Unheilbar krankes Mädchen Andrea löst Debatte um Sterbehilfe aus

Präzedenzfall in Spanien: Eine Klinik geht auf die Forderung der Eltern ein, ihrer zwölfjährigen Tochter einen „würdigen Tod“ zu ermöglichen. Von Hubert Kahl

Die Eltern von Andrea, Antonio Lago und Estela Ordonez (Foto: EPA/LAVANDEIRA JR./dpa)

Die Eltern von Andrea, Antonio Lago und Estela Ordonez (Foto: EPA/LAVANDEIRA JR./dpa)

Andrea hat alles andere als ein leichtes Leben gehabt. Nun soll der zwölfjährigen Spanierin, die seit der Geburt an einer unheilbaren Krankheit leidet, wenigstens ein qualvoller Tod erspart werden. Die Ärzte eines Krankenhauses in Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens einigten sich nach einem wochenlangen Disput mit den Eltern darauf, das Leben des Mädchens nicht weiter künstlich zu verlängern.

„Das Leben von Andrea wird ein süßes Ende nehmen“, sagte Sergio Campos, der Anwalt der Eltern. „Der Tod wird etwas leichter sein als das Leben, das das Mädchen bisher führte.“ Die Zwölfjährige leidet an einer seltenen Krankheit, die sich unaufhaltsam verschlimmert. Sie kann nicht mehr sprechen, sich nicht bewegen und wird künstlich ernährt.

„Ihr Körper hält es einfach nicht mehr aus“

Das Ehepaar Estela Ordóñez und Antonio Lago hatte schon vor Wochen öffentlich für seine Tochter das Recht auf einen „würdigen Tod“ verlangt. „Ihr Zustand hat sich stark verschlechtert“, sagten die Eltern. „Andrea leidet unter starken Schmerzen, ihr Körper hält es einfach nicht mehr aus.“ Ihre Forderung wurde von einer Ethik-Kommission angesehener Mediziner unterstützt. Das galicische Gesundheitsministerium und das Krankenhaus lehnten es jedoch ab, die Sonde zu entfernen, über die Andrea künstlich ernährt wird.

Ein Gericht, an das die Eltern sich daraufhin gewandt hatten, trug den Krankenhausärzten und dem Ehepaar auf, sich zusammenzusetzen und sich auf eine Lösung zu verständigen. Die Mediziner änderten bei dem Treffen ihre Haltung und konstatierten, dass der Gesundheitszustand des Mädchens sich verschlechtert habe. Wie der Anwalt der Eltern mitteilte, stimmte das Krankenhaus der Forderung des Ehepaars zu, die Magensonde zu entfernen und dem Mädchen starke Schmerzmittel zu geben. Es sei dann eine Frage von ein paar Tagen oder Wochen, bis der Tod eintrete, sagte der Jurist.

Unterschiedliche Positionen

Der Fall hatte in Spanien Schlagzeilen gemacht und eine Debatte über Sterbehilfe ausgelöst. Der sozialistische Oppositionsführer Pedro Sánchez kündigte an, er werde bei einem Sieg bei der Parlamentswahl am 20. Dezember eine neue gesetzliche Regelung einleiten. Der konservative Gesundheitsminister Alfonso Alonso sagte dagegen, das Land brauche kein neues Gesetz.

In Spanien ist wie auch in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern die aktive Sterbehilfe – die Tötung auf Verlangen – unter Strafe gestellt. Die passive Sterbehilfe – der Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen – ist in mehreren Regionen erlaubt. Der Fall von Andrea ist nach Informationen der Nachrichtenagentur Efe der erste in Spanien, bei dem lebenserhaltende Maßnahmen bei einem Kind auf Verlangen der Eltern abgebrochen werden.

(dpa)

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2 Kommentare

  • dasuxullebt

    Jetzt mal abgesehen von meiner grundsätzlichen Haltung, die klar Pro-Sterbehilfe unter gewissen Voraussetzungen ist, möchte ich wissen inwieweit es besser ist, jemanden verhungern zu lassen (ich meine, darauf liefe es ja dann hinaus), als ihn sinnvoll zu töten.

    6. Oktober 2015 at 19:28
  • Familie Simon und Andrea Huber

    Gegen das Vergessen-damit niemand mehr sagt, er wüßte von nichts.
    MfG
    Fam. S. u. A. Huber

    8. Oktober 2015 at 09:27

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