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Tourismusmesse ITB 2013 macht Lust auf Indonesien – und eine Gehirnwäsche mit der Deutschen Bahn

Barrierefreie Reisen sind auch dieses Jahr ein Thema bei der weltgrößten Veranstaltung der Hin & Weg-Branche. Die Deutsche Bahn baut ihre Online-Informationen zum Thema Barrierefreiheit aus.

Balinesische Reisfelder (Foto: ASchick01/pixelio.de)

Balinesische Reisfelder (Foto: ASchick01/pixelio.de)

In Indonesien trifft man immer wieder auf Straßentheater – und herzliche Gastgeber (Foto: Dieter Schütz/pixelio.de)

In Indonesien trifft man immer wieder auf Straßentheater – und herzliche Gastgeber (Foto: Dieter Schütz/pixelio.de)

Indonesien hat viele Gesichter – wie hier das moderne Jakarta

Indonesien hat viele Gesichter – wie hier das moderne Jakarta

„Wir machten zauberhafte Begegnungen mit den gastfreundlichen Menschen sowie der exotischen und einmaligen Landschaft mit den rauchenden Vulkankegeln“, schwärmt in der Geo-Community ein Ehepaar, das mit seiner 21-jährigen gehbehinderten Pflegetochter nach Indonesien reiste.

„Geboren wurde Edna in Angola, wo sie mit zwei Jahren an Polio erkrankte. Eine Afrikanerin, welche noch teilweise auf den Rollstuhl angewiesen ist, eine echte Sensation auf Java. Unterwegs in Jakarta wurde Edna von Tausenden von Blicken begutachtet.“ Ein Genuss wurde die Reise dennoch – kein Wunder: Das mit knapp 240 Millionen Einwohnern viertgrößte Land der Erde fasziniert mit mehr als 17.000 Inseln, atemberaubender Naturschönheit und asiatischer Lebensfreude. Das hat sich herumgesprochen: Bei der Tui gehört dieses Reiseziel zu den Top 10 der deutschen Urlauber.

Indonesien ist dieses Jahr Partnerland und Fokusthema der internationale Tourismusmesse ITB, dem weltweit größten Fachkongress der Branche. Vom 6. bis 10. März präsentieren sich in Berlin über 10.000 Aussteller, alle 26 Hallen des Berliner Messegeländes sind belegt. „Wir vermarkten jährlich eine bestimmte Destination – das spiegelt das Wesentliche der ITB wider“, erklärt Messe-Berlin-Chef Christian Göke. „Die ITB ist unpolitisch und überparteilich. Wir versuchen, die befriedende Kraft des Tourismus zu stärken.“

Deutsche Reisende sind anspruchsvoll

Mari Elka Pangestu, indonesische Tourismusministerin (Foto: Asam)

Mari Elka Pangestu, indonesische Tourismusministerin (Foto: Asam)

An den vier Tagen können die Messe-Besucher im Indonesien-Pavillon die kulturelle Vielfalt des asiatischen Landes erkunden. Neben traditionellen Tänzen bietet das Team des Partnerlandes auch Massage-Anwendungen. Auf der Pressekonferenz im Vorfeld der Veranstaltung erklärte die von fern angereiste Ministerin für Tourismus und Kreativwirtschaft, Mari Elka Pangestu: „Wir fühlen uns geehrt.“ Deutsche Urlauber seien sehr qualitäts- und umweltbewusst und schätzten daher ihr Land, erklärt die Politikerin. 2012 reisten etwa 156.000 Deutsche nach Indonesien.

Laut Pangestu sollen beliebte Reiseziele künftig mit Flugzeug und Schiff besser erreichbar sein. Mit Hilfe staatlicher Mittel und ausländischer Investoren würden die Seehäfen modernisiert, um das Land auch für Kreuzfahrtschiffe attraktiv zu gestalten. „Alle Maßnahmen müssen allerdings ökologisch nachhaltig sein und den Qualitätsansstandards entsprechen, denn unsere Gäste legen großen Wert auf eine intakte Natur und ein hochwertiges Ferienerlebnis“, unterstreicht die Ministerin.

Am Dienstagabend wird die offizielle Eröffnungszeremonie gefeiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird als erste Kanzlerin die Leitmesse der Tourismusbranche eröffnen. Merkel und der Präsident der Republik Indonesiens, Susilo Bambang Yudhoyono, werden gemeinsam mit dem Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit 4.500 Ehrengäste empfangen.

Thema Barrierefreiheit auf der ITB

Das Thema Reisen für Menschen mit Behinderung und Mobilitätseinschränkungen sowie Senioren wird auch dieses Jahr Gesprächsstoff während der ITB sein, nachdem es 2012 erstmals einen „Tag des barrierefreien Tourismus“ gegeben hatte.

Die vor sechs Jahren gegründete „Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland“ vermeldete, dass sie die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) und die Deutsche Bahn als Partner gewonnen habe. Das ging ja wahnsinnig schnell, findet ROLLINGPLANET. Vor wenigen Tagen hat die AG außerdem beschlossen, die Stadt Magdeburg ab Juli als achtes Mitglied aufzunehmen (bisherige Mitglieder: die Niederlausitz, das Ruppiner Land, die Stadt Erfurt, das Fränkische Seenland, die Eifel und die Insel Langeoog, die Sächsische Schweiz und Eifel).

„Das Thema Barrierefreiheit ist unglaublich präsent, wer die Zeichen der Zeit erkennt, der sollte sich dem widmen, und zwar wirklich ernsthaft“, fordert AG-Sprecherin Dr. Carmen Hildebrandt.

„Bewusstsein für Barrierefreiheit ist ansteckend“

Als Sächsische Schweiz wird der deutsche Teil des Elbsandsteingebirges in Sachsen bezeichnet. Die durch ihre bizarren Felsformen bekannte Landschaft liegt südöstlich von Dresden beiderseits der Elbe (Foto: Heiko Ledwoch/pixelio.de)

Als Sächsische Schweiz wird der deutsche Teil des Elbsandsteingebirges in Sachsen bezeichnet. Die durch ihre bizarren Felsformen bekannte Landschaft liegt südöstlich von Dresden beiderseits der Elbe (Foto: Heiko Ledwoch/pixelio.de)

Kontinuierliche Arbeitsgruppen, Produktschulungen, kritischer Vergleich mit anderen Anbietern und deren Leistungen, Medienpräsenz und die Entwicklung neuer Produkte, so berichtet Timo Richter, der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz, hätten in seiner Region und anderswo mittlerweile zu einem Vorwärtsdruck bei der Entwicklung barrierefreier Angebote geführt. „Das Bewusstsein für Barrierefreiheit ist ansteckend“, behauptet Richter.

So würde sich mittlerweile auch die Böhmische Schweiz an den Aktivitäten der Sächsischen Schweiz orientieren und wolle die Zugänglichkeit touristischer Ziele für Rollstuhlfahrer überprüfen. Und die Modellfunktion der Insel Langeoog strahle mittlerweile längst auf die gesamte Nordküste aus.

Olaf Schlieper, der Leiter des Medienmanagements bei der Deutschen Zentrale für Tourismus, erklärt, dass die DZT Barrierefreiheit nicht nur als ein Thema verstehe, das auf Menschen mit einer direkten Behinderung ziele, sondern dass auch ältere Reisende, Familien mit Kindern und Gesundheitsreisende von den Aktivitäten profitieren würden. In diesem Jahr sei vom 4. bis zum 7. Mai zum zweiten Mal eine Informationsreise für ausländische Gäste zum Thema barrierefreier Tourismus geplant.

Die Deutsche Bahn findet sich wieder ganz toll

Ellen Engel, die für die Deutsche Bahn am Kongress teilnahm, berichtete, dass die Bahn nicht nur immer mehr Bahnhöfe und Züge behindertenfreundlich gestalte (ROLLINGPLANET bekommt an dieser Stelle einen kleinen Lachkrampf, aber egal: weiter mit Frau Engel), sondern auch Schulungen zur Mitarbeitersensibilisierung durchführe. ROLLINGPLANET schlägt zusätzliche Kurse zur Kundendesensibilisierung vor.

Zudem habe die Bahn ihren Online-Auftritt zum Thema Barrierefreiheit in den vergangenen Tagen ausgedehnt. Ergänzend zur schon länger bestehenden Website www.bahn.de/barrierefrei seien nun auch Webseiten mit Informationen über Museen und Kultureinrichtungen ins Netz gestellt, die besondere Angebote für körperlich beeinträchtigte Besucher bieten. Diese Website ist über www.bahn.de/kultur-barrierefrei erreichbar. Ein weiters neues Online-Angebot (www.bahn.de/reiseziele-barrierefrei) informiert über Unterkünfte und Ausflugsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung.

(RP/PM/pte, Foto Jakarta: Wikipedia/Kevin Aurell. Gemeinfrei.)

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1 Kommentar

  • Terror*Elli

    An 85% der Stände konnten mit keine barrierefreien (Rollstuhl) Angebote unterbreitet werden, 5% hatten gerade den letzten Katalog weg gegeben, 10% wollen mir allgemeines Info-Material zuschicken. Das Hauptmerk lag auf Familien- und Radurlaub.
    Für die angepriesene Indonesienreise reicht mein Etat leider nicht (wie wahrscheinlich bei den meisten). Für mich war es eine teure und enttäuschende Veranstaltung.

    14. März 2013 at 16:43

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