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Über eine halbe Million Euro Schadensersatz wegen Geburtsfehler

Komplikationen bei einer Frühgeburt – Kind ist schwerbehindert. Klinik und Arzt müssen zahlen.

Ein früh geborenes Mädchen wurde falsch behandelt und erlitt dadurch schwere Schäden. (Symbolfoto: dpa)

Ein früh geborenes Mädchen wurde falsch behandelt und erlitt dadurch schwere Schäden. (Symbolfoto: dpa)

Wegen schwerer Behandlungsfehler bei einer Frühgeburt müssen das Ortenau Klinikum in Lahr (Baden-Württemberg) und ein Arzt mehr als eine halbe Million Euro Schmerzensgeld zahlen. Eine heute schwerbehinderte Achtjährige bekommt insgesamt 550.000 Euro plus Zinsen, sagte ein Sprecher des Landgerichts Offenburg nach einem Urteil am Freitag. Bei der Frühgeburt des Kindes im Jahr 2008 war es zu Komplikationen gekommen. Das Mädchen erlitt Hirnblutungen, die unter anderem Bewegungsstörungen, Blindheit und Epilepsie auslösten (Az.: Aktenzeichen: 3 O 386/14).

Ob die Klinik gegen das Urteil vorgeht, war zunächst offen. Der Verteidiger kündigte an, es zunächst prüfen zu wollen. Ihm zufolge würde ein Versicherer die Summe zahlen.

Klinik lehnte Vergleich ab

Die Beklagten – die Klinik und ein damals zuständiger Arzt – hätten nicht beweisen können, dass es ohne ihre Fehler auch zu Hirnblutungen gekommen wäre, befand das Gericht. Sie müssen auch für Zukunftsschäden des Mädchens haften. Das Kind sitzt im Rollstuhl und kann weder sprechen noch sehen.

Auch ein materieller Schadenersatz steht dem Mädchen nach Ansicht des Gerichts zu. Die geforderte Summe von 65.000 Euro müsse aber noch geklärt werden. Die Klage gegen eine weitere Ärztin wurde aus Mangel an Beweisen abgewiesen.

Das Gericht hatte beiden Seiten zuvor einen Vergleich in Höhe von 615.000 Euro Schmerzensgeld an die Familie vorgeschlagen. Einem Justizsprecher zufolge war in dieser Summe bereits der materielle Schadenersatz eingerechnet. Die Klinik lehnte das jedoch ab.

(dpa)

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3 Kommentare

  • Jolleyna Gurus

    Auch wenn es das Leben in Gesundheit nicht mehr gibt für das kleine Mädchen, freue ich mich das die Eltern Finaziell abgesichert sind für das Leben ihres Kindes. 👍🏻Wir hatten da weniger Glück im Unglück.

    4. September 2017 at 20:39
  • Elke Edlinger

    Hm… wen könnte ich jetzt verklagen?! Fragwürdiger Trend…

    4. September 2017 at 21:00
    • Elisabeth Wirthensohn

      Hinzu kommt: Um eine solche Klage zu führen, ohne sich auf einen Vergleich einlassen zu müssen, braucht es auf Seiten der Eltern viel Kohle, teuere Rechtsschutzversicherung, die sich viele junge Eltern heut zu Tage, z.B. wegen hoher Selbstbehalte, nicht mehr leisten können.

      4. September 2017 at 22:38

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