TV-Tipp: Nancy Poser und Raul Krauthausen bei „sternTV“ über das Bundesteilhabegesetz

Wie das Einkommenslimit behinderte Menschen benachteiligt (Mittwoch, 4. Mai 2016, 22:15 Uhr live bei RTL).

Moderator Steffen Hallaschka (Foto: sternTV)

Moderator Steffen Hallaschka (Foto: sternTV)

Nancy Poser hat viel erreicht: Abitur mit 1,0, Jura-Examen mit Auszeichnung, heute erfolgreiche Richterin in Trier. Doch von einer Bilderbuch-Karriere mit einem tollen Gehalt kann die 36-Jährige nur träumen – denn Nancy Poser hat eine Muskelschwäche, ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen und muss diese von ihrem Gehalt mitfinanzieren. „Egal wie sehr ich mich anstrenge, ich werde nicht die Chancen haben, die ein anderer Mensch hat.“

Poser arbeitet nur halbtags, doch selbst, wenn sie eine volle Stelle hätte, würde es sich finanziell nicht lohnen. Zudem darf sie keine Lebensversicherung oder Bausparverträge besitzen und nur 2.600 Euro Sparguthaben zur Seite legen – alles, was darüber hinaus geht, wird mit einkassiert.

Nancy Poser

Ein „Leben ohne Netz und doppelten Boden“ hat sie das vor einiger Zeit in einem ROLLINGPLANET-Bericht genannt. „Ich stehe sozusagen mitten im Leben. Aber ist diese Teilhabe gleichberechtigt, wenn ich – um meine Assistenz ,gewährt‘ zu bekommen – nicht mehr als 2.600 Euro ansparen darf? Wenn ich bei Autoreparaturen meine Eltern anpumpen und auf Urlaubsreisen verzichten muss? Wenn ich nie mit meinem Partner auch nur das Zusammenleben testen darf, ohne ihn arm zu machen?“ fragte Poser (kleines Foto: Aktion Mensch).

Ein Problem, das auch Raul Krauthausen kennt, der wegen der Glasknochenkrankheit im Rollstuhl sitzt: „Ich kann tun was ich will. Da ich nichts ansparen darf, werde ich in Altersarmut leben.“ Gleichstellung von behinderten Menschen? Fehlanzeige. „Ich werde permanent kontrolliert, das Sozialamt checkt alle drei Monate meine Kontoauszüge“, so Krauthausen. Das neue Bundesteilhabegesetz soll ab 2017 nun Abhilfe schaffen. Doch wird die Benachteiligung dadurch tatsächlich aufgehoben? Darüber sprechen Nancy Poser und Raul Krauthausen am Mittwochabend live mit Steffen Hallaschka bei stern TV.

„Zu wenig Kante gezeigt“

Raúl Krauthausen (Foto: Andi Weiland)

Raúl Krauthausen (Foto: Andi Weiland)

Morgen gibt es Krauthausen übrigens auch in der Zeitung „neues deutschland“. In einem Interview kritisiert er den Entwurf der Bundesregierung zum Behindertenteilhabegesetz scharf: „Wir haben ihn bedauert und sind zutiefst schockiert und entsetzt von den Vorschlägen, die da drinstehen“. Für ihn sei nicht akzeptabel, dass Menschen mit Behinderung nach wie vor in der Beweispflicht stehen, dass sie Unterstützung brauchen. Krauthausen bezeichnet die größte sozialpolitische Reform der vergangenen Jahre als einen „Rohrkrepierer“.

Anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am Mittwoch übt er auch Selbstkritik: Die Behindertenbewegung habe sich zu lange durch die sogenannten Wohlfahrtsverbände „verwalten“ lassen. „Wir haben zu lange geglaubt, dass die Politik es schon für uns regeln wird und zu wenig Kante gezeigt.“

(RP/PM)

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3 Kommentare

  • Eugen Frasch

    ich kann verstehen dass man als aktivist auch die geistig herausgeforderten RTL zuschauer erreichen muss.. aber stern TV… echt jetzt?

    4. Mai 2016 at 01:04
  • Steffen Kuhna

    Ja, irgendwie muss man auch auf sich aufmerksam machen. Einige 24h-Nonstop-RTL-Zuschauer haben bestimmt noch nie einen Menschen gesehen, der eine oder mehrere Behinderungen hat. Ganz besonders vorverurteilen sie Menschen, denen man die Einschränkungen nicht ansieht, als „Simulant“. Als Schlaganfallpatient alles schon erlebt!

    4. Mai 2016 at 08:57
  • Stefan Himbert

    Kurz und bündig ohne Diskussionen es hängt alles beantragte nur am Mehrkostenvorbehalt. Auch wenn nur zwei Beispiele gegeben sind es zählen ausnahmslos alle behinderte und die die gerne helfen möchten.
    Hallo ihr Ca. 4 Millionen MS erkrankte.
    Hallo ihr Ca. 7 Millionen Diabetiker.
    Könnte es geschehen das wir unter euch 11 Millionen erkrankten nur 1 Millionen Unterschriften zusammen bekommen das der “ Mehrwertvorbehalt “ des Staates abgeschafft wird ? Das es ausnahmslos allen “ behinderten “ Menschen besser geht ?
    Das passiert auch in Deutschland ! Wenn „nicht Fitte “ deren Eltern sterben und keine Vertrauensperson da ist weil der Mehrwertvorbehalt es verhindert. Diese Personen werden in psychische Einrichtungen gesteckt und bekommen einen Gummihelm auf und werden per “ sozialer Fixierung “ ruhig gestellt. Bekommen aber Essen und Trinken.
    Der neue Weg beginnt. Mit der Abschaffung “ im Ermessen des Bearbeiters ‚ “ Einrichtungsgebundenen Eingliederungshilfe ‚ und mit der Abschaffung des Mehrwertvorbehaltes. Packen wir es an ! Behinderte sind stark wenn sie Zusammen sind !

    Wir packen das ! Alleine in Berlin Marzahn und Hellersdorf leben 45000 behinderte wenn der Mehrwertvorbehalt abgeschafft würde könnten sich dort 7500 Personen selbstständig machen und mit behinderten Inklusion leben !
    Wenn ihr Menschen mit Behinderung in not helfen wollt, sagt mir mal bitte wie, ihr das schaffen wollt das ein “ nicht fiter “ der seine Eltern verloren hat sein Erbe nicht antreten darf nicht in einer Psychiatrie landet ?
    Frage mal an alle !
    Selbstbestimmt leben ?
    Wie soll das funktionieren ? 1. Wenn ich geistig nicht in der Lage bin.
    2. Wenn ich mich nicht mitteilen kann.
    3. Ich kann nur an einer Tagesbetreuung teilnehmen, aber nichts in einer Werkstatt für Körperbehinderte arbeiten ?
    4. Steht mir das persönliche Budget zu ?

    Welche Art von Inklusion ist für mich zuständig? Eltern sind ratlos ?

    https://www.change.org/p/bundesrepublik-deutschland-abschaffung-des-mehrwertvorbehaltes?recruiter=357184052&utm_source=share_petition&utm_medium=whatsapp

    4. Mai 2016 at 20:38

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