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Über 80 Prozent der Arztpraxen sind für Menschen mit Behinderung nicht zugänglich

CDU-Behindertenbeauftragter Schummer erklärt nach einem Treffen mit Ärzten, Krankenkassen und Betroffenen, was sich ändern muss.

Erika Dittner, Rollstuhlfahrerin und Vorstandsmitglied des Allgemeinen Behindertenverbands Mecklenburg-Vorpommern, in der Innenstadt von Schwerin am Eingangsbereich einer nicht-barrierefreien Arztpraxis. (Foto: Frank Hormann/dapd)

Erika Dittner, Rollstuhlfahrerin und Vorstandsmitglied des Allgemeinen Behindertenverbands Mecklenburg-Vorpommern, in der Innenstadt von Schwerin am Eingangsbereich einer nicht-barrierefreien Arztpraxis. (Foto: Frank Hormann/dapd)

Die Unionsfraktion hat am gestrigen Mittwoch mit Vertretern von Ärzten, Krankenkassen und Betroffenen beraten, wie die medizinische Versorgung besser werden kann. Anlass des Treffens: Über 80 Prozent der Arztpraxen sind für Menschen mit Behinderungen nicht oder nur eingeschränkt zugänglich, wie Uwe Schummer, der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, erklärte. Im Anschluss an das Fachgespräch forderte der Politiker:

„Wir brauchen ein KfW-Förderprogramm“

Uwe Schummer (CDU/CSU-Fraktion), Beauftragter für Menschen mit Behinderungen (Foto: Laurence Chaperon)

Uwe Schummer (CDU/CSU-Fraktion), Beauftragter für Menschen mit Behinderungen (Foto: Laurence Chaperon)

„Mit der UN-Behindertenrechtskonvention haben wir seit 2009 einen klaren Auftrag: Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen eine Teilhabe zu ermöglichen. Eine gute Gesundheitsversorgung ist dabei elementar. Doch gerade barrierefreie Arztpraxen sind dünn gesät.

Im Austausch mit Ärzten und Krankenkassen sowie Vertretern von Menschen mit Behinderungen wurde nochmals deutlich, wie dringend der barrierefreie Umbau der bundesweit rund 200.000 Arzt- und Therapiepraxen ist. Gefordert wurde, in jeder Region ein Mindestmaß an vernetzten barrierefreien Praxen zu schaffen. Für ein flächendeckendes Angebot ist aus Sicht aller Experten ein KfW-Förderprogramm nötig – so wie es für den altersgerechten Umbau von Wohnungen bereits zur Verfügung steht.

Zusätzlich brauchen Ärzte für den barrierefreien Auf- oder Umbau ihrer Praxen ein Zuschussprogramm des Bundes. Nur so können schnell spürbare Verbesserungen für die Patienten erreicht werden. Die Entwicklung muss in einem eigenen Fortschrittsbericht der Bundesregierung festgehalten werden.

Herausgestellt wurde auch, dass die Kosten für den Einsatz von Gebärdensprachdolmetschern in Krankenhäusern in den Fallpauschalen der Krankenkassen enthalten sind. Das Sozialgericht Hamburg hatte im März bestätigt, dass jeder gehörlose Patient ein Anrecht auf einen Dolmetscher hat. Dies müssen die Krankenhäuser sicherstellen.“

(PM)

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8 Kommentare

  • Sabine Schaetzle

    Dürfte in unserem reichen Land absolut nicht sein.

    27. April 2017 at 13:09
  • Heike Spanger

    und das schlimme ist man hat den eindruck das ist oft so gewollt

    27. April 2017 at 14:18
  • Jens Ortmann

    So lange unser Bundesfinanzminister (selbst Rollstuhlfahrer) der Meinung ist das es da keinen Handlungsbedarf gibt, da er damit keine Probleme hat, wird sich da nichts tun / ändern.

    27. April 2017 at 14:50
    • Barbara Maus

      Bei dem kommt der Doc bestimmt ins Haus. Ja, schade, ich hatte mich damals gefreut, dass er als Politiker weitermachte trotz Rolli, und dachte, jetzt haben wir mal einen Minister, der alles am eigenen Leib spürt und wird sich für Behinderte einsetzen. Aber nichts ist passiert, von dem Mann bin ich ziemlich enttäuscht. Für ihn wurde sicher in Berlin alles umgebaut, aber nach ihm die Sintflut.

      27. April 2017 at 16:42
  • Barbara Maus

    Entweder nicht ebenerdig oder mit Aufzug zu erreichen, also nicht barrierefrei. Und wenn, dann gibt es kein barrierefreien WC, bei Wartezeiten aber absolut notwendig. Schlimm finde ich, dass meist noch nicht mal drüber nachgedacht wird, wenn man die Praxen aufmerksam macht. Antwort: „Aber wir haben doch nur eine kleine Stufe…“ Begeistert von der Logik bin ich auch, wenn Praxen für Physiotherapie im 2. Stock ohne Aufzug angesiedelt sind. Was ist die Zielgruppe? Menschen mit Bewegungseinschränkungen aller Art bis hin zum Rollstuhlfahrer oder doch lieber fitte Sportler mit etwas Rückenschmerzen??? Das gleiche gilt für nicht erreichbare Praxen von Zahn-, Augen- oder sonstigen Fachärzten. Die denken sich, wer was an den Augen hat, kann ja trotzdem noch laufen… Oder? Querschnittgelähmte haben natürlich nie was an den Augen, ist ja völlig abwegig!

    27. April 2017 at 16:39
  • Uwe Schneider

    Ich kenne eine in Dielfen, da ist nicht nur ne Stufe im Eingang, sondern auch noch der Klingelknopf ca. 1,70 Meter hoch angebracht.
    Da bin ich nicht Kunde , nur wenn die meinen Arzt vertreten, es sei denn, Arzt oder Team-Mitglied kommt zu mir raus und das tun die.
    Is aber nicht so der Bringer.

    27. April 2017 at 17:55
  • Alisha Constantin

    Ja leider ist das so 🙁 Ich weiß nicht was die Behindertenbeauftragten der jeweiligen Länder oder Bezirke so machen – Kaffee trinken??? Ich würde solche Praxen nicht genehmigen. Nach meiner Meinung sollten das selbst Behinderte sein, damit sie wissen über was sie reden.

    27. April 2017 at 20:18
    • Stefan Feiks

      Dann gäbe es wohl kaum noch Arztpraxen in Deutschland. Nicht jeder Arzt der sich niederlässt, baut eine neue Praxis. Ich denke aber in den immer mehr aufkommenden neuen Ärztezentren sollte man das umsetzen können.

      2. April 2017 at 23:27

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