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Umstrittene Frühdefibrillatoren: Was bringen sie wirklich?

Ein Fluggast bricht auf dem Weg zum Gate zusammen: Kammerflimmern. Ein Ersthelfer reißt einen kleinen Kasten von der Wand und hält das Herz mit Elektroschocks am Schlagen, bis der Arzt kommt. So hat man sich das vorgestellt vor zehn Jahren. Die Realität sieht anders aus. Eine Jubiläums-Betrachtung von Sandra Trauner.

Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah (Greuther Fürth) hat eine Verdickung der Herzscheidewand. Deshalb muss ein  Defibrillator stets am Spielfeldrand verfügbar sein.

Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah (Greuther Fürth) hat eine Verdickung der Herzscheidewand. Deshalb muss ein Defibrillator stets am Spielfeldrand verfügbar sein. Aber da gibt es dann auch meistens jemanden, der sich mit dem Gerät auskennt…

Seit zehn Jahren gibt es am Frankfurter Flughafen Geräte, mit denen auch medizinische Laien einem Patienten im Falle eines Herzkreislaufstillstands das Leben retten können. Mehr als ein Dutzend Menschen haben dank dieser sogenannten Frühdefibrillatoren einen Anfall am Airport überlebt.

Doch die Schockgeber für Jedermann sind umstritten. „Unnötiges Herumwursteln mit irgendwelchen Automaten“ koste nur wertvolle Zeit, sagen Kritiker und empfehlen eine Alternative, die keinen Pfennig kostet.

Defibrillatoren an öffentlichen Plätzen

Jährlich sterben nach Angaben der Deutschen Herzstiftung hierzulande rund 80.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Ein Defibrillator kann durch gezielte Stromstöße Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern stoppen. Früher gab es sie nur auf Intensivstationen und im Rettungswagen. Dann wurden sie zunehmend an öffentlichen Plätzen mit viel Publikumsverkehr installiert.

Der Ersthelfer muss im Notfall nur die Elektroden ankleben, danach analysiert eine Software selbstständig den Herzrhythmus. Wann der Anwender per Knopfdruck einen Elektroschock auslösen muss, sagen ihm – je nach Baureihe des Geräts – blinkende Dioden oder Anweisungen auf einem digitalen Display.

Nur selten erfolgt eine Reanimation durch Laien

Doch die Scheu für Laien, überhaupt zu helfen, ist groß: „Obgleich die Erfolge der Reanimation durch Ersthelfer seit vielen Jahren bekannt sind, wird eine Laien-Reanimation nur bei 15 Prozent der Patienten mit Herz-Kreislauf-Stillstand durchgeführt“, weiß Prof. Hans-Joachim Trappe.

Er ist Direktor der Kardiologie am Marienhospital Herne (Ruhr-Universität Bochum) und Vorstandsmitglied der Herzstiftung und hat auch die Einführung der öffentlichen Defibrillatoren von Beginn an wissenschaftlich begleitet.

Projekt Frankfurter Flughafen

Am Flughafen von Frankfurt am Main gibt es seit zehn Jahren Geräte, mit denen auch medizinische Laien einem Patienten im Falle eines Herzkreislaufstillstands das Leben retten können (Foto: dpa)

Am Flughafen von Frankfurt am Main gibt es seit zehn Jahren Geräte, mit denen auch medizinische Laien einem Patienten im Falle eines Herzkreislaufstillstands das Leben retten können (Foto: dpa)

Eines der größten Projekte startete im Frühjahr 2003 am Frankfurter Flughafen. 44 Schockgeber wurden aufgehängt, 1500 potenzielle Ersthelfer geschult – zum Beispiel Wachpersonal, Zoll-Mitarbeiter oder Angestellte des Flughafenbetreibers Fraport.

Am Frankfurter Flughafen kamen die „Defis“ seither bei mindestens 21 Menschen mit Kammerflimmern zum Einsatz, 14 von ihnen überlebten. Diese Zahlen gehen aus einer Studie hervor, die 2011 in der Fachzeitschrift „Der Kardiologe“ veröffentlicht wurde, neuere Zahlen liegen nicht vor.

Auch an anderen öffentlichen Orten – zum Beispiel im Münchner U-Bahn-Netz, der Arena „Auf Schalke“, in der Therme „Lago“ in Herne und dem Düsseldorfer Landtag – wurden solche Geräte installiert.

Kritik an massenweise verteilten Laien-Defis

Prof. Dietrich Andresen, Direktor der Klinik für Kardiologie am Vivantes-Klinikum Berlin, sieht das massenweise Verteilen der Laien-Defis kritisch. Wenn das Herz das Blut nicht mehr weitertransportiert, zählt jede Minute, sagt er. „Das Schlechteste, was Sie in so einer Situation tun können, ist Zeit zu verlieren – zum Beispiel durch unnötiges Herumwursteln mit irgendwelchen Automaten.“

Einzige richtige Maßnahme: „Die Feuerwehr rufen und danach sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.“ Das – dank vieler Filme im kollektiven Bewusstsein verankerte – Beatmen sei falsch. „Jede Minute, die man nicht pumpt, bringt den Patienten eine Minute näher zum Tod“, sagt Andresen.

Nicht nur Technik zählt, sondern auch Schulung

Dennoch ist auch er der Ansicht: „Frühdefibrillatoren können Leben retten“ – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Sinn machten sie nur an stark frequentierten Orten. Und auch dort genügt es nicht, die Dinger an die Wand zu schrauben: Es müssten auch Laienhelfer geschult und ihr Wissen regelmäßig aufgefrischt werden. „Der Aufwand ist sehr hoch.“ Im Durchschnitt komme ein Laiendefibrillator alle sechs Jahre zum Einsatz, und man müsse 1000 Leute ausbilden, damit einem Menschen das Leben gerettet wird.

(dpa, Foto Asamoah: Wikipedia/Flickr: IMG_3222.jpg/xtranews.de Creative Commons Attribution 2.0 Generic license.)

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