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Traum vom Gehen: „Ekso“-Roboter will nicht in die Armee und läuft nach Bad Aibling

Erstmals in Deutschland wird die Maschine in einer Klinik eingesetzt. Heute war Premiere.

Der Rollstuhlfahrer Martin Schaffenrath bereitet sich in der Schön-Klinik in Bad Aibling (Bayern) auf seinen großen Auftrittt vor... Links die Physiotherapeuten Veronika Kebinger und Peter Schuurmans (Foto: Inga Kjer/dpa)

Der Rollstuhlfahrer Martin Schaffenrath bereitet sich in der Schön-Klinik in Bad Aibling (Bayern) auf seinen großen Auftrittt vor… Links die Physiotherapeuten Veronika Kebinger und Peter Schuurmans (Foto: Inga Kjer/dpa)

In Bayern wollen Ärzte mit einem mobilen Geh-Roboter Schlaganfallpatienten und halbseitig Gelähmten wieder zu eigenen Schritten verhelfen. Ein Krankenhaus im bayerischen Bad Aibling setzt dafür nach eigenen Angaben als erste deutsche Klinik dauerhaft einen Gehroboter bei Querschnittgelähmten ein.

Im Sommer solle eine Software eintreffen, die zudem die Behandlung von halbseitig gelähmten Schlaganfallpatienten ermögliche, sagte Chefarzt Friedemann Müller von der Schön Klinik am Dienstag. Laut Hersteller-Firme Ekso Bionics wird diese Funktion derzeit in den USA für den Einsatz im Klinikalltag fertiggestellt.

Warnung vor allzu großen Hoffnungen

Der Geh-Roboter „Ekso“ stützt als sogenanntes Exoskelett den Körper so stark, dass auch Gelähmte erstmals wieder aufstehen und gehen können. Die ersten Patienten seien begeistert, sagt Müller. „Sie strahlen. Das Gefühl wieder auf Augenhöhe zu sein, zu stehen und zu gehen – das muss grandios sein.“

Der Chefarzt stellte heute den Geh-Roboter in seiner Klinik vor, gemeinsam mit seinem Oberarzt Dr. Hans Brunner, der sich selbst im Rollstuhl fortbewegt, und Rollstuhlbasketballern des Sportbundes Rosenheim.

Geschafft: Martin Schaffenrath, der aufgrund eines Motorradunfalls seit elf Monaten querschnittsgelähmt ist , kann wieder einige Schritte mit dem batteriebetriebenen Gerät gehen. (Foto: Inga Kjer/dpa)

Geschafft: Martin Schaffenrath, der aufgrund eines Motorradunfalls seit elf Monaten querschnittsgelähmt ist , kann wieder einige Schritte mit dem batteriebetriebenen Gerät gehen. (Foto: Inga Kjer/dpa)

Die Ärzte in Bad Aibling wie andere Experten warnen aber vor zu großen Hoffnungen (siehe auch ROLLINGPLANET-Kommentar Die neuen Geh-Roboter: Wie viel Hoffnung ist berechtigt?): Das Gerät ist nicht für alle Patienten geeignet, Schätzungen gingen teils nur von zehn Prozent der Querschnittgelähmten aus. Denn sie müssen mindestens die Arme einsetzen können, um das Gerät zu bedienen. Auch bei den Schlaganfallpatienten müsse genau ausgewählt werden, wer in Frage komme, sagte Müller. Sie müssten unter anderem geistig fit genug dafür sein.

Wissenschaftliche Effekte nicht erwiesen

Dennoch hoffen die Ärzte, bestimmte Patienten auf dem Weg zu eigenen Schritten zu unterstützen, etwa Querschnittgelähmte mit Restfunktionen. In Bad Aibling sollen vorerst Patienten behandelt werden, bei denen der entsprechende Unfall nicht länger als zwölf Monate zurückliegt. Denn sie haben die besten Chancen auf Besserung. Das Gerät entlaste hier auch Therapeuten, sagte Müller. „Man kann viel mehr Schritte mit Patienten gehen.“

Darüber hinaus sollen die Geräte helfen, die Durchblutung zu fördern, Knochenschwund zu mindern, Gelenke flexibel zu halten. Wissenschaftlich erwiesen seien diese Effekte aber nicht, schränkt Müller ein. „Es gibt es keine Beweise dafür.“ Die Klink werde dafür an einer internationalen Studie teilnehmen. Laut Ekso Bionics laufen diverse Studien. Bis 2014 sollen erste Ergebnisse vorliegen.

Ursprünglich für Soldaten entwickelt

Das etwa 23 Kilo schwere Skelett, das rund 100.000 Euro kostet, ist laut Ekso Bionics in 36 Zentren weltweit im Einsatz. Die Technik hatte ihren Ursprung im militärischen Bereich. „Ekso Bionics hat die Technik für den Einsatz im Militär entwickelt“, sagt Manuel Landeira, Vertriebsmanager Europa. Soldaten sollten damit rund 100 Kilogramm Last tragen können, ohne gesundheitliche Schäden zu riskieren. Rund um den Globus sind bei anderen Firmen ähnliche Geräte in Entwicklung, unter anderem in Israel und Japan.

(dpa)

Hat eigentlich nichts mit dem Thema zu tun, aber ROLLINGPLANET nutzt jetzt die Chance, hier etwas Pazifismus einzuschmuggeln:

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