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Tipps für Azubis mit chronischen Krankheiten: Wie sage ich es, dass ich nicht 08/15 bin?

Diabetes, Rheuma, Multiple Sklerose oder Epilepsie sind Krankheiten, die auch schon junge Menschen treffen können. Wie Betroffene damit in ihrer Ausbildung und Firma umgehen sollten. Von Nina C. Zimmermann

Krankheit oder (nicht) sichtbare Behinderung verstecken – oder nicht? (Foto: Benjamin Thorn/pixelio.de)

Krankheit oder (nicht) sichtbare Behinderung verstecken – oder nicht? (Foto: Benjamin Thorn/pixelio.de)

Lebt ein Auszubildender mit einer chronischen Krankheit wie Rheuma oder Diabetes, muss er seinen Arbeitgeber darüber nicht informieren. „Er sollte aber mit seinem Vorgesetzen darüber reden“, empfiehlt Anette Wahl-Wachendorf vom Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) in Berlin. Im Gespräch könne man gemeinsam überlegen, wie die Kollegen mit einer chronischen Erkrankung umgehen werden. Das hilft Auszubildenden besser einschätzen, wie sinnvoll es ist, sehr offen zu sein.

Nachfragen, wer zuständig ist

Außerdem sollte der Azubi in diesem Gespräch erfragen, wer im Betrieb für den Arbeits- und Gesundheitsschutz zuständig ist. Das sei in der Regel der Betriebsarzt oder eine Fachkraft für Arbeitssicherheit, sagte Wahl-Wachendorf. „In jedem Betrieb muss es einen Betriebsarzt geben, beziehungsweise der Betrieb muss einen nennen können.“ Dieser müsse in das Unternehmen kommen und während der Arbeitszeit für den Beschäftigen ansprechbar sein.

Betriebsarzt hilft bei Hilfsmitteln

Der Betriebsarzt berate den chronisch kranken Auszubildenden individuell und erläutere, welche Erleichterungen das Unternehmen ihm biete, erklärte die Fachärztin für Arbeitsmedizin. Das reiche von der Frage, welche Hilfsmittel wie ein besonderer Stuhl, ein Steharbeitsplatz oder eine ergonomische Maus der Betrieb einem Mitarbeiter mit Rheuma stelle bis hin zu der Frage, wer sich um so etwas kümmert.

Wie in der Firma mit der Krankheit umgehen?

„Der Betriebsarzt wird den Auszubildenden ermutigen, tendenziell offen mit der Krankheit umzugehen“, sagte Wahl-Wachendorf. Das müsse zwar nicht unbedingt am ersten Tag geschehen. Es habe sich aber immer bewährt, offen zu kommunizieren: „Ich bin krank, aber ich tue mein Möglichstes, wenn ihr mich dabei unterstützt.“ Damit stoße der Betroffene meist auf Verständnis und Hilfestellung der Kollegen und beuge zugleich Missverständnissen vor.

Versteckspielen kann falschen Eindruck erwecken

Ein epileptischer Anfall etwa mache Unwissenden häufig Angst. „Laien assoziieren den Anfall oft mit Alkohol“, erläuterte die Medizinerin. Und wenn sich ein Typ-1-Diabetiker regelmäßig zurückzieht, um sich Insulin zu spritzen, kann auch das leicht zu einem falschen Eindruck führen, dem sich mit Offenheit aber vorbeugen lässt.

(dpa)

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