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Tom Mutters und sein Kampf für Menschen mit Behinderung

„Inklusion heute wäre ohne ihn nie möglich geworden:“ Zum 100. Geburtstag wird der Gründer der Lebenshilfe posthum mit Biografie geehrt.

Tom Mutters (23. Januar 1917 – 2. Februar 2016). (Foto: Lebenshilfe/Michael Bause)

Tom Mutters (23. Januar 1917 – 2. Februar 2016). (Foto: Lebenshilfe/Michael Bause)

Die Lebenshilfe, die heute nach eigenen Angaben bundesweit rund 130.000 Mitglieder hat, feiert ihren Gründer am Sonntag (22. Januar) in Marburg bei einer Matinee und präsentiert dort auch eine Biografie über ihn. Mutters wäre am 23. Januar 100 Jahre alt geworden. Er starb im Februar 2016 im mittelhessischen Marburg.

„Man muss das Leben leben. Man darf es nicht an sich vorbei gleiten lassen“, so das Motto von Tom Mutters, der am 23. Januar 100 Jahre alt geworden wäre. Im Februar 2016 verstarb er im Alter von 99 Jahren. Seine lange Lebensspanne hat er in der Tat genutzt. Im November 1958 gründete er im hessischen Marburg gemeinsam mit betroffenen Eltern die Lebenshilfe, die heute die größte deutsche Selbsthilfeorganisation von Menschen mit geistiger Behinderung und ihrer Angehörigen und Freunde ist. Jahrzehntelang kämpfte Mutters als Bundesgeschäftsführer des Verbands für die Gleichberechtigung behinderter Menschen, setzte sich für die Förderung behinderter Kinder ein, erfand menschenwürdige Betreuungskonzepte und warb unnachgiebig für ein respektvolles öffentliches Bild von Menschen mit Behinderung.

Der Impuls für das Engagement des Niederländers stammte noch aus der unmittelbaren Nachkriegszeit: Als UNO-Beauftragter für „displaced persons“ war er direkt mit den elenden Verhältnissen, in denen Menschen mit Behinderung damals in Deutschland lebten, konfrontiert – und ebenso mit einer Menschenverachtung ihnen gegenüber, die auch nach dem Ende der Nazi-Zeit und der systematischen „Euthanasie“-Morde noch greifbar war.

„Er war ein Held“

„Tom Mutters hatte als junger Mensch erlebt, wie so genannte Fachleute behinderte Kinder ‚Idioten‘ oder ‚Schwachsinnige‘ nannten. Fortan war das sein Motor: die Menschenrechte auch für Menschen mit Behinderung durchzusetzen“, so Ulla Schmidt, Bundestags-Vizepräsidentin und heutige Bundesvorsitzende der Lebenshilfe. „Er war ein Held – und zwar einer von der sympathischen und effektiven Sorte: ohne Pomp und Gloria, aber mit Zähigkeit, Humor und Leidenschaft für die Sache und für die Menschen. Inklusion heute wäre ohne ihn nie möglich geworden.“

All das kann man nun auch nachlesen: Die Gießener Journalisten Markus Becker und Klaus Kächler haben eine Biografie des Lebenshilfe-Gründers geschrieben, die im Oktober 2016 im Daedalus Verlag Münster und im Lebenshilfe-Verlag Marburg erschienen ist.

Über zwei Jahre haben die beiden Autoren recherchiert, zahlreiche Interviews mit Tom Mutters, mit seiner Frau Ursula und mit vielen Weggefährten geführt. Daraus ist ein „Thriller“ der besonderen Art geworden: ein fesselndes Buch, das nicht nur Mutters‘ Lebensstationen und seine Arbeit nachzeichnet, sondern ebenso als eine politische Geschichte fortschreitender Inklusion gelesen werden kann – und als Aufforderung, an das Lebenswerk von Tom Mutters anzuknüpfen und weiter dafür zu streiten, dass Menschen mit Behinderung mitten in der Gesellschaft leben können.

Markus Becker, Klaus Kächler: Tom Mutters: Pionier – Helfer – Visionär. Daedalus-Verlag in Kooperation mit dem Lebenshilfe-Verlag Marburg, 1. Auflage 2016, DIN A 5, Hardcover, zahlr. Abb., 176 Seiten, 19,95 Euro. ISB-Nummer 978-3-89126-239-9.

(RP/PM)

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1 Kommentar

  • Klaus-Peter Drechsel

    Als Gründer darf man Villinger und Stutte nicht vergessen

    22. Januar 2017 at 22:21

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