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Ticker Multiple Sklerose: Was eine Ministerin mit MS fordert

Außerdem: Gehirnaktivitäten lassen sich künftig besser analysieren, Fampridin bleibt umstritten, Sativex doch kein Wundermittel, Sanofi meldet Erfolg bei MS-Medikament, Welt MS Tag am 30.5.2012, Oppenheim-Förderpreis für MS ausgelobt.

Ministerin Malu Dreyer (Foto: Mediathek msagd.rlp.de)

MS wird zu spät erkannt

Die Diagnose der chronisch-entzündlichen Nervenkrankheit, deren Ursache noch ungeklärt ist, muss in Deutschland verbessert werden. Dies fordert die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD), die selbst an MS erkrankt ist. „Gerade im Anfangsstadium werden Symptome oft nicht richtig erkannt, und Betroffene rennen von Arzt zu Arzt“, so Dreyer bei einem Treffen von Schirmherren der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG) am Freitag in Mainz. Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen müssten besser untereinander vernetzt werden.

Die Multiple Sklerose (MS) ist in Mitteleuropa die häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems. Schätzungen zufolge sind weltweit rund 25 Millionen Menschen betroffen, in Deutschland etwa 130.000. Jährlich werden 2.500 Neuerkrankungen diagnostiziert – meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Gehirnaktivitäten besser analysieren

Wissenschaftler aus dem Hamburger UKE-Institut für Neurophysiologie und Pathophysiologie haben mit Kollegen aus Tübingen und St. Louis (USA) eine neue Methode entwickelt, um menschliche Gehirnaktivitäten bildlich darzustellen. Die Technologie nennt sich Magnetenzephalografie (MEG). Damit werde es möglich, den Informationsaustausch im Gehirn besser zu verstehen und zu erkennen, wie Nervenzellen in unterschiedlichen Hirnarealen miteinander kommunizieren. Dies könnte, so hofft man, die Erforschung neuropsychiatrischer Erkrankungen wie Demenz, Schizophrenie oder Multiple Sklerose verbessern. Ein Patent wird derzeit angemeldet.

Fampridin wirkungslos?

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat bei dem Multiple-Sklerose-Mittel Fampridin (Fampyra®) keinen Beleg für einen Zusatznutzen festgestellt.

Mit Fampridin (4-Aminopyridin) kam im September 2011 eine einfache und auch altbekannte Struktur auf den Markt. Fampyra® 10 mg Retardtabletten (Biogen idec) erhielt die bedingte Zulassung zur Verbesserung der Gehfähigkeit erwachsener Multiple-Sklerose-Patienten mit Gehbehinderung (EDSS, Expandes Disability Status Scale 4-7).

Der Ansatz, Fampridin bei MS-Patienten einzusetzen, ist nicht neu. Die Substanz wurde bereits in den 1990er-Jahren klinisch getestet. Damals wurde ihre Weiterentwicklung gestoppt, da sie keine ausreichende Wirksamkeit bei gleichzeitig engem therapeutischen Fenster zeigte. 2007 begann die amerikanische Firma Acorda Therapeutics eine Darreichungsform mit verzögerter Freisetzung in klinischen Studien zu testen. Aufgrund dieser Daten erteilte die FDA im Januar 2010 die Zulassung in den USA zur Behandlung der eingeschränkten Gehfähigkeit bei Patienten mit MS (AmpyraTM). Anfang 2011 hatten die europäischen Behörden noch gezögert und eine negative Stellungnahme abgegeben.

Keine Kostenerstattung mehr für Sativex?

Viele Betroffene schwören auf den Cannabisextrakt Sativex, so wie dieser User, der auf Sanego schreibt: “Also ich habe das Satifex 7 Monate genommen. Es hat sehr gut bei den Spastiken geholfen. Zum Glück ist im Moment alles unter Kontrolle, so dass ich es absetzen konnte. Nebenwirkungen hatte ich nur in der ersten Woche – Schwindel, Durchfall… Das einzige Unangenehme an dem Medikament ist der Geschmack, den man den ganzen Tag nicht mehr los wird (hängt aber auch von der Sprühhäufigkeit ab).“

Das oben bereits erwähnte Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kommt jedoch zu einem anderen Schluss – es hat für Sativex bei der Behandlung der Spastik von MS-Patienten keinen Zusatznutzen festgestellt. Das Gutachten des IQWiG erfolgte im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), ein Gremium, das darüber entscheidet, ob die Kosten für bestimmte Medikamente und andere medizinische Behandlungen in Deutschland von den Krankenkassen erstattet werden müssen. Der Gemeinsame Bundesausschuss will bis Mitte Juni 2012 seinerseits eine Nutzenbewertung vornehmen. Sollte der G-BA der Bewertung des IQWiG folgen, so ist davon auszugehen, dass der Cannabisextrakt weiterhin zugelassen ist, aber die Krankenkassen die Kosten nicht mehr übernehmen beziehungsweise nur bis zu der Höhe der Kosten anderer Antispastika wie Baclofen und Tizanidin. Infos: kiffen-aufhören.de

Sanofi meldet Erfolg bei MS-Medikament

Der französische Pharmakonzern Sanofi hat einen Erfolg bei der Entwicklung seines Multiple-Sklerose-Mittels Lemtrada gemeldet, an das er zusammen mit Bayer arbeitet. Studiendaten zeigten angeblich einen größeren Behandlungserfolg als mit dem Vergleichsmittel Rebif des deutschen Unternehmens Merck, teilte Sanofi mit.

Welt MS Tag

Am 30. Mai 2012 ist zum vierten Mal der Welt MS Tag. Er wird seit 2009 am letzten Mittwoch im Mai begangen. Weltweit informieren an diesem Tag die nationalen MS-Gesellschaften über Multiple Sklerose und ihre Auswirkungen. Der DMSG-Bundesverband hat dafür einen sogenannten PicBadge (Button, siehe Abbildung rechts) entwickelt, den User in ihrem Facebook-Profil veröffentlichen können: www.picbadges.com

Oppenheim-Förderpreis für MS ausgelobt

Um die Erforschung der MS zu unterstützen, lobt Novartis Pharma in diesem Jahr zum dritten Mal den Oppenheim-Förderpreis aus. Der Preis richtet sich an junge Nachwuchsforscher aus dem präklinischen und klinischen Bereich sowie auch aus der Praxis. Das Thema der diesjährigen Ausschreibung „Innovative Forschung in der Indikation Multiple Sklerose“ ist bewusst breit gefächert. Die Projektanträge können bis 15. Juni eingereicht werden. Ausführliche Informationen und Unterlagen zur Einreichung: www.wissenschaftundms.de

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