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TU Dresden erwägt Konsequenzen gegen Sachsens AfD-Vize Hartung

Und was macht der? Der macht weiter mit seinem Mobbing gegen Menschen mit Down-Syndrom.

Thomas Hartung (Foto: Webseite Thomas Hartung)

Thomas Hartung (Foto: Webseite Thomas Hartung)

Dr. phil. Thomas Hartung, stellvertretender Vorsitzender des sächsischen Landesverbands der Alternative für Deutschland (AfD), ist leidenschaftlicher Pilzsammler und Hobbykoch. Es könnte sein, dass der 52-Jährige für beides künftig mehr Zeit hat, als ihm lieb ist.

„Ich spreche einem Menschen mit Trisomie 21 die Befähigung ab, in Deutschland den Hochschulberuf eines Lehrers zu ergreifen, und gebe kund, dass ich als Nichtbehinderter von einem solchen nicht unterrichtet werden möchte. Dafür muss ich mich im Deutschland des Jahres 2014 rechtfertigen.“

So fing der Knaller des durchgeknallten Politikers der AfD an, der sich bemüßigt fühlte, Pablo Pineda, Europas ersten und einzigen Lehrer mit Downsyndrom und Hochschulabschluss, zu disqualifizieren. Vermutlich tut ROLLINGPLANET aber Hartung Unrecht: Deutschland steht offensichtlich vor einer Invasion von Lehrern mit Down-Snydrom, und noch keiner hat es mitbekommen.

Hartung hatte nach einem Shitstorm seinen umstrittenen Facebook-Mobbing-Post über Pineda gelöscht (ROLLINGPLANET berichtete: Sachsen wo die schwachsinnigen AfD-Politiker an den Bäumen wachsen) und eigentlich versprochen, sich zu dem Thema nicht mehr äußern zu wollen – gehalten hat er sich leider nicht daran. Ganz im Gegenteil.

„Sprechen wir uns wieder…“

Jetzt legt der Diplom-Pädagoge nach. Natürlich bleibe er dabei, „dass von den max. 80.000 Trisomie-21-Menschen, die in Deutschland leben, keiner geeignet ist, jenen hochschulischen Lehrberuf zu ergreifen, der zur Beschulung von Millionen anderen Menschen berechtigt. Aber wenn diese Zusammenhänge 98 % der Mitleser nicht verstehen, kann das durchaus daran liegen, dass diese 98 % nicht imstande sind, mir zu folgen. (…) Spätestens, wenn die ersten Bildungsverschlimmbesserer eine Down-Syndrom-Quote unter der deutschen Lehrerschaft einfordern, sprechen wir uns wieder.“

Frauke Petry, Sprecherin der AfD und Sachsens Landeschefin, die zugleich Co-Vorsitzende der Bundes-AfD ist, zeigt sich entsetzt. Auf Facebook antwortete sie ihrem Parteikollegen: „Thomas – wann ist endlich Schluss mit dieser Diskussion??? Gib einfach zu, dass Du verbal total danebengehauen hast. Ich dachte, wir hatten das geklärt!!!!!“ Per twitter versuchte Petry, die Scherben einzusammeln: „ Ich zolle der Leistung des spanischen Lehrers Pablo Pineda großen Respekt.“

TU Dresden prüft Konsequenzen

Immerhin: Die TU Dresden, an der Hartung seit zwölf Jahren als Dozent tätig ist, erwägt Schritte gegen ihren Mitarbeiter. Nachdem am Vormittag beim Rektorat und der Pressestelle aufgrund zahlreicher Anrufe (auch von ROLLINGPLANET) die Telefone heiß liefen, folgte um 14.44 Uhr eine ebenso kurze wie klare Stellungnahme:

„Die TU Dresden distanziert sich in aller Deutlichkeit von Inhalt und Form der Äußerungen seitens Herrn Dr. Thomas Hartung. Sie stehen in krassem Gegensatz zu den Werten, für die die Universität eintritt und nach denen sie handelt“, heißt es in einer ROLLINGPLANET vorliegenden Mitteilung des Rektors der Uni, Prof. Dr.-Ing. Hans Müller-Steinhagen. Gegenüber dem „Handelsblatt“ sagte er: „Herr Dr. Hartung wurde bereits zu einer Stellungnahme aufgefordert, eine Prüfung der Konsequenzen ist eingeleitet.“

Eine deutsche Bratpfanne. Wir wissen nicht, ob und wie oft sich Hartung damit schon auf seinen Kopf geschlagen hat.

Eine deutsche Bratpfanne. Wir wissen nicht, ob und wie oft sich Hartung damit schon auf seinen Kopf geschlagen hat.

Nicht nur ROLLINPGPLANET-Leserin Irene wird das freuen. Sie hatte unseren ersten ROLLINGPLANET-Bericht über Hartung so kommentiert: „Ein sehr schöner Beitrag, der klar zeigt, warum die AfD und Politiker wie Thomas Hartung völlig fehl am Platz sind. Ich hatte bei Herrn Hartung ein Journalismusseminar an der TU Dresden. Und glauben Sie mir, dieser Mann ist didaktisch eine absolute Null. Nicht nur, dass er völlig veraltete Seminare hält und sich selbst überschätzt, er hat einige unangenehme Eigenschaften, die es erschweren, ihm zu folgen. Manche würden so etwas auch als Handicap bezeichnen. Er ist also definitiv der Letzte, der sich solche Aussagen erlauben kann!“

Falls die TU Dresden Ernst macht, könnte Hartung sich also verstärkt seinen Hobbys widmen. Für das Sammeln von Pilzen und deren Zubereitung empfiehlt die unseres Wissens nach Down-Syndrom-freie und somit über jeden Zweifel erhabene Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM): „Sammeln Sie nur Pilze, die Sie sicher kennen. Erst wenn Sie sich nach wiederholter Bestimmung der Kenntnis sicher sind, denken Sie an die Bratpfanne.“

ROLLINGPLANET drückt Hartung den Daumen, dass es mit dem Denken und der Bratpfanne klappt. Falls nicht, empfehlen wir eine Bewerbung bei Tim Harris.

(RP)


Hartung tritt von allen Ämtern zurück/TU Dresden wirft ihn raus
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8 Kommentare

  • Patrick Linde

    AfD-Sprecherin und Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen, Fr. Dr. Frauke Petry, war entsetzt und verärgert über die Aussagen von Hr. Dr. Hartung. „Das ist weder Position der Bundes-AfD, noch Position der AfD Sachsen“.
    Frauke Petry hat deshalb eine Pressemeldung erstellt, um den Standpunkt der Alternative für Deutschland klar heraus zu stellen:
    Bedarfsgerecht fördern – Menschen mit Behinderungen effektiver einbinden
    „Das deutsche Bildungssystem leidet unter sinkenden Standards als Folge von falschen Prioritäten in der derzeitigen Bildungspolitik. In Sachsen wird dies insbesondere durch den seit Jahren herrschenden Lehrermangel an allen Schulformen deutlich. Hier umzudenken, ist die Voraussetzung für den Erhalt unserer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Daher brauchen wir gerade bei sinkenden Kinderzahlen den Wandel hin zu einem bedarfsgerechten und stärker individualisierten Bildungssystem“, so Frauke Petry, Sprecherin der Alternative für Deutschland (#AfD).
    „Die bedarfsgerechte schulische und berufliche Förderung schließt selbstverständlich auch Menschen mit Behinderung ein“, so Petry weiter. „Um dies zu erreichen, muss vor allem dem gravierenden Personalmangel entgegengewirkt werden. Außerdem müssen die verschiedenen Schulformen und Bildungsansätze untereinander durchlässiger werden, um das Potential eines jeden Schülers optimal fördern zu können. Förderung ist dabei weit mehr als die bloße Wissensvermittlung: Meine persönlichen Erfahrungen aus der Arbeit mit behinderten Menschen haben mir gezeigt, dass ihre empathischen Fähigkeiten in unserer Gesellschaft dringend nötig sind“, stellt Petry fest.
    „Vor diesem Hintergrund zolle ich der Leistung des spanischen Lehrers Pablo Pineda großen Respekt und betrachte seinen persönlichen Bildungserfolg als Beweis dafür, dass eine hohe persönliche Motivation auch die standardisierten Schranken des Bildungssystems durchbrechen kann.“

    23. Juni 2014 at 19:26
    • SUWE

      Die PM von Petry hat mich beim ersten Lesen wütend gemacht. Nützlichkeitsprinzip ? Behinderte Menschen sind keine Lückenbüßer für gesellschaftlichen oder eigenen Mangel an Empathiefähigkeit – zumal diese Fähigkeit aućh bei ihnen höchst unterschiedlich ausgestaltet ist. Ich weiß aus meiner langjährigen Arbeit mit vom Down-Syndrom Betroffenen, daß dies ein Merkmal ist, daß man ihnen als gegeben andichtet. Aber auch hier gibt es sehr verschlossene Charakter. Viele halten die oberflächlich betrachtet offene und kindlich erscheinende Art für charakteristisch und vergessen dabei,daß es sich um Individuen handelt.
      Petry hat sich auch mit keinem Wort bei den Angehörigen entschuldigt, die Hartung durch seine Äußerungen als nicht existent dargestellt hat – was ich übrigens auch in vielen Kommentaren von AfD lern vermisse.
      Im Wahlprogramm der AfD Sachsen zu finden:
      die Aussage “ Geburten ab 35 sind medizinisch nicht indiziert“ – plant AfD ein Zuchtprogramm für einwandfreien, leistungsfähigen ökonomisch nützlichen Nachwuchs?
      Was AfD bzw Petry von Minderheiten halten, haben sie längst bewiesen :
      http://t.co/qA71VwyuGL

      26. Juni 2014 at 21:09
  • M.j. Krzemien

    Das wäre sinnvoll, denn es ist kaum davon aus zu gehen, dass ein Dozent, von solch einem Format eine Bereicherung für die Uni darstellt…

    23. Juni 2014 at 20:08
  • Ulf_der_freak

    Der Typ sollte erstmal mit den Leuten reden, über die er hetzt. Wie immer gilt: wer keine Ahnung hat sollte einfach mal die Fresse halten.

    23. Juni 2014 at 20:35
  • Markus Balkenhol

    Noch eine Behinderung: Downophobie

    23. Juni 2014 at 21:37
  • Alexander Hader

    Alle sprechen von Inklusion und was macht dieser „Herr“? Pervers…

    24. Juni 2014 at 11:50
  • G.

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit viel Bestürzung habe ich die Äußerungen des stellvertretenden Landesvorsitzenden der Partei Alternative für Deutschland letzten Freitag zur Kenntnis genommen. Ich bin selbst AfD Mitglied und möchte Ihnen mitteilen, dass solche Äußerungen in keiner Weise in mein Menschenbild passen. Bereits geplante Wahlkampfunterstzüng durch mich der AfD in Sachsen habe ich – solange keine personellen Konsequenzen gezogen werden – erst mal eingefroren. Ich möchte hier auch nicht die AfD als solches in ein besseres Licht ruckent, sondern lediglich meine persönliche Meinung mitteilen. Ihre Kritik gegen Herrn Dr Hartung ist absolut in Ordnung.

    Mit freundlichen Grüßen

    24. Juni 2014 at 12:36
  • Karin Stranz

    Diese ganze Geschichte ergab für mich ganz klar eine Erkenntnis: Ein Doktortitel und eine Professur haben nichts, aber auch gar nichts mit guter Bildung und guten Manieren zu tun.
    Aber wie sagt jemand aus meiner Familie immer: „Dumme Menschen muss es auch geben…“

    24. Juni 2014 at 17:45

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