Unser Liebling des Tages: Jetzt aber erstmal zu Penny

Nach dem von ROLLINGPLANET aufgedeckten Skandal um schikanierte Blinde handelt Penny schnell und konsequent: Als Deutschlands erster Lebensmittel-Discounter bekennt er sich auf seiner Webseite dazu, Führhunde zu akzeptieren.

Penny dreht total auf

Wer wie ROLLINGPLANET scharf kritisiert, muss nicht nur einstecken können („einseitige Berichterstattung“, so ein Facebook-Kommentar bei den Piraten) – sondern auch loben. Wir tun das heute, ohne Einschränkungen – und gerne.

Auf der Webseite des Lebensmittel-Discounters Penny (Slogan: „Erstmal zu Penny“) gibt es eine Rubrik „Aktionen & Unterhaltung“. „Wer ist Ihr Liebling?“ wird gefragt, und die aktuelle Antwort, die gewonnen hat, lautet: „Meine Lieblings-Apfelsaftschorle heißt jetzt PENNY, weil sie erfrischend ist wie die erste Liebe!“ Dort könnte nun auch stehen: „Mein Lieblings-Supermarkt heißt heute PENNY, weil er schnell reagiert hat, auch wenn es für uns eine Liebe auf den zweiten Blick ist.“

Penny reagiert innerhalb weniger Stunden

Kein Artikel in den vergangenen Wochen wurde bei ROLLINGPLANET so häufig geklickt wie der vorgestern Nacht online gegangene mit dem Titel „Supermärkte schikanieren Blinde: In was für einem Billigland leben wir?“ Wir berichteten über mehrere Fälle, darunter zwei, in denen blinde Kunden von Penny diskriminiert worden waren. Sie sollten oder mussten mit ihren Blindenführhunden Ladenlokale verlassen.

Wenige Stunden nach unserer Veröffentlichung hat Penny, eine Tochtergesellschaft von Rewe, reagiert – und einen eindeutigen Hinweis auf seine Homepage gesetzt. Unseres Wissens nach ist es das erste Mal, dass ein deutscher Lebensmitteldiscounter dies so klar formuliert. Unter dem Menupunkt „Service“ und „FAQ“ lesen wir seit heute:

Seit heute bekennt sich Penny auf seiner Webseite dazu, dass Kunden ihre Führ- und Rehabilitationshunde mitbringen dürfen.

Was tut PENNY für Menschen mit Handicap?

PENNY legt großen Wert darauf, Menschen mit Handicap in ihrem Grund- und Menschenrecht zu unterstützen, ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen. Dazu zählt auch der Einkauf von Lebensmitteln.

Aus diesem Grund sind nachweislich als Führ- und/oder Rehabilitationshunde ausgebildete Tiere in allen PENNY Märkten erlaubt. Diese Tiere gelten im Sinne des Gesetzgebers und der Kontrollbehörden nicht als Haustiere, sondern als Hilfsmittel.

Um Missverständnissen vorzubeugen bitten wir Kunden, die auf einen Führ- oder Rehabilitationshund angewiesen sind, darum – falls sie nicht im Markt bekannt sind – einen Mitarbeiter kurz darauf hinzuweisen, dass es sich um einen Führ- bzw. Rehabilitationshund handelt.

Auf diese Erklärung können sich nun blinde Menschen berufen – auch gegenüber Penny-Mitarbeitern, falls diese die entsprechenden gesetzlichen Regelungen nicht kennen sollten.

Für den Verein „Lichtblicke e.V. – Verein zur Förderung des Blindenführhundwesens“, der diesen Fall ins Rollen gebracht hatte und sich im Dialog mit Penny befand, ist dies ein enormer Erfolg – so freut sich denn auch der Vorsitzende, Bert Bohla (50): „Durch konsequenten und vor allem nachdrücklichen Einsatz ist es Lichtblicke gelungen, dass Penny nun generell und bundesweit ganz offiziell Rehabilitationshunde in seinen Filialen akzeptiert und dies auch auf seiner Webseite offen verkündet.“

Netto will noch nicht so recht

Bei Netto, wo ebenfalls eine blinde Kundin rausgeworfen wurde, hält man sich noch bedeckt. Auf die ROLLINGPLANET-Anfrage, ob Netto dem Penny-Beispiel folgen werde, weicht man aus. Das Unternehmen habe Ende Juli 2012 aus aktuellem Anlass nochmals seine Mitarbeiter für das Thema „Blindenführhunde“ sensibilisiert, offensichtlich überlegt man sich jedoch noch, ob und wie dies öffentlich zu kommunizieren ist. Bohla ist aber zuversichtlich. Er hat bereits mit Netto gesprochen und will nun auch Lidl kontaktieren: „Das Bewusstsein ist geweckt.“

In Deutschland gibt es zirka 3.000 blinde Menschen, die einen Führhund haben. Der Verein Lichtblicke (Webseite: http://verein-lichtblicke.de) setzt sich seit Jahren für die Förderung des Blindenführhundwesens und die Aufklärung der breiten Öffentlichkeit ein. Der Verein freut sich über für diese Arbeit dringend erforderliche Spenden.

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