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Und wir sind doch schlauer als Affen: Nachplappern gilt nicht

Eine neue Studie widerlegt bisherige Theorien zu der Frage, wie wir als Kinder Sprache erlernen.

Wie erlernen Kinder die Sprache? Linguisten stellen bisherige Theorien auf den Kopf (Foto: Heike Berse/pixelio.de)

Wie erlernen Kinder die Sprache? Linguisten stellen bisherige Theorien auf den Kopf (Foto: Heike Berse/pixelio.de)

Kinder lernen Sprache wesentlich kreativer als bisher vermutet: Beim Sprechen kombinieren Zweijährige Wörter frei – und nicht, indem sie einfach nur nachplappern, was sie gehört haben. Das berichten Forscher in den „Proceedings“ der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften („Pnas“).

Heißt es „eine Katze“ oder „die Katze“? Grammatikalisch ist beides korrekt – allerdings bevorzugen Menschen mitunter nur eine der zwei Kombinationen. Dieses Prinzip machte sich der Linguist (Sprachforscher) Charles Yang von der University of Pennsylvania in Philadelphia zunutze: Er untersuchte, wie Kleinkinder Kombinationen von Artikel plus Substantiv verwenden.

Dazu analysierte er neun Daten-Sammlungen von Zweijährigen, die gerade sprechen lernten. Dies verglich Yang mit einem Textkorpus von Sprachwissenschaftlern – dem „Brown Corpus“, der 500 Texte umfasst. Bei dieser Textsammlung wurde nur jedes vierte Substantiv mal von bestimmtem, mal von unbestimmtem Artikel begleitet. Die Zweijährigen entschieden sich häufiger frei für einen Artikel.

Grammatik statt Nachplappern

„Es klingt absurd zu unterstellen, dass professionelle Schreiberlinge eine weniger systematische Grammatik nutzen als Zweijährige“, schreibt der Linguist. Aber die Sprache der Kinder passe eher zum Profil einer grammatikalischen Regel, der zufolge einzelne Wörter unabhängig voneinander kombiniert werden können.

Der Linguist erstellte auch ein Modell, wie die Kleinkinder Artikel und Substantive kombinieren würden, wenn sie nur die Wort-Paare ihrer Bezugspersonen nachplapperten. Dazu verwendete er 1,1 Millionen Bemerkungen, die Erwachsene in der Öffentlichkeit zu Kindern sagten.

Das Modell ergab aber nicht so viele vielfältige Wort-Kombinationen, wie die Kinder tatsächlich verwendeten. Der Forscher folgert: „Zweifelsohne spielt das Gedächtnis eine Rolle, wenn Kinder eine Sprache lernen. Wörter und Redewendungen sind die offensichtlichsten Beispiele. Aber die Ergebnisse zeigen, dass das Gedächtnis nicht die kombinatorische Kraft der Grammatik ersetzen kann.“

Bisherige Theorien widerlegt

Damit widerspricht der Forscher der gängigen Meinung, dass Kleinkinder Sprache durch Nachahmen lernen – so wie Primaten sich die Zeichensprache abschauen.

Um dies zu untermauern, analysierte er Videos des Schimpansen Nim Chimpsky, der in den 1970er Jahren rund 125 Zeichen der Gebärdensprache lernte. Der Affe verwendete weniger Zwei-Zeichen-Kombinationen, als statistisch möglich war: „Nims Zeichen waren eher nur nachgeahmt, als dass sie einer echten Grammatik folgten“, betont Yang.

(dpa)

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