschingen, BAföG-Online, Rathaus in Bornheim.

Ein Golden Retriever als Blindenhund (Foto: welpen.de)

Blindenhunde willkommen

Die Landeszahnärztekammer Hessen betont, dass Blindenhunde kein Problem darstellen: „Sozialleistungen und damit auch Leistungen im Gesundheitssektor müssen barrierefrei erbracht werden. Darum achten hessische Zahnärztinnen und Zahnärzte nicht nur darauf, ihre Webseiten nach Möglichkeit für Bildschirmlesegeräte und spezielle Software für Blinde (Screenreader) zugänglich zu gestalten. Es ist ebenso selbstverständlich, dass die Barrieren, die einem Praxisbesuch entgegenstehen könnten, aus dem Weg geräumt werden und zu diesen Barrieren gehört die Unsicherheit, ob der Blindenführhund mit in die Praxis kommen darf.“

Dr. Giesbert Schulz-Freywald, Vizepräsident der Landeszahnärztekammer Hessen, erklärte: “Blindenführhunde und Hunde, die Menschen mit anderen Behinderungen begleiten, haben ein jahrelanges und intensives Training hinter sich. Mit ihrem Verhalten in den Praxisräumen gibt es daher keinerlei Probleme. Auch die Hygiene ist kein Argument gegen das Mitführen eines Hundes – selbst wenn er in einer Ecke des Behandlungszimmers liegen würde. Bei den sehr hohen Hygienestandards in den hessischen Zahnarztpraxen ist es unproblematisch, Führ- und Begleithunde zu tolerieren, um ihrem Besitzer die Behandlung zu ermöglichen”.

Die Zahnarztsuche auf der Webseite der LZKH informiert alle Patienten über die passende behindertengerechte Praxis.

Northeimer Bahnhof wird barrierefrei

Gleis

Sieht momentan nicht besonders einladend aus: Der Northeimer Bahnhof

(dapd) – Der Bahnhof der südniedersächsischen Stadt Northeim (29.430 Einwohner) wird für knapp sechs Millionen Euro barrierefrei ausgebaut und umfassend modernisiert. Noch im Juni sollen die Bagger anrücken und im Frühjahr 2013 die Arbeiten beendet sein. Dies teilten heute die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) und die Deutsche Bahn AG mit.

Im Zuge des Umbaus werden die Bahnsteige angehoben, die Aufzüge an die neuen Bahnsteighöhen angepasst und die Personentunnel saniert. Auf den Bahnsteigen entstehen neue Wetterschutzhäuser und Sitzplätze. Für Sehbehinderte und Blinde wird ein taktiles Wegeleitsystem installiert, das die Orientierung am Bahnsteig ermöglicht. Täglich nutzen knapp 3.500 Reisende den Northeimer Bahnhof.

Da muss es erst eine Landesgartenschau geben…

In Sachen Lahrer Bahnhof tut sich etwas. Aber vermutlich haben wir das nicht den Behinderten-, sondern den Blumenfreunden zu verdanken: „Die Züge werden bis spätestens zur Landesgartenschau im Jahr 2018 barrierefrei zu erreichen sein“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Dies ist das Ergebnis eines Besuchs des Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG für Baden-Württemberg, Eckart Fricke, zusammen mit Bahnhofsmanager Wolf-Dieter Sutter in Lahr.

„Über zehn Jahre war es ein zähes Ringen um Verbesserungen. Seit Lahr Gartenschaustadt ist, fallen unsere langjährigen Anstrengungen in Bezug auf eine barrierefreie und kundenfreundliche Umgestaltung des Lahrer Bahnhofs auf fruchtbaren Boden“, stellte Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller fest, der zu diesem Gespräch eingeladen hatte.

Niederflurbusse in Donaueschingen

In Donaueschingen (21.128 Einwohner, Baden-Württemberg) wird die Benutzung von Buslinien des Stadtverkehrs und auch des Überlandverkehrs für Behinderte einfacher. Die zuständigen Busunternehmen stellten gemeinsam mit dem Behindertenbeauftragten Manfred Kemter zwei neue Fahrzeuge (Niederflurbusse) vor, die mit speziellen Ausrüstungen ausgestattet sind.

Saarbrücken (1): So schwachsinnig können Politiker sein

Auf dem Schlossplatz werden zwei Behindertenparkplätze eingerichtet. Diese sollen von der Talstraße her befahrbar sein. Darauf einigten sich Vertreter aller Fraktionen und der Verwaltung bei einem Ortstermin. Die geforderte barrierefreie Zufahrt zum Schlossplatz konnte gegen den Widerstand von CDU und SPD jedoch nicht durchgesetzt werden. Dies sei eine unnötige Hürde und Belastung für Gehbehinderte, meinen die Fraktionen von LINKEN und FDP übereinstimmend.

Mike Botzet (DIE LINKE): „Eine absurde Situation entsteht dort: Erst müssen Mobilitätseingeschränkte ihren Rollstuhl aus dem Fahrzeug heben, aussteigen, zur Rufsäule und zurück zu ihrem Fahrzeug fahren, einsteigen, den Rollstuhl wieder verstauen. Und das alles, um dann zehn Meter weiter parken zu können und die Prozedur des Aussteigens zu wiederholen.“

Saabrücken (2): Barrierefreiheit fällt ins Wasser

Die Saarbrücker Zeitung kommentiert mit Ironie: „Freie Behindertenparkplätze gibt es vor den Saarbrücker Freibädern meist genug. Das hat aber einen eher betrüblichen Grund: Behinderte dürfen mangels Barrierefreiheit allenfalls mit getrübtem Badespaß rechnen und fahren gar nicht erst hin.“

Denn: „Die Bäder hinken nach Einschätzung der Gesamtbehindertenbeauftragten der Landeshauptstadt Saarbrücken, Dunja Fuhrmann, teilweise eklatant hinter den Ansprüchen des saarländischen Behinderten-Gleichstellungsgesetzes her. Dieses Gesetz soll Behinderten eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft gewährleisten und ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Dafür sollen Bauten bis Januar 2014 barrierefrei umgerüstet sein.“

Für die Zeitung testete Dunja Fuhrmann, die Rollstuhlfahrerin ist, die Freibäder: Hier geht es zum Bericht

BAföG-Online jetzt auch barrierefrei

Seit März 2010 ist es Studierenden an Hochschulen in Bayern möglich, den BAföG-Antrag online unter www.bafoeg-bayern.de zu stellen. Die Webseite ist nun zu 92,25 % barrierefrei ausgebaut und nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (BITV) zertifiziert, teilte die Bayerische Staatsregierung mit.

Fehlerhafte Eingaben würden durch Plausibilitätsprüfungen vermieden. Die Studierenden erhalten auch eine Checkliste mit weiter einzureichenden Unterlagen. Dadurch werde die AntragsteIlung vereinfacht und beschleunigt.

Eingang zum Rathaus in Bornheim wird barrierefrei

Das Rathaus in Bornheim (Rheinland) war bislang für Schwerbehinderte nur unter Mühen zu erreichen. Und das ist kein Dorf, sondern eine zwischen Köln und Bonn gelegene Stadt mit 48.531 Einwohnern. Nun wird der Haupteingang endlich barrierefrei umgestaltet, sieben Wochen Bauzeit sind dafür eingeplant.

Foto Bahnhof Northeim: Wikipedia/Alicudi.. Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.

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