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Unified Sportart: Neuer Trend bei den Special Olympics

Ein Beachvolleyball-Turnier, bei dem gemeinsam Menschen mit und ohne Behinderung spielen, sorgt für Freudentänze und die Hoffnung auf mehr Zulauf. Von Daniel Wehner

Archivfoto: Special Olympics World Games Athen 2011, Demonstrationssportart Beach-Volleyball Unified (Foto: SOD/Luca Siermann)

Die Athleten und ihre Partner betreten mit verspiegelten Sonnenbrillen den Sandplatz. Im Hintergrund schallt „Hip Teens“ aus den Boxen, während sie sich ein letztes Mal anfeuern. Dann beginnt das erste offizielle Beachvolleyball-Turnier bei den Special Olympics (20.-26.5.). Es ist ein gemischter Wettbewerb, bei dem Menschen mit geistiger Behinderung und jene ohne in einem Team antreten. Dabei soll der Trendsport nicht nur verbinden, sondern auch für ein neues Lebensgefühl sorgen.

Michael Stäbler, Volleyball-Headcoach

„Wir wollten diese Sportart auch zu uns holen, weil sie so trendig ist“, sagt Michael Stäbler, Volleyball-Headcoach bei den Special Olympics Deutschland.

Auf dem Court am Münchener Olympiapark erlebt er eine Premiere. Vor zwei Jahren war Beachvolleyball bei den Sommerspielen in Bremen nur zu Demonstrationszwecken vertreten, jetzt ist der Sport auch offiziell ins Programm aufgenommen.

Das Besondere dabei ist die Zusammenstellung der Viererteams, bei denen zwei sogenannte Partner gemeinsam mit den Athleten spielen. „Die Bewegungsabläufe brauchen etwas längere Zeit. Daher sind die Partner wichtig, um bestimmte Abläufe mit den Athleten zu üben“, sagt Stäbler.

„Ziemlich locker hier“

Die Mannschaft in den grünen T-Shirts scheint gut eingespielt. Sie bietet dem hoch eingeschätzten blauen Team Paroli und hat den zweiten Satz gerade für sich entschieden. „Green… Team, Green… Team“, rufen sie sich immer wieder zu. Lutz Henselmann lässt seine Arme vor sich kreisen und tanzt vor Freude über den Satzausgleich. Seine Lehrerin Melanie Hejzlar kann es kaum glauben: „Solche Bewegungen hat er vorher noch nie gemacht.“

Lutz ist außerdem gehörlos und verständigt sich mit seinen Mitspielern über Zeichensprache. Seine Teamkollegin Nele Stockmayer kennt ihn schon länger. Die Gymnasiastin spielt seit einem Jahr für die Volleyballabteilung des TSG Wilhelmsdorf, wo 30 Volleyballer mit und ohne geistige Behinderung gemeinsam trainieren. Ihr Antrieb ist der Spaß am Spiel: „Ich liebe es, wie die Leute sich freuen können, auch wenn’s nur mal ein Unentschieden ist.“ Zudem gefällt der 15-Jährigen der Wechsel von der Wilhelmsdorfer Sporthalle auf den Sandplatz mit wummernden Bässen: „Es ist alles ziemlich locker hier.“

Jubel trotz Niederlage

Headcoach Stäbler ist nicht nur wegen der Atmosphäre von dem Projekt überzeugt: „Es ist eines der besten Programme, die Menschen zusammenbringen.“ Neben Fußball und Basketball ist Beachvolleyball die dritte sogenannte „Unified Sportart“, bei der gemischte Teams auflaufen. „Das gibt es in keinem anderen Sportverband“, sagt Stäbler. Noch starten nur vier Teams im Turnier, doch er ist zuversichtlich, dass es schon bald mehr werden: „Es gab schon einige Anfragen.“

Text: dapd, Fotos: Special Olympics

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