Tod eines großen deutschen Polio-Forschers: Prof. Dr. med. Kai Paschen

Der ehemalige Leiter des Westpfalz-Klinikums in Kaiserlautern wurde 76 Jahre alt. Von Lothar Epe

Malu Dreyer (l.) verlieh 2011 das Bundesverdienstkreuz an Kai Paschen (Foto: privat)

Malu Dreyer (l.) verlieh 2011 das Bundesverdienstkreuz an Kai Paschen (Foto: privat)

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Professor Dr. med. Kai Paschen aus Kaiserslautern am Sonntag, den 27. September, nach langer und schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren gestorben. Tom House-Arno, ein enger Vertrauter des Verstorbenen und Vizepräsident des Vereins „Polio-Echo“, teilte mit: „Kai Paschen wurde am Freitag, den 2. Oktober, in aller Stille und im engsten Kreis seiner Familie beerdigt.“

Mit Paschen verliere man einen weltweit führenden Experten für das Post-Polio-Syndrom. „Auf Kai konnte man sich stets verlassen“, so House-Arno. Christine Petermann von „Polio-Pfalz“ ergänzt: „Mit ihm verlieren wir einen guten Freund und großen Kämpfer“.

Dem mit 13 Jahren an einer Poliomyelitis erkrankten späteren Professor für Labormedizin und Klinische Chemie hatte in den letzten Jahren eine schwere Leukämie zu schaffen gemacht, nachdem er bereits vor vielen Jahren am Post-Polio-Syndrom erkrankt und deshalb auf den Rollstuhl angewiesen war.

„In 100 Jahren noch aktuell“

In einem Gespräch mit ROLLINGPLANET betonte Paschen vor zwei Jahren, dass es allein in Deutschland immer noch über 100.000 Menschen gibt, die nach den bis etwa Anfang der 60er Jahre stattgefundenen Polio-Epidemien von den Spätfolgen der Kinderlähmung betroffen sind, dem sogenannten Post-Polio-Syndrom – eine eigenständige, aber in der Öffentlichkeit und selbst in Fachkreisen nur wenig bekannte Zweiterkrankung als direkte Folge der durchgemachten Poliomyelitis. „Das Thema wird uns übrigens noch mehr als weitere 100 Jahre beschäftigen“, so Paschen.

2011 ausgezeichnet mit dem Bundesverdienstkreuz

Der ehemalige Leiter des Westpfalz-Klinikums in Kaiserlautern war wegen seiner wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Labormedizin und Klinischen Chemie weltweit als Fachmann geschätzt. Nach seiner Pensionierung Mitte 2004 war Paschen vor allem in der Polioselbsthilfe aktiv. Noch Ende 2012 hatte er zusammen mit anderen Betroffenen „Polio-Echo“ ins Leben gerufen, dessen Präsident er bis zuletzt war.

Für sein Lebenswerk und ehrenamtliches Engagement war Paschen 2011 von der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, Maria Luise Dreyer (SPD), mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden.

Kai Paschen war in zweiter Ehe mit der Heilpraktikerin Karin Hohenadel-Paschen verheiratet. Er hinterlässt aus erster Ehe drei erwachsene Kinder, zwei Töchter und einen Sohn.

(RP)

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